Natürlich war ich während meines USA-Urlaubes auch auf der Suche nach innovativen Geschäftsideen, über die ich hier berichten kann. Ganz zum Schluss, kurz vor dem Abflug am JFK-Flughafen in New York bin ich dann noch fündig geworden. Es handelt sich um die Wellness-Kette XpresSpa. Hier kann man sich kurz vor dem Abflug eine Massage verabreichen lassen, aber auch etwas für die Schönheit tun (Nagepflege, Kosmetik,…). Da nicht alle Gäste viel Zeit haben, werden die meisten Behandlungen schon für einen Zeitraum ab 10 Minuten angeboten.
Man kann sich im XpresSpa aber nicht nur verwöhnen lassen. Man findet hier auch viele kleine Geschenke für die Lieben zu Hause. Im Shop gibt es ganz viele Produkte, mit denen ich mich oder andere zu Hause verwöhnen kann. So wird z.B. Rosenseife in Form von Rosenblüten angeboten, verpackt in einer Herzchenschachtel. Endlich mal nicht die “üblich verdächtigen” Geschenke aus dem Duty Free Shop, die man hier findet. Und wer auf den “Geschmack” gekommen ist, kann sich im Webshop anschliessend die Lieblingsprodukte nachbestellen.
Sehr gut gefällt mir die Mischung aus Spa und Einzelhandelsgeschäft sowie die gezielten Angebote für die Fluggäste, die meist wenig Zeit haben. Im Rahmen eines Franchisekonzeptes wächst das Angebot rasant. Bisher gibt es knapp 20 Shops vornehmlich in den USA. Seit gut einem Jahr gibt es auch ein XpresSpa in Amsterdam (siehe der Film oben). In den nächsten Monaten sollen weitere knapp 20 Geschäfte folgen. Das Business boomt.
Aus meiner Sicht gibt es noch viele Möglichkeiten für Co-Marketing. Warum schenken die Fluggesellschaften nicht ihren Business- und First Class Kunden eine Massage bei XpresSpa kurz vor dem Abflug. Oder warum bietet XpresSpa diesen Service nicht in den Business Lounges der Fluggesellschaften an? Der Hit wäre natürlich, wenn ein Masseur während des Fluges die Gäste verwöhnen würde. Und warum lässt sich die Deutsche Bahn nicht davon inspirieren und bietet solch ein Angebot an den Bahnhöfen und in den Zügen an?
Tante Emma Läden werden immer mehr aus dem Stadtbild verdrängt. Schuld daran sind nicht nur Supermärkte und Discounter, sondern auch Tankstellenshops und Lebensmittellieferdienste. Doch seit zwei Jahren gibt es wieder etwas Hoffnung. Im Mai 2007 hat Anton Kerler seine ersten Fresh N Friends Shops in Berlin eröffnet. Mittlerweile sind es schon vier Geschäfte in Berlin und dank eines Franchisekonzeptes sollen bald viele weitere Geschäfte in ganz Deutschland folgen.
Was macht diese Shops so besonders? Sie fallen zuerst durch ihr modernes Design auf. Sehr praktisch ist, dass die Geschäfte 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche geöffnet haben. Die Ladenfläche ist mit 50 bis 100 qm eher klein. Angeboten wird ein Sortiment für den täglichen Bedarf. Es gibt aber nicht nur Produkte zum mitnehmen, sondern auch eine Theke, wo man leckere Sandwiches essen und gemütlich einen Kaffee trinken kann. Damit handelt es sich um eine Mischung aus einem Bio-Imbiss und einem Einzelhandelsgeschäft.
Besonders am Fresh N Friends-Konzept ist, dass das Sortiment und Geschäftsausstattung je nach Umfeld sehr unterschiedlich sein können. So stehen in einer Filiale, die von Büros umgeben ist, das Imbiss- und Cafe-Angebot im Vordergrund. Weiterhin ungewöhnlich ist, dass bis zu 95 Prozent des Produktangebotes in Form von Eigenmarken oder Cobranding erfolgen soll. Dadurch soll Topqualität zu bezahlbaren Preisen gewährleistet werden.
Haben Sie schon einmal von einem Null-Stern-Hotel gehört? Dachten Sie auch, die Skala endet bei 1? Warum eigentlich? Das haben sich zwei Schweizer Künstler wohl auch gedacht und tanzen mit ihrem Hotelprojekt bewusst aus der Reihe. Das machen Künstler nicht nur sehr gerne, sondern lieben auch die Medien. Denn die berichten mittlerweile weltweit über diese Geschäftsidee. Auf der Webseite des Null-Stern-Hotels wird sie wie folgt beschrieben:
“Das Null Stern Hotel ist eine Erfindung der Künstlerzwillinge Frank und Patrik Riklin vom St.Galler Atelier für Sonderaufgaben. In Kooperation mit der Gemeinde Sevelen entstand das weltweit erste Null Stern Hotel als lustvolle Erweiterung des gängigen Hotelangebots. Das Low-Budget-Hotel bietet ein innovatives Nischenprodukt in mehrheitlich leerstehenden Luftschutzanlagen der Schweiz in Form einer Kunstinstallation. Geplant ist ein Null Stern Franchise-Package als Verkaufs- und Lizenzprodukt für interessierte Gemeinden in der Schweiz. Bei Bedarf wird das Null Stern Hotel ab 2009 in der Gemeinde Sevelen eröffnet.”
Die mehr als 50 Schlafplätze kosten zwischen 6 und 25 EUR. Das allein ist aber nicht erwähnenswert, wie Hannes Treichl feststellt: “Erwähnenswert wie die Ausstattug des Hotels zusammengetragen wurde: Hier half das ganze 4.000 Seelen Dorf mit. Die Bewohner von verliehen oder verschenkten Bettwäsche, Nachttische, Lampen und Betten. Wahrscheinlich stammen auch die Wärmflaschen von ihnen. Diese sollen die fehlende Heizung ersetzen. Die Riklins brauchten die Einwohner von Sevelen aber nicht nur für die Finanzierung der Hotel-Ausstattung, sondern sollen diese auch abwechselnd die Rolle des Hoteldirektors übernehmen.”
Warum finde ich das Beispiel erwähnenswert? Weil es zeigt, dass man bestehende Regeln nicht brechen muss, sondern sie einfach nur erweitern kann, in die eine oder andere Richtung. Nicht jede Regelerweiterung führt zu wirtschaftlichem Erfolg. Aber sie kann zumindest für viel Publicity sorgen. Und das kann auch ein Pfund sein, mit dem man auch wuchern kann.
Als ich am letzten Sonntag den Trek Stop (Automaten für Fahrradfahrer) vorgestellt habe, habe ich angemerkt, dass es aus meiner Sicht noch zu wenige Verkaufsautomaten gibt, die zielgruppen- und nicht produktfokussiert sind. Die Aufsteller von solchen Verkaufsautomaten haben aber aus meiner Sicht in diesem hartumkämpften Markt nur noch eine Chance, wenn sie am richtigen Ort die richtige Zielgruppe ansprechen und denen alles bieten, was sie brauchen. Nach kurzer Recherche bin ich auf ein solches Angebot gestossen: Hey Buddy – Automat für Hundebesitzer.
Bei Hey Buddy handelt es sich um ein Franchisekonzept. Auf die Idee kam Charlotta Lennox vor zehn Jahren in einem Park in Miami. Nach mehrjähriger Recherche und Patentanmeldung konnte dann der erste “Hey-Buddy”-Automat in Dallas – Texas aufgestellt werden. Das ist ein gutes Omen, schliesslich war das die Heimat des Fernseh-Öl-Magnaten J.R. Ewing. Und es scheint so, dass Charlotte Lennox auch auf “Öl gestossen ist”. Denn die Anzahl der aufgestellten Automaten durch die Franchisenehmer wachsen rasant. In den kommenden Jahren sollen weltweit mehrere Tausend Hey-Buddy Automaten auf der ganzen Welt stehen.
Auf der Webseite von Hey-Buddy stehen interessante Marktdaten für die USA: Es gibt über 180 Millionen Haustiere in den USA. Der Haustiherhalter gibt im Durchschnitt 1.500 USD pro Jahr für seine Haustiere aus. Damit handelt es sich um einen zweitstelligen Milliardenmarkt. Wenn man jetzt noch bedenkt, dass die Umsätze im Markt für Automatenaufsteller ständig steigen, dann ist Hey Buddy gleich in zwei Wachstumsmärkten positioniert. Wenn man sich die Landkarte mit der Standortanzeige der bisher aufgestellten Automaten anschaut, dann hat der Franchisenehmer noch fast die freie Auswahl. Entscheidend für den Erfolg ist der auch hier der richtige Standort, z.B. in einem Park, an einem zentralen Ort in einer Wohngegend, an einem Rastplatz oder vor einer Tierklinik.
Bleibt noch die wichtige Frage offen, was man alles in den “Hunde-Automaten” kaufen kann? Auf der Webseite und in den beide Videos gibt es die Antwort: Hundeleinen, Abfalltüten für den Hundekost, Wasser, Hundeknochen, Hundeleckereien, Bälle, Frisbee-Scheiben… Die Produkte kosten zwischen 1 und 10 USD. Das gesamte Sortiment wird grundsätzlich von Hey Buddy gestellt und geliefert. Nach Genehmigung darf man aber auch andere Produkte beimischen. An diesem Punkt verdient also Hey Buddy noch ganz gut mit. Dafür gibt es keine monatliche Franchisegebühr. Die Einstiegsgebühr liegt bei $4,195 to $8,195 USD. Darin enthalten ist jeweils ein Automat und ab drei Automaten auch eine kostenlose Eintagesschulung.
Es gibt ja fast keine Produkte mehr, die nicht in Automaten verkauft werden. Dieser Vertriebskanal ist für sowohl für Anbieter als auch für Nachfrager sehr attraktiv: Die Anbieter können ihr Produktsortiment auf geringstem Platz ohne hohen Personalaufwand verkaufen. Die Kunden können die Produkte zu den unmöglichsten Zeiten erwerben. Eins ist mir nur bisher aufgefallen: Häufig werden in Automaten nur Produkte aus einer Kategorie verkauft, wie z.B. Getränke, Eis, Süßigkeiten,…..Es gibt noch zu wenige Automaten, die zielgruppenspezifische Produkte verkaufen. Ein gutes Beispiel dafür habe ich im trehugger-Blog gefunden:
Vor dem Fahrradgeschäft Machinery Row Bicycle in der Stadt Madison im Bundesstaat Wisconsin steht seit kurzem ein Automat (im Rahmen eines Tests), der viele nützliche Artikel für Fahrradfahrer anbietet: Fahrradschlauch, Reparatur-Set, Wasserflasche, Energieriegel,….Das ist aber längst noch nicht alles. Am Trek Stop (schönes Wortspiel – Truck Stop) kann man auch seine Reifen wieder aufpumpen lassen, es gibt einen Fahrradständer, eine Karte mit interessanten Fahrradrouten und ein Videoterminal, auf dem kleine Videospots gezeigt werden, die z.B. erklären, wie man einen Fahrradschlauch auswechselt. Ich gehe davon aus, dass diese Extras kostenlos angeboten werden und so den Fahrradfahrer anlocken.
Für das Fahrradgeschäft, das den Automaten aufstellt, könnte es sich um ein perfektes Cross-Selling-Instrument handeln. Denn wenn ich erst einmal den Weg zu dem Automaten gefunden habe, ist der Weg in das Fahrradgeschäft nur noch ein kleiner Schritt. Aus meiner Sicht könnten auch Kiosk- und Tankstellenbesitzer auf die Idee kommen, solche Automaten aufzustellen. Denn auch hier kann sich ein Cross-Selling-Geschäft entwickeln, da das Angebotsspektrum im Automaten ja nur begrenzt ist. Natürlich sind auch Stand-Alone-Lösungen an vielbefahrenden Fahrradwegen denkbar.
Vor einem halben Jahr habe ich hier im Blog über “Berlin for Beginners” berichtet. Konkret bietet Thomas Knuth Berliner Neubürgern Seminare (30 EUR für 3 Stunden), Stadtführungen und ein Buch (14,95 EUR) zur ersten Orientierung in der neuen Stadt an. Die Zielgruppe ist mit 120.000 Neuankömmlingen pro Jahr mehr als groß genug, um mit dieser Geschäftsidee genug Geld zu verdienen, um davon zu leben. Mehr aber auch nicht. Da sind die Amerikaner schon einen Schritt weiter.
Hier gibt es das Franchisesystem “Housewarmers USA”. Die Franchisenehmer, die über das ganze Land verteilt sind, besuchen die neu Hinzugezogenen in ihrer Umgebung und schenken ihnen einen Begrüßungskorb. Darin sind Produktproben von Anbietern vor Ort enthalten, aber auch wichitge Informationen, Stadtpläne und Gutscheinhefte. Damit sollen die Neubürger schnell die nötige Orientierung erhalten. Kleine Geschenke erhalten dabei die Freundschaft.
Geld wird damit verdient, dass alle Anbieter, die im Geschenkkorb präsent sind, eine Gebühr bezahlen müssen. Dazu gehören neben den überregionalen Anbietern, die von der Franchisezentrale akquiriert werden, auch die Anbieter vor Ort. Diese akquiriert der jeweilige regionale Franchiseanbieter. Diese Kombination aus überregionalen und regionalen Angeboten kombiniert mit Wissenswertem ist das Erfolgsgeheimins von “Housewarmers USA”. Die Idee klingt zwar typisch amerikanisch, kann aber in abgewandelter Form auch hier in Deutschland sehr erfolgreich sein.
In der neuen Ausgabe der Starting Up wimmelt es wieder an konkreten Geschäftsideen, Praxisbeispielen und Gründerstories. Mir persönlich gefällt diesmal die Gründerstory von Hans Eder am besten. Wie die Autorin Susanne Hartl beschreibt, lebte Hans Eder als Motocross-Trainer viele Jahre sorgenlos vor sich hin. Aufgrund von Umweltauflagen wurden allerdings immer mehr Motocrossanlagen geschlossen, so dass auch Eder um seine berufliche Existenz bangen musste.
Die Lösung für ihn bestand darin, ein Motocross-Motorrad mit Elektroantrieb entwickeln zu lassen. Nach langer Suche und Entwicklungszeit konnte sein Entwicklungspartner aus Lugano endlich eine Motocrossmaschine mit Elektroantrieb präsentieren, mit der man mehr als 2 Stunden Fahrvergnügen geniessen kann, ohne auf die Suche nach der nächsten Steckdose gehen zu müssen. Der Name der Maschine lautet “Quantya”.
Hans Eder verkauft aber nicht einfach Elektro-Enduro-Motorräder, sondern hat auf der Basis dieses Motorrades ein ganzes Franchisesystem entwickelt. Basis dafür sind die Quantyparks. Das sind Motocrossanlagen, auf denen die “LOHAS-Biker” so richtig Gas geben können. Hier können sie die Maschine auf Herz und Nieren prüfen und sich davon überzeugen, dass auch ein Elektroantrieb für richtig Power sorgen kann. Natürlich verkauft Eder die Maschinenen auch für den täglichen Gebrauch auf der Strasse.
Im Jahr 2005 gründete der gelernte Dachdecker Wilfried Schumacher sein Unternehmen Tier Taxi Schumacher, nachdem er von seinem Arbeitgeber wegen Insolvenz gekündigt wurde. Die Idee entwickelte er auf Basis eines früheren Besuches in New York. Mit einem kleinen Transporter und Flyern als Grundausstattung begann seine Unternehmerkarriere in der Nähe von Mönchengladbach.
Mittlerweile bietet er ein breites Angebotsspektrum. Für 6 EUR die halbe Stunde fährt er maximal 5 Hunde in die Natur und gehen mit Ihnen Gassi. Zudem füttert er Katzen, fängt im städtischen Auftrag entlaufene Hunde ein, fährt Tier und Herrchen zum Arzt. Jetzt will er seine Idee als Franchisekonzept vermarkten. Die Einstiegssumme beträgt 6.000 EUR. Das Ziel: In fünf Jahren soll “Tier-Taxi Schumacher” deutschlandweit bekannt sein.