Im letzten Posting habe ich darüber berichtet, wie Konsumenten eingebunden werden können, um eine neue Senfsorte zu kreieren. Das hat mich veranlasst, über den weiteren Werdegang von TCHO zu berichten. TCHO setzt sich aus den Wörtern Technoloy und Chocolate zusammen. Das kommt nicht von ungefähr. Die Macher des Projektes, darunter u.a. Louis Rossetto, Gründer des weltbekannten Wired-Magazins, hatten vor fünf Jahren die Idee, Schokoladenproduzenten zu werden und dabei ähnlich wie Softwareentwickler vorzugehen. Die Idee war, im Rahmen einer Beta-Test-Phase die Schokolade ständig zu verbessern und dabei die Kunden eng einzubinden. Letzlich wurde Ende 2008 die erste Schokoserie von TCHO auf den Markt gebracht. Wir haben im Dezember 2008 hier im Blog ausführlich darüber berichtet. Seitdem sind viele andere Blogger und Journalisten in Deutschland auf diese etwas andere Schokoladenmanufaktur aufmerksam geworden.
Besonders erwähnenswert finde ich, dass die Beta-Tester für jede Tafel, die sie ausprobiert haben, 4 USD bezahlt haben. Wenn man den Aussagen der Gründer von TCHO glauben darf, dann hat man sich auch deshalb für dieses Vorgehen entschieden, weil das Marketingbudget zu klein war, um für diese Marktforschung Geld zu bezahlen. Immerhin konnte man in der Beta-Testphase zwischen Ende 2007 und Ende 2008 mehr als 1.000 Beta-Tester finden, die gerne dafür bezahlten, um die beste Schokolade auf den Markt zu bringen, die man sich vorstellen kann. Zudem waren die Beta-Tester gleichzeitig Botschafter, die diese frohe Kunde in die Welt hinaus posaunten. So war es ebenfalls nicht nötig, hohe Summen für die Markteinführung aufzuwenden. Ansonsten traute man den Crowds wohl nicht mehr zu, denn z.B. das Design von der Verpackung bis zur Webseite stammt aus dem Hause EdenSpiekermann.
Sehr spannend fand ich auch, dass zum Launch vier verschiedene dunkle Schokoladensorten präsentiert wurden, die aufgrund der Verwendung verschiedener Kakaobohnen unterschiedliche Geschmacksrichtungen aufwiesen, von nussig über fruchtig bis zu schokoladig. Ähnlich wie beim Wein sollte somit auch der Schokoladenkenner die Möglichkeit bekommen, die verschiedenen Aromen der einzelenen Kakaobohen herausschmecken zu können. Insofern ist es auch nur konsequent, dass ein Onlineshop für Weinspezialitäten auch TCHO-Schokolade verkauft und für jede Sorte angibt, welcher Wein dazu am besten passt. Auf diesen Weg können Weinliebhaber auf den Schokoladengeschmack gebracht werden. Diese Kooperation macht Sinn.
Auch ansonsten zeigt sich TCHO sehr experimentierfreudig. Mittlerweile befindet sich die TCHO-Milchschokolade in der Beta-Test-Phase, da schließlich nicht alle Konsumenten dunkle Schokolade mögen. Schon regulär zu kaufen gibt es die TCHO-Drinkschokolade, Schokodrops zum Backen oder Mangestückchen, die von TCHO-Schokolade umhüllt sind. Zudem gibt es auch geröstete Kakaobohnenstücke, von TCHO-Schokolade umhüllt. Mit großer Wahrscheinlichkeit haben sich die TCHO-Macher hier vom Erfolg von sweetriot inspirieren lassen. Aber auch die vier klassischen Sorten gibt es in verschiedenen Größen zu kaufen. So kann man z.B. für 180 USD eine Jahresration TCHO-Schokolade kaufen, bestehend aus 4 Dosen a 90 TCHO-8gramm-Täfelchen. Etwas vermisse ich in letzter Zeit wirklich neue Schokoladen-Innovationen, aber warum sollen nicht erst einmal die Produkte hergestellt und verkauft werden, die sich schon großer Beliebtheit im Schokoladenmarkt erfreuen?
Wer noch mehr über die Entstehungsgeschichte von TCHO erfahren will, erhält nicht nur auf der Firmenwebseite ausführliche Informationen, sondern auch in diesem Wired-Artikel aus 1/2010.
Momentan ist für Grillfans wieder Hochsaison. Die meisten Hobbygriller fahren in den nächsten Super- oder Baumarkt und kaufen einen Sack Grillkohle ein. Danach stehen die Bruzzelfans meist stundenlang am Grill, bis endlich ein leckeres Stück Fleisch gegrillt ist. Dass das auch schneller und aromatischer geht, weiß Robert Braun aus Neustadt an der Weinstraße. Schon sein Opa hat ihm gezeigt, wie man aus getrockneten Weinreben in wenigen Minuten eine perfekte Grillglut zaubern kann und schon wenige Minute später das Fleisch fertig gegrillt ist. Seit letztem Jahr macht Braun mit diesem Wissen ein gutes Geschäft. Er verkauft die getrockneten Weinreben im Sack unter der Marke “Rebenglut”. Wie die Märkische Allgemeine berichtet, gibt es schon erste Erfolge zu melden:
“In einer kleinen Halle auf Brauns Firmengelände lagern hunderte, wenn nicht gar tausende von Säcken, sie werden per Paket an die Kunden verschickt. Auch über Baumärkte, Weinhändler und ähnliche Geschäfte vermarktet Braun seine Reben inzwischen. Ein Sack kostet bei ihm fast acht Euro, das ist deutlich mehr als für einen billigen Sack Grillkohle gezahlt werden muss. “Ich verstehe nicht, wie jemand sich Biofleisch für zehn Euro kaufen kann und das dann mit einer fragwürdigen Kohle grillt, die um die ganze Welt gekarrt worden ist”, sagt Braun. 50 000 bis 100 000 Säcke im Jahr kann Braun derzeit füllen, die Reben werden Anfang des Jahres mit einem Fahrzeug in den Weinbergen eingesammelt. Dort liegen sie, nachdem der Winzer seine Reben zurückgeschnitten hat. Anschließend werden die Reben etwa 14 Monate getrocknet. 300 000 Säcke jährlich würde Braun gerne eines Tages verkaufen. “Da wollen wir hin.” Das sei nur ein kleines Stück vom großen Markt mit Grillkohle und Co.”
Noch muss Robert Braun viel Überzeugungsarbeit leisten, was nicht nur am im Vergleich zur Grillkohle höheren Preis liegt. Für viele ist ungewohnt, dass das Grillerlebnis durch die Weinreben so schnell vorbei ist. Deshalb bietet er seit diesem Jahr auch Knorze von Weinstöcken an, um das Grillerlebnis zu verlängern. Zudem erläutert er ausführlich auf seiner Webseite die Vorteile seines Rebenglutes: “Jeder der ein gutes Glas Wein liebt, wird auch die Weinreben lieben lernen”. Neben dem einzigartigen Geschmack seien Weinreben auch viel gesünder, weil es sich um ein Naturprodukt frei von Rückständen handele. Zudem müssten dafür keine Regenwälder abgeholzt werden, sondern es würde die regionale Wirtschaft garantiert frei von Kinderarbeit unterstützt werden. Am bisherigen regionalen Händlernetz kann man erkennen, dass Robert Braun noch viel Überzeugungsarbeit vor sich hat.
Gute Qualität hat ihren Preis. Deshalb will und kann Christian Häfner mit Happy Coffee gar nicht zum Billiganbieter werden, sondern einen guten Kaffee zu einem guten Preis anbieten. Auf seiner Webseite präsentiert er ganz offen seine eigene Preiskalkulation. Hier zeigt er auf, auf welche Kostenblöcke er verzichtet und umgekehrt, wo er nicht spart: Die Kaffeebauern sollen einen fairen Preis erhalten und nicht diejenigen sein, die aufgrund des harten Preiswettbewerbes in Deutschland und anderen Ländern die großen Verlierer sind.
Nach eigenen Angaben macht er dann Gewinn, wenn die Kunden mehr als eine 1kg-Packung bestellen, weil dann die Versandkosten günstiger sind. Deshalb hofft er gerade auch Firmen und Kaffeebetreiber als Kunden begeistern zu können. Als Gegenleistung bietet er ihnen an, sie als Supporter auf seiner Webseite zu präsentieren und damit als “Gutfirmen” darzustellen. Ob das alleine reicht, um in kurzer Zeit eine kritische Absatzgröße zu erreichen ist selbst im viralen Internetzeitalter fraglich.
Im Gegensatz zu Prof. Faltin mit seiner Teekampagne ist HappyCoffee eben nicht unschlagbar günstig. Deshalb frage ich mich, warum man nicht gleich in den Markt für Kaffeepads eingestiegen ist, in dem angeblich noch sehr hohe Margen drin sein sollen. So bleibt ihm Transparenz und das Appelieren an den Gutmenschen als einzige Trumpfkarte, um die Käufer zu überzeugen. Die Zukunft wird zeigen, ob das ausreicht.
Im Februar 2010 habe ich hier im Blog den “Einkaufszettelgenerator” meinzettelwirtschaft.de vorgestellt. Im Schweden gibt es seit 2007 den Lieferservice „Middagsfrid“, gegründet von Kicki Theander, der einen Schritt weiter geht. Denn im Rahmen dieses Lieferservices wird kein Einkaufszettel verschickt, sondern jede Woche zwei voll gepackte Einkaufstüten vorbeigebracht, in denen alle Zutaten für fünf Abendessen inklusive Rezepten und Kochanleitung. Zielgruppe sind insbesondere Berufstätige, die jeden Abend ein frisches Essen zubereiten wollen, ohne lange Vorbereitungszeiten insbesondere durch den Einkauf einplanen zu müssen. Der Name „Middagsfrid“ bedeutet so viel wie „Abendessenfrieden“.
Mittlerweile werden 25 Städte in Schweden, sowie Kopenhagen in Dänemark von „Middagsfrid“ beliefert. Bis heute wurden über zwei Millionen Mahlzeiten auf die Tische in Nordeuropa gebracht. Nun geht es für dieses Konzept Richtung Süden: in Hamburg wird der Service seit Anfang diesen Jahres unter dem Namen „KommtEssen!“ von Lisa Rentrop angeboten. Wie funktioniert der Lieferservice? Die Teilnehmer melden sich bei KommtEssen! an und erhalten wöchentlich (oder auf Wunsch auch nur alle zwei Wochen) zwei Einkaufstüten vollgepackt mit allen Zutaten für fünf Mahlzeiten a 4 Personen inklusive Rezepten und Kochanleitung. Kein Einkaufsstress im Supermarkt, kein hektisches Kaufen der Fertigprodukte sondern einfach zuhause in Ruhe die leckeren Gerichte kochen.
Eine Lieferung besteht aus zwei vollen Einkaufstüten mit durchschnittlich 25 Artikeln, von denen mindestens sieben aus biologischem Anbau stammen. Die Wochenpläne sind sehr abwechslungsreich und enthalten jeweils ein Fleisch-, ein Fisch-, ein Geflügel- und ein vegetarisches Gericht. Geliefert werden ausschließlich Rohwaren. Auf Fertiggerichte oder Zutaten mit chemischen Zusätzen wird verzichtet. Die Anleitungen sind leicht verständlich, sodass auch Anfänger in der Lage sind, die Gerichte zuzubereiten. Die Zubereitung soll nicht länger als eine halbe Stunde dauern. Eine Lieferung kostet 78 Euro. Das sind 3,90 Euro pro Teller. Bei entsprechender Nachfrage wird der Service auf andere Großstädte neben Hamburg ausgeweitet.
Dabei sind die Rezepte nicht nur abwechslungsreich, gesund und phantasievoll, sondern auch noch umweltbewusst zusammengestellt. Das heißt, es stehen viel frisches, regionales und saisonalgerechtes Gemüse, regelmäßig Fisch und selten Rindfleisch auf dem Speiseplan. Denn der Klimaschutz ist neben der gesunden Ernährung das zweite große Anliegen der Gründerin Kicki Theander. Die Zutaten der Gerichte werden mit einem Augenmerk auf ihre CO2-Bilanz zusammengestellt. So wird die tägliche Ernährung ein aktiver Beitrag zum Umweltschutz.
Im nomy-Blog wurden vor kurzem die 11 Zukunftsthesen für die Gastronomie veröffentlicht, die Gretel Weiß, Chefredakteurin von food-service und Cafe-Future.net auf dem Leaders Club Europe-Treffen in Stuttgart präsentierte. Besonders spannend fand ich die Thesen zum Trend Nr. 8 (Änderungen des Trinkverhaltens): Im Getränkebereich werden Trinkrituale immer wichtiger. Zudem wird “wildes Mixen” immer salonfähiger, sowie die Trinkflasche und Added Values gewinnen an Bedeutung. Ich hätte dazu gleich eine Idee beizusteuern:
Der letzte Schrei in den USA sind die “Gummy Shot Glasses”. Dabei handelt es sich um Gummibärchen in Form von Shot Glasses. Das Sechserpack mit den drei Geschmacksrichtungen Lemon, Lime und Cola gibt es z.B. bei VAT19 zum Preis von 12,95 USD. Positiver Nebeneffekt: Nach dem Drink kann man das Shot Glass aufessen. Gerade für Red Bull Shots bieten sich die Gummy Shot Glasses an. Schliesslich schmeckt Red Bull nach flüssigen Gummibärchen. Die Jungs von VAT19 geben richtig Gas, um diese etwas anderen Trinkgefäße bekannt zu machen, wie das aufwendige YouTube-Video oben zeigt.
Mit solch einem “Added Value” können Gastronomen ganz schnell Erfinder von neuen Trinkritualen werden. Statt Salz und Zitrone für den Tequila könnten es jetzt Lakritze, Red Bull Shot und Gummy Shot Glasses mit Zitronengeschmack sein. Und vielleicht kann man ja so schnell zum Groß- und Einzelhändler werden. Wer eine günstige Quelle findet, sollte sich die Exklusivlieferrechte sichern und die Gummy Shot Glasses dann an andere Gastronomen, Getränkehersteller und Endkunden verkaufen. Zudem sollte man für das erfundene Trinkritual eine Wortmarke anmelden, um sich auch dann Einnahmen zu sichern, wenn die Gastronomen und Getränkehersteller andere Lieferantenwege ausfindig machen.
Und wer erst einmal auf den Geschmack gekommen ist, findet noch ganz andere Inspirationen für Trinkrituale. Vor mehr als 3 Jahren haben wir hier im Blog die “Cool Shooters” vorgestellt. Mit dieser Eiswürfelform könnt Ihr für weniger als 10 USD selber zum Hersteller von Shot Gläsern werden. Der Vorteil an diesen Gläsern aus Eis ist, dass sie schnell schmelzen. Deshalb kann man hier den Absatz steigern, weil die Gäste nicht stundenlang an einem Glas nippen (können). Mit etwas Geschick kann man die Cool Shooters auch in verschiedenen Geschmacksrichtungen anbieten, passend je nach dem Getränk. Geht nicht gib´s nicht
Stefan Kolle ist zusammen mit Stephan F. Rebbe Gründer und Geschäftsführer der 1994 gegründeten Werbeagentur Kolle Rebbe, die mittlerweile knapp 200 Beschäftigte zählt und Billings in Höhe von knapp 120 Mio. EUR pro Jahr betreut. Zu den Kunden gehören u.a. Bionade, OTTO, Fielmann, NIKE, VW, Warsteiner und ZDF. Aber er arbeitet nicht nur für externe Kunden. Ca. fünf Stunden pro Woche arbeitet Stefan Kolle für The DeliGarage Custody UG, deren Geschäftsführer er ebenfalls ist. The Deli Garage ist ein Foodlabel, das ausgesuchte Delikatessen von regionalen Lebensmittel-Manufakturen im Internet und über ausgesuchte Händler anbietet. Die Produkte zeichnen sich durch hübsch designte und verpackte Produkte, neue Formen und Geschmacksrichtungen sowie hohe Qualität und Preise aus. Alle Produkte haben eins gemeinsam: Sie erinnern an handwerklich gute Leistung, wie die Namen schon verraten: Ölwechsel, Schokoleim, Esslack, Tubenhonig und Mehrzwecknudeln.
(c) The DeliGarage Custody UG
In einem Interview im multikulinarisch-Blog verraten die Kreativen ihr Erfolgsrezept: “Unsere Leistung für die Produzenten der Delikatessen besteht nicht nur darin, dass wir uns ungewöhnliche Verpackungsformen und –designs ausdenken, sondern im ersten Schritt vor allem ungewöhnliche Produkte: die Geschmacksrichtungen des Tubenhonigs, die Wodka-Kreationen und die veredelten Öle existierten zuerst in unseren Köpfen. Alles Dinge, die wir selbst gern mal probieren würden. Die Suche nach den passenden Produzenten dauert dann meistens genau so lang, wie die Produktion selbst. Weil man die beste Ölmühle Europas oder den beste Wodka-Brenner Deutschlands eben nicht von heut auf morgen findet. Wahrscheinlich ist Zeit eine der wertvollsten Zutaten, die in unseren Produkten steckt.”
(c) The DeliGarage Custody UG
Das Konzept scheint aufzugehen. Obwohl noch keine aufwendigen Werbe- oder Social Media-Kampagnen gestartet wurden, sind die Verkäufe schon deutlich besser, als geplant. Dafür haben schon viele Blogs und andere Medien über die einzigartigen Produkte berichtet. Der Topseller ist die Ölwechsel-Serie. Dabei handelt es sich um drei Ölfläschchen mit jeweils 100 ml hochwertigem und natürlichem Olivenöl. In einer Olivenöl-Manufaktur in Katalonien, südlich von Barcelona, werden frischer Rosmarin, Peperoni oder Zitrone als ganze Früchte mit ihrer Schale gemeinsam mit Oliven bei max. 20°C kalt verpresst und verleihen so dem Öl ihr spezielles Aroma. Schlappe 29,80 EUR kosten die paar Tröpfchen Olivenöl. Aufgrund des vielversprechenden Starts sollen jetzt europaweit Distributionspartner gefunden werden und natürlich das Produktsortiment erweitert werden, damit wir Blogger immer wieder neu darüber berichten können.
Es gibt Produkte, die sind so teuer, dass man sie nicht für den Eigenverbrauch erwirbt, sondern nur als Geschenk verwendet. Ein Beispiel dafür sind die Bierflachen mit individuellem Etikett, über die wir vor kurzem hier berichtet haben. Man kann aber auch umgekehrt überlegen, wie man ein Standardprodukt so chick verpackt, dass man es teuer als Geschenk verkaufen kann. Über ein gelungenes Beispiel hat heute Enrico im marketing-gui.de berichtet
Was ihr oben auf dem Bild seht, sind Gartenpralien. Aber Achtung: Die solltet Ihr nicht essen. Vielmehr handelt es sich um Kräutersamen, die von einer Kompostschicht umgeben sind, damit sie lange halten und nach der Einpflanzung nicht von Insekter etc. angegriffen werden. In der obigen Verpackung gibt es viermal zwei Kräutersamen inkl. Kompostschicht, die 14, 95 USD kosten. Die Einkaufskosten für die Samen bewegen sich eher im Cent-Bereich. Der Verkaufspreis orientiert sich an dem einer guten Pralinenschachtel.
Durch diese Verpackung wurde das Produkt (Kräutersamen) umfunktioniert. Jetzt sind sie ein Geschenk und der Käufer ist sofort bereit, ein Vielfaches des Herstellungspreises zu bezahlen. Zudem könnt Ihr jetzt ganz neue Vertriebskanäle benutzen, um Eure Produkte zu verkaufen, ob das Blumengeschäft, Geschenkläden etc. sind. In meiner Kategorie “Marketing – Verpackung” findet Ihr fast 40 Ideen, wie Ihr mit einer einmaligen Verpackung ein sehr gutes Geschäft machen könnt. Lasst Euch inspirieren.
Während der Cup Cake Trend Deutschland gerade erst erreicht hat (siehe unser letzter Artikel), gibt es in großen US-Städten fast an jeder Straßenecke Cup Cakes zu kaufen. Wer sich heute noch in New York mit eine Cup Cake Bäckerei selbständig machen will, muss sich wirklich einiges einfallen lassen. Das dachte sich wohl auch der Quereinsteiger David Arrick, der zuvor in einer Anwaltsfirma und Jahre davor als Personal Trainer arbeitete. Er gründete Ende letzten Jahres die Butch Bakery (Maskuline Bäckerei), um seine Cup Cakes per Lieferservice an die männliche Kundschaft zu bringen.
An Kreativität mangelte es David nicht. So gibt es z.B. den B 52 Cup Cake. Dabei handelt es sich um einen Vanilleteig, gefüllt mit einer Baileys-Füllung. Das Schokoladen-Topping erinnert an eine Panzertarnung. Der Beer Run besteht aus Schokoladenteig, getränkt mit Bier. Als Topping gibt es Salzstangenbrösel. Natürlich gibt es auch Cup Cakes ohne Alkohol, wie z.B. den Driller. Er schmeckt nach Ahornsirup und hat Speck als Topping. Kein Witz. Je nach Experimentierfreude könnte Ihr Euch eine Auswahlbox mit 4 – 12 verschiedenen Sorten zusenden lassen. Das Stück kostet 4 USD.
Trotz der guten Idee lief das Geschäft schleppend an. Das änderte sich schlagartig, als die Butch Bakery zwei Tage vor dem Valentins-Tag im DailyCandy, einem New Yorker Veranstaltungsnewsletter erwähnt wurde. Kurz danach erhielt die Bäckerei 400 Anrufe und 400 E-Mails mit Bestellungen. Deshalb plant David wenige Monate nach Eröffnung seiner Versandbäckerei schon die Expansion. In Kürze will er in New York ein Ladengeschäft aufmachen und seinen Lieferdienst auf ganz New York und bald auch andere US-Städte ausdehnen. Gefunden bei FINS.Com
Dieses Erfolgsbeispiel zeigt einmal mehr, dass man sich auch in einem scheinbar gesättigten Markt mit einer intelligenten Positionierung erfolgreich behaupten kann. Manchmal muss man nur das Gegenteil von dem tun, was alle anderen machen. Cup Cakes standen bisher für pinkfarbene und andere farbenfrohe Toppings. Als Zielgruppe wurden eher die Girls und Mädels angesprochen. David Arrick hat aus dieser Not eine Tugend gemacht und eine Zielgruppe angesprochen, die bisher noch nicht im Mittelpunkt stand. Sehr wohl gibt es aber auch viele Männer, die gerne Cup Cakes essen. Jetzt haben sie ihre Heimat gefunden.
In guten Tierfuttergeschäften kann man das Hunde- und Katzenfutter bereits individuell zusammenstellen lassen, um den individuellen Bedürfnissen der Vierbeiner gerecht werden zu können. Nicht jeder hat die Möglichkeit, das Futter dort direkt abzuholen oder es fehlen wichtige Nahrungsbausteine oder Geschmacksrichtungen.
Redmoonpetfood bietet dafür die Lösung in USA und Kanada. Auf deren Webseite kann man sich a la mymuesli sein ganz individuelles Hunde- oder Katzenfutter zusammenstellen. Das würde in Deutschland sicherlich auch gut funktionieren.
Vor mehr als einem Jahr hat Hans Langenbahn darüber hier im Blog berichtet, wie er in Kanada lebt und in Deutschland Kaffee verkauft. Jetzt hat er mich wieder kontaktiert, weil er ein neues Produkt entwickelt hat: Bei “Dip:coffee” handelt es sich um eine völlig neue Art der Kaffeezubereitung: Ein frisch gerösteter Gourmet-Kaffee in einer Art Teebeutel, den man 3 Minuten dippt. Man benötigt nur eine Tasse, heißes Wasser, eine Uhr und einen dip:coffee; das ist alles. Ideal geeignet für zuhause, fürs Büro und vor allem für unterwegs.
Eigentlich klingt die Idee zu simpel, als dass sie noch umgesetzt worden wäre. Aber genau so ist es. Aber Hans hat sich nicht nur vom Teebeutel inspieren lassen, wie er mir heute im Telefonat erläutert hat. Er hat überlegt, dass man den Kaffeeherstellungsprozess in der Kaffeemaschine auch umdrehen kann: Man lässt nicht heißes Pulver durch den Kaffeepulver fließen, sondern schüttet den Kaffeepulver ins Wasser. Hinzugkommt eine Produktverpackungsinnovation. Denn die Verpackung fungiert gleichzeitig als Halterung am Kaffeetassenrand.
Trotz dieser guten Produktidee ist es nicht leicht, ohne ein hohes Marketingbudget eines Großkonzerns auch nennenswerte Umsatzerfolge verzeichnen zu können. Deshalb hat sich Hans zwei starke Partner mit ins Boot geholt, wie er mir in einer Mail erläutert: “Den Zusammenschluss hielt ich für notwendig, um mehr Vertriebspower in Deutschland zu haben. “Mondo del Caffè ist ein Röster mit einem guten “offline”-Netzwerk, und “Sonntagmorgen” versteht sich prächtig auf das Online- und Social-Marketing.” Dann drücke ich mal die Daumen, dass den Konsumenten das neue Geschmackserlebnis gefällt und die Rechnung von Hans aufgeht.