“Welcher Weinliebhaber wollte nicht schon seinen eigenen Wein keltern? Entscheiden, wann die Traubenlese startet, oder ob der Wein „wild“ oder lieber mit Reinzuchthefen vergoren wird? Jetzt können Sie diese Entscheidungen treffen! Beim Web 2.0 wird das Internet interaktiv – bei „WeinZwoNull“ wird es der Wein. Denn Sie legen fest, wie der Weinberg bearbeitet wird und wie der Ausbau im Keller geschieht. Als Mit-Winzer können Sie bei unseren Internet-Abstimmungen Ihre Stimme abgeben. Informieren Sie sich im Vinum-Blog über den Stand im Weinberg, lauschen Sie dem Winzer, wenn er über die von Ihnen entschiedenen Arbeiten in Videos berichtet, schauen Sie sich Fotos „Ihrer“ Lage an – und genießen Sie am Ende einen trockenen Spätburgunder von einer absoluten Spitzenlagen der Ahr. Die Rebstöcke stehen im Devonschieferboden des steil terrassierten Mayschosser Mönchbergs, der vom VDP (dem Verband deutscher Prädikatsweingüter) für „Große Gewächse“ klassifiziert wurde.”
“Nach Ihren Vorstellungen an- und ausbauen werden den Wein Vater Wolfgang und Sohn Johann Hehle vom Weingut Deutzerhof, einem der besten Winzerbetriebe Deutschlands – vom Gault Millau Weinguide mit 4 von 5 Trauben ausgezeichnet. Als Mit-Winzer können Sie nach Anmeldung auch Ihren Wein direkt vom Fass probieren oder mit anpacken, wenn die Trauben des Weingutes gelesen werden… Einsteigen können Sie aber über das ganze Jahr. Denn über zwanzig wichtige Abstimmungen stehen an – die Winzer erklären die Pros & Contras, aber Sie entscheiden! Wie kann ich mitmachen? Einfach den Unterpunkt „Mitmachen“ aufrufen, und das Formular von „WeinZwoNull“ ausfüllen. Als Internet-Winzer subskribieren Sie 3,6 oder 12 Flaschen des fertigen Weins (á 20,- € / 35,- Franken) – Bei der nächsten anstehenden Abstimmung erhalten Sie dann eine Mail, in der Sie ohne Umstände ihre Wahl durch einfaches Anklicken treffen können. Der Einstieg ist jederzeit möglich. Bis zur Füllung 2011 sind über zwanzig Entscheidungen zu treffen.”
Dies ist eines der ersten Projekte, das von A bis Z Hand und Fuß hat. Die Crowdwinzer werden tatsächlich in den ganzen Prozeß eingebunden, von den strategischen Entscheidungen über die (Vor-)Finanzierung bis zur Weinlese. Das erinnert mich ein bißchen an myfootballclub.com, nur bezogen auf Wein. Mit einem starken Medienpartner ist für eine gewisse Resonanz in der Öffentlichkeit gesorgt. Sicherlich werden auch noch zahlreiche andere Blogger, schließlich gibt es auch schon viele Weinblogger, das Thema aufgreifen und das Projekt promoten. Und natürlich werden die Mitwinzer das Projekt bekanntmachen, da man schließlich auch mitten im Projekt noch einsteigen kann. Clever! Und mit 66,50 EUR ist die Einstiegsschwelle so niedrig, dass sich viele adhoc entscheiden werden, einfach mit einzusteigen. Ich hoffe, dass sich davon auch andere Anbieter, z.B. Landwirte, inspirieren lassen und ebenfalls Mitmachprojekte initiieren.
Die Freunde Emmanuel Jesberger und Gaetan Laederich haben in ihrer Jugend bzw. im Urlaub ihre Liebe zum Kokoswasser entdeckt. Anders als die Kokosmilch, die vom Kokosnussfleisch gewonnen wird, ist Kokoswasser die Flüssigkeit im Inneren der jungen Kokosnuss. Es schmeckt nicht nur sehr erfrischend, sondern ist ein natürliches isotonisches Getränk, besonders reich an Spurenelementen. Es enthält mehr Kalium als die Sportgetränke derzeit auf dem Markt und ist deshalb bereits ein beliebtes Getränke von Sportlern auf der ganzen Welt. Zudem hat es wenige Kalorien und entwässert den Körper.
Eigentlich ist es verwunderlich, dass dieses Jungbrunnengetränk in Europa noch nicht seinen Durchbruch geschafft hat. Das liegt u.a. daran, dass das Kokoswasser schnell verderblich ist. Dank modernster Produktionstechniken, mit deren Hilfe das Kokoswasser gefiltert und pasteurisiert wird, kann es haltbar gemacht werden. So war für die zwei jungen Franzosen der Weg frei, dieses Getränk in den Philipinen herstellen zu lassen und in Europa unter dem Namen “Vai Vai” zu vermarkten. Wichtig war den Jungunternehmern, dass nachhaltig produziert wird, viele tausend Familien vor Ort dadurch ernährt werden könnten und vom Transport bis zur Verpackung höchste Umweltschutzstandards eingehalten werden.
Mediale Aufmerksamkeit erfährt das Getränk, weil auf der Verpackung Werbung für interessante Non-Profit-Projekte gemacht wird, die die Welt ein bisschen besser machen sollen, ähnlich wie Vai Vai selber. So wird der Kauf jeder einzelenen Vai-Vai-Getränkepackung zum Leseerlebnis und es baut sich ein step by step ein Kooperationsnetzwerk auf, das sich gegenseitig unterstützt. Dieser Buzz kommt natürlich auch Vai Vai zu Gute. Das ist noch nicht alles: Die Gewinne aus dem Verkauf des Kokoswassers sollen für das Sponsoring von Sportveranstaltungen, Konzerten und andere kulturelle Events verwendet werden. So sieht Vorzeige Social Business aus: Innovativ, unkonventionell, nachhaltig und vernetzt!
Wenn man an Italien denkt, schwärmt man von leckerem Essen und guten Rotwein. Mittlerweile kommen aber auch immer mehr Italiener auf den Biergeschmack. Schuld daran sind u.a. die mehr als 300 Mikrobrauereien, die Biere mit dem besonderen Geschmackserlebnis brauen, egal ob sie nach Schoko, Kaffee oder Minze schmecken. Der bekannteste Bierbrauer Italiens ist Teo Musso aus dem Piermont, aus dem der weltberühmte Barolo-Rotwein stammt. Er produziert rund 20 verschiedene Sorten mit insgesamt 5.000 Hektoliter pro Jahr. Ein Brauereiriese ist er mit seiner Birra Baladin damit nicht. Aber seine hochpreisigen Biere werden mittlerweile nicht nur in Spitzenrestaurants in Italien ausgeschenkt und haben dadurch eine gewisse Berühmtheit errungen. Was sind die Geheimnisse dieses Erfolges?
Erforsche den Markt intensiv
Teo Musso trank schon in der Jugend lieber Bier als Wein. Mit 22 Jahren eröffnete in seinem Heimatdorf Piozzo die Bierkneipe “Birreria Baladin”. Er reiste durch die ganze “Bierwelt” und bot Ende der 80er Jahre mehr als 200 Biersorten in seinem Bierpub an. So konnte er über viele Jahre studieren, welche Biere seinen Landsleuten am besten schmecken und welche Biersorten noch fehlten.
Lerne bei den Besten
Teo Musso wollte in seiner Bierkneipe nicht nur das Bier fremder Firmen ausschenken, sondern auch sein eigenes Bier kredenzen. Dafür fuhr er 1994 nach Belgien, um in den Brauereien Erfahrungen zu sammeln, wie man Bier braut. Die Wahl fiel auf Belgien, weil es die belgischen Bieren in fast allen denkbaren Geschmacksrichtungen gibt. Diese Experimentierfreudigkeit inspirierte Musso für seine eigenen Biersorten.
Lasse Dich von Deiner Umgebung inspirieren und mache Dich unverwechselbar
Teo Musso entschied sich schnell, seine Biere im Hochpreissegment anzubieten, um nachhaltig wachsen zu können. Deshalb werden seine Biere auch aus Flaschen ausgeschenkt, die eher Weinflaschen ähneln. Und er verwendet auch Gläser, die eher an Weingläser erinnern. Schon das Einschenken seines Bieres soll zum Erlebnis werden.
Suche Dir die passenden Vertriebspartner
Schnell war die Entscheidung gefallen, das Birra Baladin hauptsächlich an Spitzenrestaurants zu verkaufen. Das passte zu der Hochpreisstrategie, garantierte eine Mindestabnahmemenge pro Kunde und förderte schnell sein Image als Top-Bier. Auf diesen Weg lernten viele Stammkunden das Bier kennen und lieben. Hohe Markteinführungskosten war nicht notwendig.
Erobere neue Märkte mit einem “Flagschiff”
Nicht nur Weltkonzerne wie Nike, Apple und Co. entdecken Flagshipstores als wichtige Markenbotschafter. Teo Musso will als nächstes New York erobern und hat sich deshalb entschieden, in dieser Weltstadt eine eigene Bier-Brasserie zu eröffnen. Dort kann er die Restaurantinhaber, die er als Kunden gewinnen will, bedienen und betreuen. Das ehrliche Feedback der Endkunden zeigt ihm zudem, ob er auf dem richtigen Weg ist.
Einige deutsche Biertrinker werden jetzt die Nase rümpfen, weil die meisten Biere aus dem Piermont nicht dem deutschen Reinheitsgebot entsprechen. Aber auch die Bierbrauer müssen einsehen, dass die Geschmäcker sehr vielfältig sind und man nur neue Zielgruppen erobern kann, wenn man neue Geschmackserlebnisse anbieten kann. Aber auch für die Reinheitsfanatiker bietet Musso etwas spezielles an: Das “Xyauyù” ist ein dunkles Bier ohne Kohlensäure mit 13 Prozent Alkohol, das nur Wasser, Malz, Hopfen und Hefe enthält. Allerdings wird die Maische 18 Monate lang zum Oxidieren in spezielle Stahltanks gefüllt und zum Schluss zwei Monate in Barriquefässern gelagert. Nicht nur das Geschmackserlebnis kommt dem eines Weines nahe, sondern auch der Preis von 30 EUR pro Halbliterflasche.
Es gibt immer wieder Gründer, die mit neuen Getränken den Geschmack der Massen treffen wollen, ob es sich jetzt um Cola Rebell, Shatler´s Cocktails oder kalte Muschi handelt. Einen ganz anderen Weg geht z.B. Rafael Kugel mit Ratiodrink. Er bietet Saftkonzentrate in der praktischen 3-Liter-Packung an. Die Geschmacksrichtungen (Apfel, Orange, Sauerkirsche, etc.) sind nicht wirklich neu, dafür ist das Angebot sehr platzsparend. Wirklich neu ist das Konzept nicht, denn auch Coca Cola wird von den Abfüllern vor Ort nicht anders hergestellt: Dem Konzentrat wird im Abfüllprozess Wasser und Kohlensäure hinzugefügt und fertig ist das verkaufsfertige Getränk.
Vielleicht hat sich auch davon der Designer Adam Robinson inspirieren lassen. Er hat die Idee, Verschlusskappen für Getränke-Pet-Flaschen anzubieten, in denen Geschmackskonzentrate enthalten sind. Wenn man die Kappe auf die Flasche schraubt, kann das Konzentrat in die Flasche reintröpfeln und fertig ist das Getränk mit Geschmack. Es ist egal, ob man die Kappe auf eine Wasser-PET-Flasche schraubt oder eine gebrauchte PET-Flasche verwendet, in die man zum Beispiel Leitungswasser füllt. In einem zweiten Schritt bietet man vielleicht Kappen in unterschiedlichen Größen an, so dass jeder wählen kann, wie intensiv das Geschmackserlebnis werden soll.
Ich finde die Idee genial und könnte mir vorstellen, dass diese Produktidee auf eine große Nachfrage stoßen könnte. Gerade für eine junge Company könnte so die Chance bestehen, ein kleines Getränkeimperium aufzubauen. Die Verpackungsinnovation macht es möglich. Es braucht nur wenig Verkaufsplatz, um die diese Getränekappen zu verkaufen. Man könnte die Kappen im Getränkeregal platzieren oder auch direkt an der Kasse als Adhoc-Mitnahmeprojekt. Natürlich könnte man das Produkt auch über die eigene Webseite oder Partner-Onlineshops verkaufen. Auch die Umweltbilanz sieht gut aus, wenn man davon ausgeht, dass viele Nutzer gebrauchte PET-Flaschen nutzen, um dort Leitungswasser hinein zu füllen.
Die Entstehungsgeschichte von Cola Rebell, der laut eigenen Angaben schärfsten Cola der Welt, wird auf der Webseite anschaulich erzählt: “Drei Freunde sitzen in einer Szenebar. Fragt der Erste: ”Was machen wir jetzt?“ Erwidert der Zweite: “Ich brauch noch was Scharfes.” Antwortet der Dritte: “Mach´s Dir doch selbst!”, und kippt ihm etwas Chilisauce in die Cola. Den Ersten irritiert´s, der Zweite probiert´s: ”Das schmeckt ja rebellisch!” Der Dritte ist begeistert: ”Rebellisch? Das machen wir!” So entsteht die “schärfste” Cola der Welt….Nach vielen Versuchen, Geschmackstest und noch mehr Entwürfen entstand in einjähriger Arbeit, den vielen Widrigkeiten und der Wirtschaftskrise zum Trotz, die neue Cola Rebell. Eine Natural Cola aus natürlichen Zutaten ohne künstliche Aromen und Zusatzstoffe. Erfrischend und besonders anregend durch das außergewöhnliche Aroma von Chili und Ingwer, kombiniert mit einem für Limonaden maximalen Koffeingehalt.”
Klingt fast zu gut, als dass diese Story wirklich war ist. In der Realität hatte dann auch nur einer der drei Freunde den Mut, sich mit dieser Idee selbständig zu machen. Der 48-jährige Eventmanager Andreas von Froreich gab seine Eventagentur auf und wagte den Schritt in das Getränkegeschäft. Im Hamburger Abendblatt wird knapp ein Jahr nach Start Zwischenbilanz gezogen: “Im vergangenen Jahr hat er in Bayern 200 000 Flaschen produzieren lassen, hat drei Schärfegrade kreiert, Cola-Bonbons und einen Energydrink auf den Markt gebracht. Heute lenkt er seine Geschäfte mit fünf Mitarbeitern von Fuhlsbüttel aus und rechnet noch in diesem Jahr mit schwarzen Zahlen. Schließlich sind seine Fantasiegetränke in Bars an der Reeperbahn, in Supermärkten und Gastronomien zu kaufen. Demnächst auch auf Mallorca, in den USA, den Beneluxländern und Großbritannien – der Lizenzvertrag ist unterschrieben.”
Die Story erinnert mich an die vom Frankfutur Cult-Imbiß: “Best Worscht in Town”. Am Rande des Frankfurter Bankenviertels und weiteren Standorten in der Bembelhauptstadt gibt es hier nicht nur die schärfste Currywurst in der Stadt, sondern fast 140 Curryvariatonen, die angeboten werden. Wer es schafft, eine Wurst mit der Stufe F zu vertilgen, erhält das heißbegehrte T-Shirt mit der Aufschrift: “I did it!” Regelmäßig werden untereinander Wetten abgeschlossen, ob die Jungsporne die wahre Banker-Mutprobe überstehen und die besonders scharfe Wurst “überleben”. Ein besseres Empfehlungsmarketing gibt es nicht. Weit über den Grenzen Frankfurts hinaus ist dieser Snack-Point, wie er sich selber nennt, als Kultobjekt bekannt. Ehrlich gesagt wundert es mich, warum es hier noch keine Cola Rebell gibt. Das würde wie die Faust auf´s Auge passen.
Im nomy-Blog wurden vor kurzem die 11 Zukunftsthesen für die Gastronomie veröffentlicht, die Gretel Weiß, Chefredakteurin von food-service und Cafe-Future.net auf dem Leaders Club Europe-Treffen in Stuttgart präsentierte. Besonders spannend fand ich die Thesen zum Trend Nr. 8 (Änderungen des Trinkverhaltens): Im Getränkebereich werden Trinkrituale immer wichtiger. Zudem wird “wildes Mixen” immer salonfähiger, sowie die Trinkflasche und Added Values gewinnen an Bedeutung. Ich hätte dazu gleich eine Idee beizusteuern:
Der letzte Schrei in den USA sind die “Gummy Shot Glasses”. Dabei handelt es sich um Gummibärchen in Form von Shot Glasses. Das Sechserpack mit den drei Geschmacksrichtungen Lemon, Lime und Cola gibt es z.B. bei VAT19 zum Preis von 12,95 USD. Positiver Nebeneffekt: Nach dem Drink kann man das Shot Glass aufessen. Gerade für Red Bull Shots bieten sich die Gummy Shot Glasses an. Schliesslich schmeckt Red Bull nach flüssigen Gummibärchen. Die Jungs von VAT19 geben richtig Gas, um diese etwas anderen Trinkgefäße bekannt zu machen, wie das aufwendige YouTube-Video oben zeigt.
Mit solch einem “Added Value” können Gastronomen ganz schnell Erfinder von neuen Trinkritualen werden. Statt Salz und Zitrone für den Tequila könnten es jetzt Lakritze, Red Bull Shot und Gummy Shot Glasses mit Zitronengeschmack sein. Und vielleicht kann man ja so schnell zum Groß- und Einzelhändler werden. Wer eine günstige Quelle findet, sollte sich die Exklusivlieferrechte sichern und die Gummy Shot Glasses dann an andere Gastronomen, Getränkehersteller und Endkunden verkaufen. Zudem sollte man für das erfundene Trinkritual eine Wortmarke anmelden, um sich auch dann Einnahmen zu sichern, wenn die Gastronomen und Getränkehersteller andere Lieferantenwege ausfindig machen.
Und wer erst einmal auf den Geschmack gekommen ist, findet noch ganz andere Inspirationen für Trinkrituale. Vor mehr als 3 Jahren haben wir hier im Blog die “Cool Shooters” vorgestellt. Mit dieser Eiswürfelform könnt Ihr für weniger als 10 USD selber zum Hersteller von Shot Gläsern werden. Der Vorteil an diesen Gläsern aus Eis ist, dass sie schnell schmelzen. Deshalb kann man hier den Absatz steigern, weil die Gäste nicht stundenlang an einem Glas nippen (können). Mit etwas Geschick kann man die Cool Shooters auch in verschiedenen Geschmacksrichtungen anbieten, passend je nach dem Getränk. Geht nicht gib´s nicht
Das Mass Customization Trend ist nicht mehr aufzuhalten, wie die vielen Beispiele in meinen Kategorien “Marketing – Customizing” und “Idee – Customizing” zeigen. Natürlich macht dieser Trend auch im Bierland Nr. 1 nicht vor dem Gerstensaft halt. Seit September 2008 kann man z.B. auf www.bierstickr.de für 5,99 EUR sechs Bieretiketten nach eigenen Wünschen mit Hilfe eines Etikettenkonfigurators gestalten. Mittlerweile kann man auf bierstickr auch Sektflaschenetiketten, Bierdeckel, Biergläser und Co. individuell “bedrucken” lassen. Auch das Geschenke-Portal Valentins bietet individuell gestaltbare Bieretiketten an.
Also ob das nicht reichen würde, ist Ende 2009 idbeer an den Start gegangen. Bis auf die Brauerei sehe ich nur einen wesentlichen Unterschied bei idbeer: Das Sixpack ist mit 14,99 EUR günstiger als bei den o.g. Wettbewerbern. Der Kunde freut sich, weil durch den erhöhten Wettbewerb die Preise langsam purzeln. Für die Anbieter werden dadurch die Margen immer geringer und es fragt sich, ob man in solch engen Nischen bei aufkommenden Wettbewerb langfristig rentabel sein kann. Ich glaube, dass ist nur dann der Fall, wenn man starke Vertriebspartner im Geschenkartikelbereich oder Großkunden gewinnen kann bzw. das Sortiment deutlich erweitert. Diesbezüglich wird die Vertriebskompetenz der Anbieter mitentscheidend für den Erfolg sein.
Eine weitere Möglichkeit besteht darin, deutlich günstigere Preise anzubieten und damit auch die Eigenverbraucher anzusprechen. Dazu wird aber aus meiner Sicht nur eine Brauerei selber in der Lage sein. Und eine clevere Brauerei wird auch überlegen, individuelle gestaltbare Etiketten in kleineren Auflagen anzubieten. Dann wird es eng für idbeer & Co., esseidenn man entscheidet sich für Whitelabel-Lösungen hinsichtlich des Etikettenkonfigurators. Grundsätzlich taugen aus meiner Sicht viele Ideen nicht für ein eigenständiges Geschäftsmodell, sondern eher für einen Add-On-Service anderer Anbieter. Und dann kann man auch schnell weitere Abnehmer finden, wie z.B. Getränkehändler. Nicht niedrige Preise, sondern neue Wege beim Geschäftsmodell oder bei den Vertriebswegen sind der Garant für nachhaltigen Erfolg.
Auf Veranstaltungen haben die Mehrwegbecher die Einwegbecher in weiten Teilen ersetzt. Doch wo kann man solche Becher bestellen, wie kann man sie vor Ort reinigen und bis zur nächsten Veranstaltung lagern? Diese Frage stellen sich immer mehr Veranstalter. Und der “Becherkönig” Michael Andresen aus Gönnebek (liegt zwischen Kiel und Lübeck) hat die passenden Antworten darauf. Er bietet mit seiner Firma cup&more nicht nur Mehrwegbecher zum Kauf oder Miete an, sondern auch die Lagerung und Bedruckung der Becher, Geschirrverleih und Eventsupport. Dieser Rundum-Service hat nicht nur die Flensburger Brauerei überzeugt, sondern viele Eventveranstalter.
Guten Service können auch andere bieten. Deshalb sucht Andresen ständig nach neuen Lösungen für seine Kunden, um besser zu werden. In den Lübecker Nachrichten wird seine neueste Innovation erläutert: “Eine neue, von ihm erfundene Technik bei der Trocknung trägt zu seinem Erfolg bei. Denn das Problem bei Plastikbechern ist nicht das Waschen, sondern das Trocknen“, sagt er. Das Wasser laufe schlechter ab und hinterlasse hässliche Flecken. Er probierte so lange, bis er die ideale Trockenvorrichtung fand, die er problemlos an seine Spülmaschine andocken konnte. Er ließ sie patentieren, und nun brauchen seine Becher acht Minuten, um gewaschen, klargespült, getrocknet und vollautomatisch gestapelt zu werden.”
Ein großes Verbesserungspotenzial liegt meist darin, die Prozesse im Unternehmen zum Nutzen der Kunden zu verbessern. Auch hier ist Andresen seiner Konkurrenz ebenfalls einen weiten Schritt voraus, wie die Lübecker Nachrichten berichten: “Was seine Firma von anderen Dienstleistern unterscheidet, ist das Computersystem „cmLogistiX“. „Transparenter geht es gar nicht“, so Andresen. Alles sei darin ersichtlich: ob nun der Bestand beim Kunden selbst und bei „Cup & More“ oder die Antwort darauf, ob bestimmte Becher gerade gewaschen werden oder bereits in eingescannten Boxen zu ihm unterwegs sind. Das kommt an bei seinen Kunden, die im gesamten Bundesgebiet zu finden sind.”
Andresen hat es begriffen: Um langfristig erfolgreich zu bleiben, muss man die Kundenbedürfnisse besser als jeder andere lösen und Markteintrittsbarrieren aufbauen. Neben großen Erstkunden, gutem Service und Innovationen braucht es aber auch immer eine intelligente Wachstumsstrategie. Im Rahmen eines Franchisesystems expandiert er bereits nach Frankreich und Schweiz. Viele erfolgreiche Unternehmer scheiten genau an ihrem Wachstum. Deshalb muss man wissen, welcher Wachstumsweg für das eigene Unternehmen der beste ist. Deshalb gibt es auf der AUFSCHWUNG am 17.03.2010 um 17:00 Uhr die Podiumsdiskussion “Expansion – wie baue ich eine Kette auf?”
Gestern haben wir über TapIt berichtet, die auf ihrer Webseite eine Übersicht kostenloser Refillstationen für Leitungswasser anbieten. Doch längst nicht jedes Cafe oder Restaurant bietet gefiltertes Wasser an. Somit bleibt das Risiko, dass durch verschmutzte Leitungen das Leitungswasser gesundheitsgefährdend sein kann. Die Lösung wäre eine Flasche, die das Leitungswasser gleichzeitig filtert, um das Wasser direkt zu trinken. Schliesslich gibt es ja schon genug stationäre Lösungen. Die Firma Brita ist diesbezüglich sehr erfolgreich.
Und tatsächlich gibt es derzeit zwei Anbieter, die in Kürze an den Start gehen, um solch eine mobiel Filterlösung anzubieten. Die Hydros Bottle LLC aus Phildalphia bietet solch eine Flasche mit integriertem Filter für 25 USD an. Der Erstatzfilter kostet 7 USD und soll für mehr als 300 Refills halten. Auf der Webseite wird empfohlen, spätestens alle 3 Monate den Filter auszuwechseln. Der Filtervorgang braucht ca. 20 Sekunden. Entwickelt wurde das mobile Filtersystem an der University of Pennsylvania und war eigentlich nur für Entwicklungsländer gedacht. Noch wird auf der Webseite nicht veröffentlicht, wann nach einer Pre-Order ausgeliefert werden kann. Es soll sich aber nur noch um Wochen handeln.
Hydros Bottle bekommt allerdings bald Konkurrenz aus Australien. Es handelt sich 321Water. Auf den ersten Blick erkennt man, dass die Gründerin Gretha Oost sehr viel Wert auf hübsches Design legt. Dafür soll die Flasche auch ca. 10 % mehr als die amerikanische Lösung kosten. Hergestellt werden soll die Flasche erst, wenn 10.000 Vorbestellungen vorliegen. Die Gründerin hofft, aber März 2010 ausliefern zu können. Leider erfährt man auf der Webseite nicht, wieviele Bestellungen schon vorliegen. Etwas helfen könnte, dass die 321-Wasserflaschen den People’s Choice Award im Rahmen der ABC TV’s New Inventors series im Sommer 2009 gewonnen hat.
Aus meiner Sicht hapert es bei beiden Angeboten an einem überzeugenden Marketingkonzept. Warum gibt es noch keine Kooperation mit TapIt, schliesslich könnte man hier genau die Zielgruppe ansprechen, die Interessen an diesem Produkt haben könnte. Auch fehlt mir ein überzeugendes Social Media Konzept. Hydros Bottle hat zwar eine Facebook-Seite mit immerhin schon mehr als 420 Fans. Aber es wird alles noch sehr statisch. Der Twitter-Account hat gerade einmal 2 Follower und einen Eintrag. Blogs sind ganz Fehlanzeige. Liebe Macher, nicht nur das Produkt muss einen Nutzen haben und sexy sein, sondern auch die Vermarktung muss rocken. Let´s go!
Im meiner Top-10-Liste Food & Drink habe ich TAP´D NY als beste Idee ausgezeichnet. Unter dieser Marke wird in New York Leitungswasser an Kiosken und anderen Verkaufsstellen zu einem günstigeren Preis als andere Wassersorten verkauft. Craig Zucker will damit nicht nur eine günstige Alternative zu bisherigen Angeboten bieten, sondern auch den Importwahnsinn stoppen. Warum soll das Wasser aus Europa, von den Fiji-Inseln oder sonst woher importiert werden, wenn es gutes Wasser direkt vor Ort gibt. Das spart nicht nur Kosten, sondern senkt auch die CO2-Bilanz.
Die Initiatoren von TapIt gehen noch einen Schritt weiter. Sie listen auf Ihrer Webseite alle gastronomischen Einrichtungen in New York, San Francisco und anderen Städten und Regionen in den USA auf, in denen man seine Wasserflasche kostenlos auffüllen lassen kann. Damit wollen die Machen von Tapitwater nicht nur eine kostenlose Möglichkeit der Erfrischung für alle anbieten, sondern auch den Receyclingaufwand deutlich senken. Denn grundsätzlich sollen nur wiederverwendbare Flaschen aufgefüllt werden.
Und warum sollten Gastronomen mitmachen, schliesslich verpflichten sich die Refiller nicht, bei ihnen etwas zu verzehren. Das Refillangebot gibt es ohne Gegenleistung oder Verpflichtung. Es ist trotzdem eine gute Werbung für die Cafes und Restaurants, die mitmachen. Und warum sollte nicht der eine oder andere auch etwas vor Ort verzehren und anschliessend eine Flasche Wasser mitnehmen? Und Sie sorgen im Kleinstmaßstab für eine bessere Welt. Fast 200 Gastronomen konnten bisher davon überzeugt werden. Es lebe die Free-Economy. Und es lebe die Idee, dass sich jeder Unternehmer mindestens an einem Social Business ohne Gewinnerzielungsabsicht beteiligen sollte.