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December 31, 2008

Wenn Du Dein Haus nicht verkaufen kannst, dann verlose es

Die Welt spielt derzeit verrückt. Während man in den USA Häuser zu Schnäppchenpreisen erwerben kann, nachdem die Immobilienblase geplatzt ist, steigt hier in Deutschland die Nachfrage nach bestimmten Kaufimmobilien, weil viele die nächste Inflationswelle fürchten und sich mit Sachwerten eindecken. Wenn man derzeit nicht genau das bieten kann, was die Investoren wünschen, bleibt man auf seiner Immobilie wie Sauerbier sitzen. Das muss aber nicht so sein:

Brian und Wendy Wilshaw hatten die Idee, ihr Haus in England (inkl. großes Grundstück, Lodges, See etc.) zu verlosen und nicht zu verkaufen. Sie hatten das Ziel, 46.000 Lose a 25 GBP zu verkaufen, um damit gleich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Jeder sollte mit einem Minimaleinsatz die Chance haben, dieses wunderschöne Anwesen erwerben zu können. Und die “Verkäufer” könnten auf diesen Weg deutlich mehr erzielen, als wenn sie das Anwesen über einen Makler verkaufen würden. Allerdings haben die beiden Engländer wohl nicht ihre “Hausaufgaben” gemacht, wie sie auf ihrer Webseite schreiben:

“We received our target of 46,000 entries on Sept 15th, and were making plans to bring the draw date forward and draw the winner early, on Oct 16th. A letter from the Gambling Commission on the 1st October stopped us in our tracks. They wrote stating they were investigating all current competitions including ours to check the validity of the question asked. After much correspondence between ourselves, our solicitor and our entrants, they have stated that we have not complied with their guidelines because in their opinion the skill level of our question ‘did not prevent a significant number of people from participating in our competition’. They further state that they have a duty to pursue and prosecute illegal gambling and if we proceed with the draw they will consider prosecution.”

Seitdem gibt es eine Hängepartie. Die beiden Engländer haben das Fernsehen und Politiker eingeschaltet, um alles doch noch zu einem glücklichen Ende führen zu können. Auf ihrer MySpace-Homepage informieren halten Sie alle Losinhaber und Interssierten auf dem Laufenden. Die Hoffnung war, spätestens zu Weihnachten eine Lösung zu generieren. Das war aber auch nicht der Fall. Zumindest die Hoffnung stirbt zuletzt, weshalb alle noch Zweckoptimisus an den Tag legen.

Unabhängig von diesen Problemen gibt es zahlreiche Nachahmer. So haben auch findige Österreicher eine ähnliche Aktion mit ebenfalls durchschlagenden Erfolg gestartet. Sie wollen ihr Traumhaus in Klagenfurt am Wörthersee versteigern. 9999 Interessenten konnten ein Los von je 99 EUR erwerben. Am 23.12.2008 wurde die Aktion beeendet. Den ersten 9999 Einzahlungen (je 99€) wird chronologisch einer Losnummer zugewiesen. Ab der 10.000ten Einzahlung wird mit der Rücküberweisung der 99€ Anteile begonnen. Die Verlosung soll im Januar 2009 stattfinden.

Und wie sieht hier die rechtliche Situation aus? Die Austria Presse Agentur hat bei Harald Waiglein, Sprecher des Finanzministeriums, nachgefragt und folgende Antwort erhalten: “Dieses Glücksspiel zielt nicht auf eine gewerbsmäßige Tätigkeit ab.” Bei der Verlosung des Kärntner Anwesens handle es sich um eine einmalige Lotterie und die sei unproblematisch. Eine Konzession ist für das Vorhaben laut Waiglein daher nicht erforderlich. Die Haus-Verlosung entspreche im Grund genommen einer privaten Tombola, wie sie auch bei Bällen oder in Schulen durchgeführt werde… Wichtig sei einzig das Ausschau-Halten nach einem gewerbliche Zweck bzw. einer etwaigen Wiederholung des Glücksspiels.” Höhe des Lospreises und Verlosungsmedium (Internet) seien nicht relevant für die Bewertung.

Es scheint so, dass die Österreicher für kreative Ideen offener sind als die Engländer. Und deshalb ist es wohl auch nicht verwunderlich, dass ein findiger Österreicher gleich eine Webplattform gestartet hat, auf der Privatpersonen über Verlosungsaktionen für ihre Häuser und andere Wertgegenstände informieren können. In der Kategorie “Immobilien” sind bereits vier Angebote eingestellt worden. Und einen roten Ferrari gibt es auch schon zu verlosen. Bald sollen auch Grundstücke, Oldtimer und Yachten folgen. Bin ja gespannt, wann die Welle nach Deutschland schwappt und wie die zuständigen Behörden hier reagieren.

Update 23.01.2009: Hier gibt es einen interessanten Artikel über die rechtlichen Risiken von Hausverlosungen in Österreich. Es zeigt sich einmal mehr, dass auf Pioniere immer viele Gefahren warten. Achtung. Achtung!

Gefunden im radikale-innovationen-Blog + eigene Recherche.

Weinfreund.de: Vom Winzer direkt zum Kunden

Filed under: Geschäftsidee, Idee - ecommerce — Burkhard Schneider @ 8:45 am

[Trigami-Review]

Viele Winzer überlegen, wie sie ihren Weinabsatz und Gewinne erhöhen können. Die Lösung ist der direkte Weg zum Kunden. Eine gute Möglichkeit besteht darin, auf Weinfesten den eigenen Wein auszuschenken und damit für sich Werbung zu machen. Aber auch das Internet bietet sich immer mehr als lukrativer Marketing- und Vertriebskanal an. Wie soll allerdings ein einzelner Winzer dieser Herausforderung gerecht werden? Dafür bietet seit wenigen Wochen Johannes Geppert das Vermarktungsportal weinfreund.de an.

Auf diesem Portal hat jeder Winzer aus Deutschland und Österreich die Möglichkeit, sich ausführlich seinen potentiellen Kunden vorzustellen. Via Google Earth wird z.B. der Standort des Weingutes dargestellt. In den nächsten Weblasche können alle angebotenen Weine, Bilder vom Weingut und passende News vorgestellt werden. Zudem haben 19 der bisher 74 präsentierenden Weingüter auch die Option gewählt, einen Onlineshop zwecks Direktverkauf zu nutzen.

Damit sich der Besucher des Portals schnell zurechtfindet, kann er im Portal gezielt nach Weintyp, Geschmack, Anbaugebiet, Jahrgang, Weingut und Preisspanne suchen. Mir persönlich fehlt in der Suchmaske die Möglichkeit, direkt nach Weinen zu suchen, die zu einem bestimmten Gericht wie Fisch, Huhn oder Dessert passen. Das ist zwar trotzdem möglich, allerdings nur, wenn ich im allgemeinen Suchfeld nach dem jeweiligen Gericht suche.

Gut finde ich, dass die Weine in vier Kriterien (Optik, Geruch, Geschmack, Preis/Leistung) bewertet werden können. Davon wird momentan noch wenig Gebrauch gemacht, allerdings ist das Portal ja auch erst wenige Wochen online. Spätestens, wenn die Anzahl der Bewertungen deutlich gestiegen ist, würde ich mir wünschen, dass ich in der Suchmaske gezielt nach Weinen mit guter Bewertung suchen kann und zwar unterteilt in alle vier Bewertungsrubriken.

Die große Herausforderung wird jetzt darin bestehen, eine kritische Masse an Besucher auf das Portal zu locken. Das Design ist nicht besonders jugendlich, weshalb wohl eher der Kunde im mittleren Alter als Zielgruppe angesprochen werden soll. Ein Weg könnte z.B. darin bestehen, ein Kochbuch herauszugeben, in der jeder Winzer seine Lieblingsspeise (inkl. Rezept) für seinen Lieblingswein präsentiert. Daneben sollte natürlich die gesamte Klaviatur des Onlinemarketings “gespielt” werden.

Da ich selber kein Kunde bin, der Getränke oder Essen kauft, ohne sie vorher probiert zu haben, würde ich mir wünschen, dass auf der Startseite ein Terminkalender angezeigt wird, in dem angezeigt wird, wann die Weine der einzelnen Winzer wo vor Ort ausprobieren kann. Die Krönung wäre natürlich, wenn der Weinfreund selber einen Gemeinschaftsstand auf verschiedenen Weinfesten unterhalten würde, auf dem man alle gut bewerteten Weine (gegen Geld) verkosten könnte. Und da ich ein Fan von italienischen Rotweinen bin, würde ich mich auf freuen, wenn das Angebot der Regionen weiter ausgebaut werden würde. Mal schau´n, womit uns der Weinfreund als nächstes überrascht.

December 30, 2008

In England plant der Gesundheitsminister ein Onlinebewertungssystem für Hausärzte

Filed under: Crowdsourcing, Idee - Crowd, Idee - NonProfit, Idee - Web, V - Uncategorized — Burkhard Schneider @ 6:45 pm

Heute kann man im Web fast alles bewerten, ob Bücher, Hotels, Restaurants, Professoren, Lehrer oder Ärzte. Die entscheidene Frage ist nur, ob diese Bewertungen wirklich repräsentativ sind. Häufig gibt es nur ganz wenige Bewertungen. Dann weiß man meist nicht, wer hinter dieser Bewertung steht und welche Zwecke er damit verfolgt. Häufig gibt es sogar den Verdacht, dass die Bewerteten andere damit beauftragen, eine für sie positive Bewertung zu schreiben. Die schöne transparente Webwelt führt uns eben häufig in die Irre.

Davon lässt sich allerdings der englische Gesundheitsminister Ben Bradshaw nicht abschrecken. Er hat im April 2008 die Möglichkeit eingeführt, öffentliche Krankenhäuser in England von den Patienten online bewerten zu lassen. Seitdem wurde von den Patienten eine hohe vierstellige Zahl an Kommentare abgegeben. Eine erste Auswertung hat gezeigt, dass die die Bewertungen sehr ausgewogen sind zwischen positiven, negativen und neutralen. Hier seht Ihr ein Beispiel für die Bewertung eines Londoner Krankenhauses.

In Zukunft sollen jetzt auch die Hausärzte in ähnlicher Form bewertet werden. Es geht aber weniger um eine Schulbenotung, wie Bradshaw gegenüber dem Guardian äußert: “I want people to be able to read comments. It may be that people think the GP is fantastic and they can always get an appointment within 48 hours. Or they may have terrible experiences and think the receptionist is really rude.” Aber nicht nur die Patienten sollen durch die Bewertungen in die Lage versetzt werden, den besten Hausarzt für sich zu finden. Vielmehr sollen die Hausärzte dazu motiviert werden, kundenorientier zu werden und auf Kritik der Patienten einzugehen und dadurch besser zu werden.

Interessant ist, dass die Patienten auch anonym Bewertungen abgeben können. Das öffnet den Manipulationsmöglichkeiten Tür und Tor. Deshalb sollen die Webmaster die Bewertungen erst anschauen, bevor sie sie freigeben. Gelöscht werden sollen sie aber nur, wenn sie nachweislich von Mitarbeitern der bewerteten Ärzten oder Institutionen stammen. Insgesamt ist es sehr mutig, dass Bradshaw solch ein Onlinebewertungssystem in einem solch sensiblen Bereich zulässt. Mal schau´n, wie es sich entwickelt und was davon die privaten Bewertungsplattformen lernen können.

Update Innocentive: Non-Profit und Crowdfunding als Wachstumstreiber

Filed under: Crowdfunding, Crowdsourcing, Idee - Agent, Idee - Crowd, Innovation, V - Update — Burkhard Schneider @ 2:45 pm

Vor fast genau drei Jahren habe ich hier im Blog erstmals über die Crowdsourcing-Innovationsplattform Innocentive berichtet. Damals klang es für mich noch revolutionär, dass Unternehmen die Lösung für ein Entwicklungsproblem öffentlich ausschreiben und von einem externen Experten lösen lassen würden. Drei Jahre später gilt dieses Vorgehen zwar nicht zum Standard in Entwicklungsabteilungen, ist aber auch nicht mehr ganz so exotisch.

Wie hat sich Innocentive seit meiner ersten Berichterstattung weiterentwickelt? Mittlerweile gibt es mehr als 160.000 Experten, die als Problemlöser auf der Innocentive-Plattform zur Verfügung stehen. Das ist eine beachtliche Zahl und u.a. damit zu erklären, dass die Macher von Innocentive u.a. dort gezielt Experten ansprechen, wo eine große Zahl vorhanden ist, nämlich in Universitäten und Forschungseinrichtungen auf der ganzen Welt. Durch die Veröffentlichung vieler Presseberichte und Mundpropaganda wächst die Zahl der Experten kontnuierlich weiter.

Innocentive baut auch ganz neue Geschäftsbereiche auf. Wie wir vor zwei Jahren hier im Blog berichtet haben, gibt es seit Ende 2006 eine Non-Profit-Area, damit auch Non-Profit-Organisationen das Experten-Know-How anzapfen können. Die reduzierten Einstellgebühren und Prämien werden von der Rockefeller-Foundation bezahlt. Mittlerweile handelt es sich bei jeder 5. Lösungssuche um ein Non-Profit-Projekt. Besonders beachtlich ist: Während die Erfolgsquote bei eingestellten Projekten durchschnittlich bei 40 % liegt, liegt sie bei Non-Profit-Projekten bei nahezu 60 %.

Zu selten haben die Non-Profit-Organisationen allerdings das “nötige Kleingeld”, um die Lösungsvorschläge auch in die Praxis umzusetzen. Und genau deshalb überlegen die Macher von Innocentive, ob ihre Plattform nicht auch für Crowdfunding genutzt werden kann. Wenn viele Menschen bereit sind, in ihrer Freizeit kostenlos dabei zu helfen, die Welt ein bisschen besser zu machen, warum sollten sie dann nicht auch motiviert werden können, einen kleinen finanziellen Beitrag zu leisten, um die aktuellen Probleme der Menschheit nachhaltig zu beseitigen? Wir können gespannt sein, was da noch kommt.

Mehr Infos zur Non-Profit-Area von Innocentive findet ihr in diesem Intervies mit Innocentive-CEO Dwayne Spradlin auf Fastcompany.

Bis zum 6.1.2009 für den Gründermarkt des Forum Kiedrichs bewerben

Filed under: V - Termine, V - Wettbewerb — Burkhard Schneider @ 10:45 am

Am 7. Februar 2009 findet in Wiesbaden der 24. Gründermarkt des Mentorennetzwerkes Forum Kiedrich statt, das von Klaus C. Ploenzke gegründet wurde. Hier können sich 20 Startups präsentieren und in anschliessenden Gesprächen Kontakt zu den anwesenden Mentoren aufzunehmen. Anmeldeschluss ist der 6. Januar 2009. Eine Onine-Bewerbung macht Sinn, wenn Ihr mindestens drei der folgenden Punkte mit JA beantworten könnt?

  1. Ich erwarte Gründer-Know-how und aktive Netzwerke.
  2. Ich kann am 7. Februar 2009 ein stimmiges Konzept zu einer pragmatischen Unternehmensgründung im Bereich innovativer Technologien vorlegen.
  3. Ich habe bereits mindestens drei Arbeitsplätze geschaffen oder trage Verantwortung für eine große Zahl mir anvertrauter Menschen.
  4. Für das von mir vertretene Gründungskonzept baue ich auf nachweisbaren Vorerfahrungen auf
Aus meiner Sicht fehlt es hier in Deutschland nicht nur an einer kritischen Masse von Business Angels, sondern auch an Mentorennetzwerken, damit sich Gründer von erfahrenen Unternehmern und Netzwerkern Rat und Kontakte einholen können. Bis heute gibt es wenige Leuchtturmprojekte wie das Forum Kiedrich. Mal schau´n, wann sich das ändert.

December 29, 2008

Wird es bald viele Michael Buckleys geben?

Filed under: Geschäftsidee, Idee - Web — Burkhard Schneider @ 4:45 pm

Michael Buckley begann seine Karriere mit einer Wochenshow in einem regionalen Fernsehsender rund um Connecticut, in der er sich über Stars und Sternchen der Showbranche lustig machte. Sein Cousin stellte Teile seiner Show unter dem Titel “Whats thes Buck?” bei Youtube ein. Die Resonanz war enorm. Mittlerweile ist aus dem Gag ein Big Business geworden:

Michael hat, seitdem er vor ca. einem Jahr Mitglied des Werbepartnerprogrammes von Google wurde, mehr als 100.000 USD Werbeeinnahmen erzielen können. Nach diesem Erfolg hat er seinen Job gekündigt und verdient mit seinen YouTube Videos seinen Lebensunterhalt. Allerdings brauchte er auch mehrere Jahre, um jetzt sechsstellige Summen im Jahr verdienen zu können. Ist allerdings erst einmal der Anfang gemacht, kennen die Einnahmen fast keine Grenzen.

Die Investition in seine YouTube-Karriere war gering: Er kaufte sich dafür eine Canon Kamera im Wert von 2.000 USD, ein paar Scheinwerfer und schon war das “Fernsehstudio” fertig, das er bei sich zu Hause eingerichtet hat. Mittlerweile wird seine wöchentlich erscheinende Show bei Youtube mehr als 200.000 mal angeschaut. Bis jetzt kann sein Kanal mehr als 100 Mio. Views verzeichnen. Mehr Infos dazu gibt es in diesem New York Times-Artikel.

Bis jetzt gibt es mehr als 1.000 Mitglieder des YouTube-Partnerprogrammes. Mehr als 100 davon verdienen vierstellige Summen im Monat. Habt Ihr auch Lust auf mehr bekommen? Für das YouTube-Partnerprogramm können sich alle anmelden, die alle Rechte an ihren Originalvideos haben und in den USA, Kanada, Großbritannien, Japan, Australien, Irland, Deutschland, Frankreich oder Brasilien leben. Mehr Infos über die Aufnahmevoraussetzungen gibt es hier.

Und wie funktioniert jetzt die Vermittlung von Werbeplätzen? Die Werbeplätze werden automatisch versteigert. Die Werbetreibenden legen fest, bei welchen Suchbegriffen ihre Anzeige erscheinen soll und wie viel Geld sie maximal pro Klick und pro Tag ausgeben möchten. Irgendwie merkt man schon, dass hier natürlich wieder Google (als Inhaber von YouTube) seine Finger drin hat. Mal schau´n, ab wann die Fernseheinnahmen einen beachtlichen Anteil an allen Werbeeinnahmen von Google ausmachen werden.

Mit der essbaren Aktie wurde die Anschubfinanzierung vom Slow Imbiss in Berlin realisiert

Filed under: Crowdfunding, Finanzen, Geschäftsidee, Idee - Gastro — Burkhard Schneider @ 12:45 pm

Gastronomen haben es nicht leicht. Sie erwartet meist eine 80 Stunden Woche, verdienen durchschnittlich nur 5 EUR pro Stunde (richtig, das liegt unter dem gesetzlichen Mindestlohn, aber Unternehmer dürfen sich ja selbst ausbeuten :-) ) und scheitern in den ersten drei Jahren mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 66 %. Und jetzt ist es auch noch fast unmöglich geworden, von Banken eine Startfinanzierung zu erhalten. Andere Geldgeber, wie z.B. Bierbrauereien, finanzieren immer seltener das Mobiliar. Was tun?

Das hat sich auch Hans-Georg Schmid gefragt, der in diesem Jahr seinen Slow-Imbiss in der Prenzlauer Allee in Berlin eröffnen wollte. Das nötige Kleingeld für Umbau und Innenausstattung fehlte leider noch zum Glück. Not macht allerdings erfinderisch und so hat Hans-Georg Schmidt die “essbare Aktie” erfunden. Konkret konnten seine Kunden in Form einer Vorauszahlung einen Anrechtsschein auf einen bestimmten Gegenwert von Speisen beim Slow Imbiss erwerben. Folgendes Berechnungsmodell lag seinem Angebot zu Grunde:

Da Hans Georg-Schmid u.a. mit seinen Kochkursen bisher sein Geld verdient hatte, hatte er schon einen kleinen aber feinen Kundenstamm aufbauen können. Im Rahmen einer Vorgründungsparty lud Schmid seine Kunden ein und präsentierte ihnen in die Idee der essbaren Aktie. An diesem Abend konnte er 4.300 EUR einnehmen, was der Startschuss für den Umbau seines Imbisses bedeutete. Seit dem 17. November ist der Slow Imbiss nun offen. Mehr Infos dazu findet ihr im Blog und dem dazu passenden Flyer.

Mittlerweile habe ich ja schon über sehr viele Crowdfunding-Beispiele hier im Blog berichtet. Es fällt mir allerdings auf, dass gerade die Berliner Unternehmer besonders kreativ in diesem Bereich sind. So habe ich im Januar 2006 hier im Blog über die Berliner Gänseaktie berichtet. Die Idee dahinter ist sehr ähnlich die der “essbaren Aktie”, nur einige Nummern kleiner. Mal schau´n, über welche Crowdfunding-Idee ich als nächstes berichten kann. Über o.g. Idee bin übrigens durch einen Sat 1. Fernsehbericht aufmerksam geworden.

Sat 1 sucht die beste Idee Deutschlands

Filed under: V - Wettbewerb — Burkhard Schneider @ 8:45 am

Sat 1 plant eine neue Sendung mit dem Titel “Die beste Idee Deutschlands”. Im Rahmen dieser Sendung wird die erfolgsversprechendste Erfindung gesucht, was in dem Land der Dichter, Denker und Erfinder nicht ganz so schwer fallen sollte. Gemessen an den angemeldeten Patenten pro Jahr stehen wir in Deutschland ganz weit oben. Auf der eigens dafür eingerichteten Webseite steht folgendes zum Wettbewerb:

Aus welchem Bereich des alltäglichen Lebens die Erfindung stammt, spielt keine Rolle. Einzige Bedingung: Die Idee sollte nicht nur neu und einzigartig sein, es dürfen auch bisher weder Patentanmeldungen noch Verträge dazu vorliegen. Natürlich sollte die Idee auch nicht allein in den Köpfen ihrer Erfinder vorhanden sein – man muss sie sehen, anfassen, begutachten können. Niemand muss ein bis ins Kleinste ausgetüfteltes Produkt vorstellen, doch ein Modell der eigenen Erfindung, einen Prototyp oder wenigstens eine detailierte Zeichnung sollte man für das Casting schon im Gepäck haben.

Sind all diese Voraussetzungen erfüllt, kannst du dich mit deiner E-Mail-Adresse registrieren. Sobald die Registrierung für den Wettbewerb eröffnet ist, erhälst du automatisch eine Nachricht mit weiteren Anweisungen für die Registrierung. Die vielversprechendsten Erfinder werden dann zum Casting gebeten.

December 28, 2008

Hertz steigt jetzt auch ins Carsharing-Business ein

Filed under: Idee - Mobil, Marketing - Preis — Burkhard Schneider @ 6:45 pm

Im September habe ich hier im Blog vermeldet, dass Sixt neben dem Vermiet auch ins Carsharing-Business eingestiegen ist. Damit wollen die Müchner den Zukunftsmarkt nich allein regionalen Car-Sharing-Genossenschaften überlassen, sondern selber in das profitable Zukunftsgeschäft einsteigen. Im Rahmen dieses Berichtes habe ich folgendes erstes Fazit abgegeben: “Natürlich ist nicht jeder Ausflug in neue Märkte von Erfolg gekrönt, aber kampflos will Erich Sixt eben nicht das Feld räumen. Wenn man bedenkt, welche Marketing- und Einkaufspower hinter der Sixt AG steht, dann können sich jetzt schon einige Car-Sharing-Genossenschaften warm anziehen.”

Jetzt lese ich bei Springwise, dass auch Hertz unter dem Label ConnectbyHerz ins Carsharing-Geschäft einsteigt und zwar vom Start weg in drei großen Metropolen dieser Welt. In New York kann man ab einer Jahresgebühr von 50 USD und einer Gebühr pro Stunde von 10 USD ein Fahrzeug nutzen (Benzin und 180 km frei). In London und Paris sind die Gebühren ähnlich hoch. Als Fahrzeugmodelle stehen Fahrzeuge mit geringen Emissionen zur Verfügung, wie z.B. der Mini Cooper und der Toyota Prius.

Damit ist jetzt auch der weltgrößte Autovermieter ins Carsharing-Geschäft eingestiegen. Und schon wird von Hertz vermeldet, dass bald weitere Städte in der Welt folgen sollen. Im Gegensatz zum Vermietgeschäft besteht im Carsharing eine deutlich höhere Kundenbindung aufgrund des Club- und Preismodells. Die großen Autovermieter haben gegenüber Carsharinggenossenschaften den Vorteil, meist schon ein flächendeckendes Stationennetz in größeren Städten als Startbasis zu haben. Mal schau´n, was sie draus in Zukunft machen.

Update: Nike+

Filed under: Idee - Produkt, Idee - Tech, Idee - Web, Innovation, Marketing - Crowd, V - Update — Burkhard Schneider @ 12:45 pm

Vor mehr als 2 Jahren habe ich erstmals hier im Blog über Nike+ berichtet. Seit Start dieser Social Community bietet die amerikanische Sportartikelfirma das Nike + ipod Sportkit an, in dem u.a. ein Sensor enthalten ist, den man im Schuh unter der Sohle anbringen kann. Anschliessend steckt man den Empfänger an einen ipod nano und ab sofort kann man alle Trainingsergebnisse (Laufstrecke, Laufzeit,…) erfassen. In der Nike+ Community kann man sich anschliessend mit anderen Läufern messen, virtuelle Trainingsgruppen und Wettbewerbe starten und vieles mehr.

In einem aktuellen BusinessWeekArtikel, auf den ich durch Martin aufmerksam wurde, wird über den Erfolg von Nike+ berichtet. Demnach wurden bisher 1,3 Mio. Nike+ SportKits und 500.000 Nike+ SportBänder (für die, die keine Musik hören wollen) verkauft. Das ist beachtlich, aber im Verhältnis zum Gesamtumsatz von Nike im Jahr 2008 in Höhe von 18,63 Mrd. USD noch nicht wesentlich. Die US-Resarch Firma SportsOneSource behauptet allerdings, dass der in den USA gestiegene Marktanteil von Nike-Laufschuhen von 48 auf 61 % zu einem beachtlichen Anteil auf Nike+ zurückzuführen ist. Wie immer wird die Wahrheit wohl in der Mitte liegen.

Auf jeden Fall hat es Nike als einer der wenigen BigPlayer geschafft, eine Social Community mit Mehrwert für beide Seiten (Anbieter und Kunden) aufzubauen. Wie im BusinessArtikel zu lesen ist, soll jetzt der Commnity-Gedanke auf andere Zielgruppen, in diesem Fall Basketballspieler, ausgeweitet werden. Dadurch werden die Verkaufszahlen nicht nur langsam sehr beachtlich werden, die auf Nike + zurückzuführen sind, sondern auch das “jugendliche Image” von Nike weiter steigen und gerade bei der Jugend eine Pole Position ermöglichen. Deshalb ist aus meiner Sicht der positive Zukunftseffekt von Nike + für Nike nicht zu unterschätzen.

Schade nur, dass Adidas und PUMA diesen Trend verpennt haben. Dabei haben zwei Deutsche die Idee des Virtual Trainers entwickelt und im November 2000 zum Patent angemeldet. Leider haben sie keinen Abnehmer im Rahmen eines Lizenzvertrages gefunden und schliesslich das Patent an Nike für 600.000 EUR verkauft, weil sie nicht das Geld für langfristige Patentstreitigkeiten hatten. Wir haben hier im Blog darüber berichtet. Ärgerlich ist nicht nur, dass die beiden deutschen Erfinder bei Lizenzierung zwei bis dreistellige Millioneneinnahmen hätten generieren können, sondern dass auch die deutschen Sportartikelhersteller einen Zukunftsmarkt verpennt haben, mal wieder.