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Wie Cosima Reichwein ihr Kochbuch „Vegetarisch für Feinschmecker“ erfolgreich selbst vermarktet

Wie im letzten Artikel erwähnt, werden in Zukunft immer mehr Bücher im Self-Publishing-Stil herausgegeben. Und das gilt nicht nur für EBooks. Vor kurzem bin ich auf ein besonders eindrucksvolles Beispiel gestossen, das ich hier gerne vorstellen möchte. Cosima Reichwein hat im April ihr erstes Kochbuch mit dem Titel Vegetarisch für Feinschmecker herausgebracht. Cosima kenne ich schon seit Jahren als Referentin der Sternstunde für Unternehmer. Im wahren Leben ist sie Werbe- und Produktdesignerin. Ihre Leidenschaft ist das „vegetarische Kochen“. Aus dieser Leidenschaft ist ein beeindruckendes Buch erschienen. In einem E-Mail-Interview erläutert sie mir die Hintergründe, Erfolgsfaktoren und Ziele ihres Buchprojektes:

  1. Was war der Grund und Auslöser, ein eigenes Kochbuch zu schreiben?
    Ich habe seit meinen 25 Jahren veg. Ernährung sehr oft schlecht essen dürfen. Besonders in dt. Lokalen meinte man mir mit einem Gemüseteller (oftmals nicht frisch , sondern nur aus der Dose) und einer falschen Soße Hollandaise einen großen Gefallen zu machen. Oder ich bekam den Kommentar: „Ach dann lassen wir das Fleisch einfach weg!“ Ich habe mich dann immer gefragt, ob die Köche mal das selbst gegessen haben, was diese so gekocht haben. Vor 25 Jahren war das Veg. nicht so normal wie heute und die Auswahl der Gerichte auch nicht so groß. Also habe ich angefangen zu experimentieren. Aus der Not eine Tugend gemacht.
    Bei meinem 40 Geburtstag hörte ich von den Fleischzähnen, dass diese Angst hatten, dass es nicht schmeckt und außerdem nicht satt machen würde. (Ich habe diese eines Besseren belehren können J) Die meisten verbinden das Vegetarische Essen nur mit gesund, aber nicht mit Genuss Eine Freundin gab letztendlich den Anstoß, hat mich dann Jahrelang genervt – ich solle doch aus meinen Rezepten ein Kochbuch machen.

  2. Warum veröffentlichst Du das Buch im Self Publishing und nicht mit einem Verlag?
    Da dieses Buch durch den Aufsteller keinen Buchrücken hat, kann mein keinen Titel lesen, wenn es im Regal steht. Diese sollte aber am POS stehen, damit die Leser gleich wissen, wie dieses zu benutzen ist. Bei einem bekam ich die Antwort, die Fotos wären zu emotionslos fotografiert, d.h. ein kleines Segment sollte scharf sein und der Rest unscharf und wenn möglich mit viel Ambiente darum herum. Nun meine Gerichte sind im vollem Umfang gut erkennbar. Alle Käufer waren gerade dadurch beindruckt. Zusätzlich punktete ich mit meinem Konzept, dass die Hauptzutaten um das Gericht herum abgebildet sind.

  3. Was macht Dein Buch besonders, schliesslich gibt es schon zig Kochbücher für Vegetarier
    Das Kochbuch bietet viele EXTRAS:

    • Die Gerichte sind für 2 Personen.
    • Ein Kochbuch zum Aufstellen, dass nicht wegrutscht und wenig Platz benötigt.
    • Die Gerichte werden in 4 Farbcodierungen dargestellt, d.h. eine Farbe pro Saison.
    • Die Beschreibungsseiten sind in 3 Phasen gegliedert.
    • Die Arbeitsgänge sind durch Bullitpoints strukturiert und knapp formuliert.
    • Flecken lassen sich durch einen Schutzlack einfach abwischen.
    • Die Gerichte punkten durch Geschmackspannungsbogen, z.B.: Bitter-Süß
  4. Was ist noch besonders an Deinem Buchprojekt?
    Die Druckkosten habe ich über Sponsoring abgedeckt. Alles Sponsoren, die mit Thema gut Essen und Trinken zu tun haben, welche die Möglichkeit hatten Ihr Unternehmen mit einer halben oder ganzen Seite im Anhang darzustellen. Wer eine ganze Seite buchte, bekam die Möglichkeit mit mehrere Empfehlungen im Gericht erwähnt zu werden: wie z.B.: mit Z1. Im Anhang gibt es eine Empfehlungsseite, auf welcher dann erklärt wird, was Z1 ist = rotes Hawaiisalz. Das Gleiche gibt es für Getränke, z.B.: G3 Bei einer halben Seite wurde nur eine Empfehlung ausgesprochen.

  5. Welche Marketingaktionen waren bisher am erfolgreichsten, welche waren besonders?
    Der Eröffnungsevent am 17.4. 12 hat mit dem Verkauf von fast 100 Büchern gestartet. Danach war entsprechende PR in unserer Tageszeitung „Main Echo“. Ebenso im „Der neue Tipp“, „prima Sonntag“, letzte Woche im „Kahlgrundboten“. Auf Grund der PR hat der umliegende Buchhandel kräftig bestellt (waren aber auch schon Buchhandlungen dabei aus dem hohen Norden) Am 5. Und 6. Mai war ich in der Pfalz auf einem Olivenfestival (einer meiner Sponsoren ZAIT ist Olivenölhersteller und richtete dieses Fest aus) und habe dort 150 Bücher verkauft. Seit 2 Wochen bin ich bei Amazon vertreten und habe bereits auch Bestellungen von dort erhalten. Seit letzter Woche habe ich eine Fanpage bei facebook. Ich bin in der aktuellen Verkaufsbroschüre von der Firma ZAIT mit einer Doppelseite erwähnt. Der VEBU, der deutsche veg. Bund wird mein Kochbuch erwähnen mit einem Auszug von einem Gericht. Das Magazin LOB macht es ebenso. Mein Ziel ist es bis Ende des Jahres alle 2000 Stück verkauft zu haben. Außerdem habe ich schon Anfragen aus USA bekommen, dass ganze doch zu übersetzten und dort auch auf den Markt zu bringen.

Mir gefällt sehr gut, wie Cosima Reichwein ihre Druckkosten dank der Unterstützung der Sponsoren vorfinanzieren konnte und damit ab Beginn der Vermarktung raus aus dem finanziellen Risiko war. Das Angebot an die Sponsoren war sehr durchdacht und noch cleverer ist, dass die Sponsoren bei der Vermarktung aktiv mit eingebunden werden. Hinsichtlich der PR-Arbeit zeigt es sich, dass regionale Zeitungen offen für solche Themen sind. Warum sollte man deshalb nicht klein anfangen und dafür sorgen, dass immer mehr Vertriebspartner und Multiplikatoren sowie weitere Pressevertreter auf diese Projekt aufmerksam werden, dass genug EXTRAS bietet, um die Leser und Kunden zu begeistern. Und vielleicht sorgt dieser Artikel dafür, dass auch im Social Web mehr über dieses Projekt berichtet wird. Durch gezielte Ansprachen von Händlern vor Ort und einer Buchreise durch Deutschland könnte der Abverkauf weiter gesteigert werden und weitere Sponsoren für die zweite Auflage gefunden werden. Und im Rahmen der 2. Auflage bindet Cosima vielleicht auch noch die Crowdfunding-Portale mit ein. Das Projekt hat enormes Wachstumspotential.

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