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Was Blogger von Journalisten unterscheidet

Immer häufiger telefoniere ich mit Geschäftsführern oder Pressevertretern von Start Ups und etablierten Unternehmen. Ich merke, dass in diesen Gesprächen kein Unterschied gemacht wird, ob man jetzt Blogger oder Journalist einer etablierten Tageszeitung ist. Das ist eine sehr positive Erkenntnis. Natürlich muss man sich so etwas auch durch gut recherchierte Artikel erarbeiten und solch einen „Expertenstatus“ bekommt man nicht geschenkt.

Deshalb ist die Aussage vieler Vertreter etablierter Medien, Bloggen sei nur Spielerei, immer häufiger falsch. Denn unter den Bloggern, insbesondere unter den Business Bloggern, gibt es immer mehr Top-Spezialisten, die die meisten Fachjournalisten hinsichtlich ihres Fachwissens locker in die Tasche stecken. Aber es gibt grundsätzlich trotzdem noch Unterschiede, die ich hier gerne aufliste, damit auch die Firmenvertreter keine falschen Erwartungen aufbauen:

  1. Blogger sind sehr schnell, manchmal auch etwas voreilig
    Auch die Blogger achten immer häufiger darauf, der erste zu sein, um bestimmte Meldungen zu veröffentlichen oder zu kommentieren. Denn der Wettbewerb wird auch hier immer größer und deshalb wollen sich viele durch Schnelligkeit von den anderen absetzen. Dabei passiert es natürlich, dass nicht ganz so tief recherchiert wird und eben veröffentlichte Fakten einfach übernommen werden. So geschehen vor kurzem bei den Artikeln von Henning Krieg und Robert Basic über die angeblich hohen Mitgliederzahlen von elolly. Schon ein kurzer Validiätscheck (Alexa-Zahlen, Rechexempel Neumitglieder/Tag, etc) lässt einen an den Mitgliederzahlen zweifeln, die elolly behauptet. Und wenn man dann ca. eine Woche nach Anfrage immer noch kein Feedback erhält, dann wird man noch skeptischer. Ich persönlich war früher auch sehr vorschnell und habe aus meinen Fehlern gelernt (nicht immer, aber immer öfters :-)) Ganz wichtiger Tipp für Firmen: Stellt einen guten Pressebereich mit Fotos, Fakten, Presse- und Blogartikeln zur Verfügung, damit ihr dem schnellen Informationshunger der Blogger gerecht werdet.
  2. Blogger verstehen Ihren Beitrag häufig als Diskussionsgrundlage und nicht als abschliessenden, allgemeingültigen Artikel
    Häufig veröffentlichen Blogger Ihre Artikel nur als Diskussionsgrundlage und nicht als einzig alleingültige Meldung oder Meinung. Das liegt natürlich u.a. daran, dass für Blogger auch die Kommentare ihrer Leser sehr wichtig sind. Und manchmal erhält man durch ein provokante These eben viele Kommentare und Trackbacks. Zum anderen lernen Blogger auch noch gerne etwas dazu und geben das auch offen zu. Das unterscheidet sie auch meist von einigen sehr arroganten Journalisten, die glauben, die Weisheit als einzige gepachtet zu haben. Und genau das müssen auch Unternehmensvertreter lernen, dass viele Blogartikel eben eine Diskussionsgrundlage sind und dass sie dazu eingeladen sind, mit zu diskutieren.
  3. Blogger agieren meist transparenter
    Bei fast keinem Artikel eines Journalisten lese ich seine Quellen, die er für seinen Artikel verwendet hat. Das ist bei Bloggern anders. Sie geben fast in jedem Artikel an, aufgrund welches Infoquelle sie auf das Thema aufmerksam geworden sind und verlinken auch zu diesen Quellen. Im Web 2.0 Zeitalter ist das aus meiner Sicht selbstverständlich. Natürlich geht man damit als Blogger das Risiko ein, seine Infoquellen preiszugeben und zu riskieren, dass das nächste Mal ein Blogger ebenfalls die Infoquelle liest und schneller als ich selber die Nachricht dann postet. Aber Konkurrenz belebt eben das Geschäft 🙂 Ich bin sogar soweit gegangen, einer jungen Bloggerin Zugang zu meinem Bloglines-Account zu geben. Ich habe sehr viel Zeit in den Aufbau meiner RSS-Fead-Liste reingesteckt. Aber Bloggen ist für mich auch immer Networking und das besteht eben aus Geben und Nehmen.
  4. Immer mehr Blogger präsentieren Spezialwissen
    Sehr erfreulich finde ich, dass es immer mehr Businessblogger gibt, die sich auf ein Spezialthema konzentrieren. Meist sind das Themen, mit denen sie auch beruflich konfrontiert werden, aber nicht immer. Und da man mit einem Blog kein Geld verdienen muss, kann man auch über Themen schreiben, die vielleicht nur 1.000 Leser wirklich interessiert. Für einen Unternehmer ist es ja schon manchmal klasse, wenn er durch seine Bloggerei 10 neue Kunden, Multiplikatoren oder Kooperationspartner findet. Für ihn ist die Leserzahl nicht immer entscheidend. Anders ist das in weiten Bereichen der Journaille. Denn welcher Verleger findet es schon klasse, dass die Leserzahlen rapide sinken, weil die Journalisten nur noch über Spezialthemen für wenig Zielkunden schreiben? Der Long Tail ist somit eine große Chance für viele Blogger und deren Leser. Ich selber habe das auch festgestellt und darf jetzt regelmäßig über innovative Geschäftsideen bei Starting Up schreiben. Warum darf ich das? Weil es bisher keinen Journalisten gab, der das konnte und sich dem Verleger anbot.

Mein Artikel soll jetzt nicht als Journalistenschelte angesehen werden, sondern als selbstbewusste Aussage eines Business Bloggers. Wir sind in vielen Bereichen aufgrund o.g. Rahmenbedingungen Spezialisten mit viel know how und brauchen uns deshalb vor keinem mehr verstecken.

Zudem hoffe ich, dass die Unternehmernsvertreter besser als bisher lernen, wie wir Blogger ticken und wie man mit uns umgehen sollte. Denn eine realistische Erwarungshaltung ist eine gute Basis, um auf Augenhöhe miteinander zu diskutieren. Let´s do it!

Ich würde mich freuen, wenn wir diesen Artikel möglichst viele Blogger als Diskussionsgrundlage verstehen, um in Zukunft auf Augenhöhe zu reden. Und für Ergänzungen bin ich natürlich auch dankbar.

8 Responses to Was Blogger von Journalisten unterscheidet

  1. […] Nein, denn Blogger sind schon ein besonderer Menschenschlag. Auch mit anderen Informationsbedürfnissen als die “normalen” Journalisten. Allerdings sind bloggende Journalisten mittlerweile keine Seltenheit mehr, so dass sich die Unterschiede zunehmend vermischen. Was Blogger von Journalisten unterscheidet, hat jetzt der Business-Blogger Burkhard Schneider mal näher beleuchtet. […]

  2. Hans-Gerd Staschewski sagt:

    Als „Neuling“ im Bereich des Bloggens bin ich in dem Beitrag über den Begriff der Diskussion gestolpert, da er sich mit meinen bisherigen Erfahrungen nicht deckt. Bloggen ist schnell, sehr schnell und Kommentare kommen ebenso schnell. Ist das Thema erst einmal nach unten gerutscht, dann ist es als Inhalt für eine Recherche gut, aber wohl nicht mehr zum kommentieren. Im Moment empfinde ich die Kommentare zu einem Beitrag eher als blitzschnelles Meinungsbild und als eine gute Chance für Kontakte, zum Netzwerken. Liege ich da so falsch oder habe ich bisher noch nicht die richtigen Blogs als RSS gespeichert?

  3. Unternehmens-PR: Unterschiede zwischen Journalisten und Bloggern

    Sind Blogger so etwas wie Journalisten? Können Journalisten auch Blogger sein? Muss ich als Unternehmer zu Bloggern genauso Beziehungen pflegen wie zu „richtigen Journalisten“? Auch Blogger sind heute genauso wie traditionelle Medien Multiplikator…

  4. Hallo Herr Staschewski,

    ich sehe grundsätzlich keinen Widerspruch zwischen ihren und meinen Aussagen.

    Dass Kommentare nur kommen, wenn der Artikel auf der Startseite positioniert ist, würde ich aber aus meiner zweijährigen Erfahrung widersprechen. Denn heute kommentieren Personen noch Artikel in meinem Blog, die ich vor einem Jahr und länger geschrieben habe. Häufig sind das Personen, die via Google auf meinen Artikel aufmerksam geworden sind.

    Man kann auch einiges tun, damit die älteren Artikel nicht in Vergessenheit geraten. So kann man bei einem aktuellen Artikel immer auf themenverwandte Artikel von früher verlinken. Man kann auch die letzten Kommmentare in der Navigationsspalte anzeigen.

  5. Lieber Burkhard,

    ein interessanter Beitrag, bei dem ich Dir in vielem zustimme. Allerdings möchte ich darauf hinweisen, dass ich nicht, wie Du schreibst, im Beitrag zur Entwicklung von Smava und eLolly „veröffentlichte Fakten einfach übernommen“ habe.

    Konkret habe ich beispielsweise formuliert:

    – „wenn man die Zahlen Smavas mit den von eLolly angegebenen vergleicht“;
    – „Von Anfang März bis Ende Mai hätten sich dort rund 105.000 Kreditsuchende und 35.000 Kreditgeber registriert, so eLolly-Chef Dirk Morina“;
    – „Das wären in drei Tagen so viele neue Mitglieder, wie Smava erst nach einem ganzen Monat gewonnen hat“;
    – „Ebenfalls lässt schon allein die für eLolly angegebene Anzahl an registrierten Nutzern für sich aufhorchen“;
    – „Dieses Ergebnis erstaunt“;
    (Hervorhebungen durch Fettdruck nun hinzugefügt).

    Ich stehe den Zahlen von eLolly von Anfang an skeptisch gegenüber, auch aufgrund meinen Erfahrungen aus meiner Inhouse-Tätigkeit (Manager Legal für eBay) und aus meiner Beratung von Internet-Unternehmen. Ich hatte sehr bewußt formuliert und war davon ausgegangen, dass die oben aufgezeigte Formulierung dies auch zum Ausdruck bringt.

    Beste Grüße
    Henning Krieg

  6. […] Aus einem Artikel des von mir geschätzten Burkhard Schneider schließe ich allerdings, dass diese meine kritische Distanz aus dem von mir veröffentlichten Beitrag nicht unbedingt ersichtlich wird und der Eindruck entstehen könnte, dass ich die von eLolly veröffentlichten Zahlen unkritisch sehe. “For the avoidance of doubt” sei daher also an dieser Stelle noch einmal – ausdrücklicher – auf die Umstände hingewiesen. Share This veröffentlicht in E-Commerce. […]

  7. […] Burkhard Schneider schrieb letzten Monat unter etwas anderem Blickwinkel einen interessanten Artikel darüber, […]

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