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Warum Blogbeiträge nicht mit Zeitschriftenartikel verwechselt werden sollten

Immer wieder erleben ich, dass einzelne Leser mit einzelnen Blogbeiträgen nicht einverstanden sind. Häufig sind diese Leser direkt Betroffene, d.h. über sie, ihr Unternehmen oder ihre Branche wird in diesem betreffenden Blogbeitrag berichtet. Die Unzufriedenheit dieser Leser entsteht dadurch, dass aus ihrer Sicht bestimmte Sachverhalte nicht oder nicht richtig dargestellt werden. Es wird dann schnell davon gesprochen, dass hier schlampig oder zumindest nicht umfassend genug recherchiert wurde. Und genau an diesem Punkt will ich hier einhaken:

Die meisten Blogger, die ich kenne, erheben nicht den Anspruch, mit einem einzigen Posting alle Aspekte des Themas zu behandeln. Sie greifen sich meist nur einen Punkt heraus. Vielmehr verstehen sie ihre Postings als Meinungsäußerung oder Diskussionsansatz. Sie freuen sich darüber, wenn die Leser im Kommentarfeld Aspekte ergänzen. Sie akzeptieren sehr wohl auch, wenn auf Fehler hingewiesen wird. Darauf hin ergänzen oder ändern sie meist auch ihr Posting. Denn sie erheben in der Regel nicht den Anspruch, alles zu wissen. Zu viele Leser verwechseln aber Blogpostings immer noch zu häufig mit Zeitschriftenartikeln.

Warum sind Blogartikel aber mit ausführlich recherchierten Zeitschriftenartikeln nicht zu verwechseln? Ein Blogger nimmt sich pro Artikel im Durchschnitt eine Stunde Zeit (sind meine Erfahrungswerte nach Umfragen). Darin sind Recherche inbegriffen. Zudem schreiben die meisten Blogger pro Posting nur ein bis fünf Absätze. Das alles sind Gründe, warum Blogpostings meist nur einen Aspekt eines Themas behandeln können. Sehr wohl können die Leser im Kommentarfeld weitere Aspekte einbringen. Und vielleicht entwickelt sich daraus eine ganze Serie, die im besten Fall Leser und Blogautor gemeinsam schreiben. Es gilt das Motto: „Nichts muss, vieles kann“.

Aus meiner Sicht nutzen immer noch zu wenige betroffene Leser die Chance, einen Kommentar abzugeben. Vielmehr rufen sie den Autoren an oder schreiben ihn eine E-Mail und wollen ihn dazu bewegen, den Artikel zu korrigieren oder ganz zu entfernen. Das kann in Ausnahmefällen auch Sinn machen. In den meisten Fällen macht aber ein Kommentar am meisten Sinn. Und wenn man zu häufig den Eindruck hat, dass ein oder mehrere Blogger von einem Thema keine Ahnung haben, warum errichtet man dann zu diesem Thema nicht selber einen Blog. Dann haben nämlich die Leser die Möglichkeit, alles über ein Thema zu erfahren, das in anderen Blogs nur gestreift wird. Redet mit und belehrt nicht die Blogger. Dann wird alles gut 🙂

9 Responses to Warum Blogbeiträge nicht mit Zeitschriftenartikel verwechselt werden sollten

  1. Hallo Burkhard, Deinem Posting möchte ich mich anschließen und noch ergänzen, dass die Ursprünge des Bloggens im privaten Bereich zu finden waren. Menschen berichteten in Tagebuchform über für sie relevante Erlebnisse. Du schilderst ein Phänomen, dass auch in vielen Foren passiert: jemand gibt seiner Meinung in angemessener Form Ausdruck und allein dafür hagelt es Kritik. Interessant ist doch gerade die Vielfalt der unterschiedlichen Erlebnisse und Wahrnehmungen. Es ist wünschenswert, unterschiedliche Meinungen lediglich als Denkanstoß zu verstehen, weil ich diesen doch letztlich auch einfach ignorieren könnte….

  2. tourino sagt:

    „Aus meiner Sicht nutzen immer noch zu viele betroffene Leser die Chance, einen Kommentar abzugeben.“

    Ähm, „zu wenig“ würde in diesem Zusammenhang mehr Sinn ergeben.

    Ein „Betroffener“, der seine Chance genutzt hat. 😉

  3. Amen, Bruder! 🙂

  4. Ruth sagt:

    Ganz genau, Burkhard, Posts sind Denkanstöße – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wenn man sich detaillierter über ein spezielles Thema informieren möchte, kann man auf „ergänzende Medien“ wie Zeitungen, Zeitschriften nicht verzichten. Blogs sind zwar kein Magazin/keine Zeitung, doch können gute Posts weitere Informationsquellen aufzeigen (Links u.a.) und damit Leserinnen und Leser auf das Thema neugierig machen. Dein Blog ist dafür ein gutes Beispiel.
    Gruß. Ruth

  5. In weiten Teilen d’accord. In anderen: Widerspruch. Selbst wer nur einen Aspekt herausgreift, muss diese eine Behauptung auf beweisbare Fakten stützen – sprich dafür recherchieren.

    Und auch ein Meinungsbeitrag unterliegt gewissen Fairnessregeln. Angenommen, dDu bekommst einen Hinweis auf eine unglaubliche Schweinerei. Dann solltest du die nachrecherchieren. Mindestens. Fair wäre jetzt aber auch, dem Betroffenen kurz Zeit zu geben, dazu Stellung zu nehmen – und diese Stellungnahme ggfs. gleich mit zu veröffentlichen. Viele Blogger aber gerieren sich wie im Wilden Westen: Erst hängen, dann der Prozess. Das hat in meinen Augen weder Stil noch Klasse noch ist es konstruktiv oder dient der Reputation der Blogosphäre. Das heißt ja nicht, dass man sich selbst zensiert. Aber selbst Kommentare oder Meinungen bedürfen eine reifen Grundlage.

    Im Übrigen: Die meisten Blogger halten es mit den Kommentaren in ihrem Blog genauso: Wer einfach nur gegen sie poltern – unbegründet und lediglich meinungsstark – wird meist gelöscht oder als Troll gebranntmarkt. Das wird in meinen Augen leider mit zweierlei Maß gemessen.

  6. sorry, da sind noch einige tippfehler drin…

  7. Hallo Jochen,

    das ist eine wichtige Ergänzung. Wenn ein Blogger mit seinem Artikel tatsächlich schon den „Stab über jemanden bricht“, ist das nicht in Ordnung, wenn er vorher nicht ausführlich recherchiert und vorher die Gegenseite angehört hat. Hier gibt es auch tatsächlich viele Verwerfungen in der Blogsphäre.

    In den meisten Fällen greifen die Blogger aber nicht das ganze Unternehmen oder eine Person an, sondern beleuchten einen bestimmten Aspekt. Diese Chance sollte man als Betroffener nutzen und sich in die Diskussion einbringen oder sogar den Staffelstab aufgreifen und in seinem eigenen Blog weiterverfolgen. Wer hier nur „rumrotzt“, dass nicht gut recherchiert wurde, der stellt sich selber ins Abseits.

    Denn den Anspruch, dass in einem Blogartikel alle Aspekte behandelt werden, stellt der Blogger in aller Regel nicht. Umgekehrt wird es ihm aber zu häufig unterstellt oder von ihm verlangt. Mit welchem Recht? Es gibt verschiedene Medien mit verschiedenen Zielen und Ansprüchen. Mittlerweile, nachdem es Blogs schon viele Jahre gibt, verlange ich, dass der Leser differenzieren kann.

  8. was du sagst, stimmt schon. letztlich machen wir im magazin zuweilen auch nichts anderes: wir suchen uns einen bestimmten aspekt – z.b. die wachstumsstrategie eines unternehmens – heraus und analysieren den kritisch und besonders eingehend. und natürlich enthält das ergebnis der analyse immer auch die meinung des autors, denn der muss ja nach seinen recherchen zu irgendeinem schluss kommen. einerseits-andererseits-storys sind langweilig und lassen letztlich auch den leser im stich. selbst bei einem tendenzbeitrag hat er ja die möglichkeit, zu widersprechen oder anderer meinung zu sein.

    und ich bin auch ganz bei dir, dass man in eine diskussion lieber einsteigt, statt mit dem anwalt zu drohen.

    NUR: man kann mit recht den anspruch stellen, dass auch blogartikel eine faktische grundlage brauchen und idealerweise auch ein paar höflichkeitsregeln berücksichtigen. polemik kann substanz nie ersetzen. und darf es auch nicht.

    wir sind aber letztlich einer meinung. ich wollts nur nochmal betonen.

  9. […] Was unterscheidet Blog- und Zeitungsartikel? Eine wichtige Frage, wenn man Sinn und Hintergrund von Blogs genauer verstehen möchte. Burkhard Schneider hat in seinem Blog http://www.best-practice-business.de dieses Thema beleuchtet: “Warum sind Blogartikel aber mit ausführlich recherchierten Zeitschriftenartikeln nicht zu verwechseln? Ein Blogger nimmt sich pro Artikel im Durchschnitt eine Stunde Zeit (sind meine Erfahrungswerte nach Umfragen). Darin sind Recherche inbegriffen. Zudem schreiben die meisten Blogger pro Posting nur ein bis fünf Absätze. Das alles sind Gründe, warum Blogpostings meist nur einen Aspekt eines Themas behandeln können. Sehr wohl können die Leser im Kommentarfeld weitere Aspekte einbringen. Und vielleicht entwickelt sich daraus eine ganze Serie, die im besten Fall Leser und Blogautor gemeinsam schreiben. Es gilt das Motto: “Nichts muss, vieles kann‹.” Stichworte: Blog, Hintergrund, Konzept, Zeitschrift, Zeitung SHARETHIS.addEntry({ title: „Unterschiede zwischen Blog- und Zeitungsartikeln“, url: „http://www.meyer-hentschel.net/allgemein-unterschiede-zwischen-blog-und-zeitungsartikeln/“ }); […]

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