In Crowdfunding

Klaus Kramer will seine Crowdvestoren ohne Einbindung einer Crowdinvestingplattform finden

Viele denken, Crowdinvesting würde es in Deutschland erst geben, seitdem Plattformen wie Seedmatch, Innovestment und Co. an den Start gegangen sind. Das ist natürlich ein Trugschluss. Schon immer waren StartUps auf der Suchen nach Investoren und haben auch häufig den Weg der Öffentlichkeit gewählt, um diese Investoren, die ihnen bis dahin fremd waren, zu finden. Und auch in Zukunft werden StartUps Crowdvestoren im DIY-Verfahren suchen und nicht mit Hilfe von Crowdinvestingplattformen. Das kann verschiedene Gründe haben: Man wird von Crowdinvestingplattformen abgelehnt und lässt sich davon nicht einschüchtern oder man will die Kontrolle haben, wer den Business Plan zugeschickt bekommt oder, oder, oder. Ich habe Klaus Kramer, Gründer der VoiceAds Ltd. mit Sitz im hessischen Taunusstein (bei Wiesbaden) interviewt, der gerade genau solch einen Alleingang unternimmt, um an Crowdvestoren zu gelangen. Er spricht derzeit zahlreiche Blogger und Journalisten an, um sein Projekt bekannt zu machen. Hier sind die Antworten von Klaus Kramer auf meine Fragen:

  1. Beschreiben Sie bitte Ihre Geschäftsidee in drei Sätzen
    Datingbyphone ist ein auf IVR Stimmerkennung basierender Telefon Chat/Flirt Service für Menschen jeden Alters. Singles oder in Beziehungen lebende Nutzer können diesen Service rund um die Uhr nutzen, ob regional in Deutschland oder über die Grenzen hinaus in 12 europäischen Ländern. Die Benutzung eines günstigen Pre-paid Kontos gestattet simultane Live-Online Verbindungen für alle die ihren individuellen Spaß oder das Bedürfnis nach einer Unterhaltung in welche Richtung auch immer haben wollen. Siehe www.voiceadsltd.com

  2. Warum haben Sie sich konkret dagegen entschieden, Ihr Projekt über eine Crowdinvestingplattform finanzieren zu lassen. Sind Sie abgelehnt worden und welche Gründe gibt es noch?
    Die öffentliche Darstellung von Businessplänen auf externen Crowdinvesting Plattformen ist ein heikles Thema und kann unserer Meinung nach nur erreicht werden, wenn die Annäherungen und Verhandlungen einer Beteiligung individuell und nicht öffentlich im Web unter Einbindung aller Social Media, z.B. Facebook, geschehen. Unter Vorteilsabwägungen, z.B. positive Multiplikationseffekte (Projekt/Nutzer) und Nachteilsabwägungen wie z.B. Veröffentlichungen von Betriebsgeheimnissen im Web, haben wir uns letztendlich dazu entschieden, unser Projekt datingbyphone im Alleingang zu bewältigen. Nur auf diese Art können wir bis zu einem gewissen Grad sicherstellen, dass sensible Betriebsinformationen innerhalb des verifizierten Investorenkreises und uns bestehen bleiben. Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich betonen, dass es keinen 100%igen Schutz gibt, aber wir müssen im besten Interesse der Investoren und natürlich im Interesse des Projektes agieren.

  3. Wie ist Ihre Akquisestrategie? Wie suchen Sie konkret Ihre Crowdvestoren. Wen haben Sie wie angesprochen?
    Crowd Investoren sind meiner Erkenntnis nach überwiegend junge Menschen, die bewusst und risikoaffin in Startup Projekte unter dem Diversifikationsaspekt ihr Kapital einsetzen. Die meisten Rückmeldungen von Interessenten erhalten wir in der ersten Finanzierungsrunde via Crowdinvesting durch punktuell gesetzte PR-Veröffentlichungen im Internet bzw. in ausgewählten Gründer/Blog und Investoren Plattformen. Die zweite (3. & 4.) Finanzierungsrunde besteht in der direkten Ansprache von Investoren (VC & Private Equity) durch einen mit uns verbundenen Vertriebspool bzw. Finanzbroker in Deutschland und in der Schweiz.

  4. Wie hoch ist die Mindest- und Höchstbeteiligung pro Investor? Welche Summen haben die Investoren bisher investiert (kleinster Betrag, höchster Betrag)?
    Zur Zeit steht das Investment bei Euro 21.500 mit 15 Investoren. Der Minimum Betrag war Euro 500 und der Maximum Betrag war Euro 5000. Zur Zeit ist ein Investor bereit, einen 5-stelligen Betrag zu investieren, um die Runde 1 zu beenden. Die Details einer (stillen) Beteiligung sind noch in Verhandlung und kommen bis zum 31.05.2012 zum Abschluss.

  5. Haben Sie besondere Incentives für Ihre Investoren und sind diese gestaffelt nach Beteiligungshöhe?
    Je nach persönlichem Nutzungsinteresse am datingbyphone Konzept ist eine Beteiligung mit einem Benutzungskonto verbunden. D.h. eine Einlage von Euro 500 bedeutet eine kostenlose Nutzung des Service von ca. 35 Stunden reine Live Online Verbindungszeit als Mehrwert auf das Investment. Staffelungen eines zusätzlichen Mehrwerts auf die Beteiligungshöhe ergeben sich automatisch und werden individuell angeboten und vertraglich festgelegt.

  6. Wählen Sie Ihre Investoren aus den Bewerbungen aus oder nehmen Sie jeden?
    Ja, wir wählen unsere Investoren aus, genauso wie man uns auswählt. Gewisse Erfahrungen seit März 2012 haben uns gezeigt, dass eine Auswahl und eine Verifikation der Interessenten zwingend notwendig ist. Soweit es regional im Rahmen liegt und in einem entsprechenden Verhältnis zum Investmentbetrag steht, treffen wir uns mit jedem Investor persönlich, um Rede und Antwort zu stehen. Letztendlich entscheidet die Chemie mit, und dieser Faktor ist nicht unerheblich. Wir befragen grundsätzlich u.a. das „Google Orakel“ mit Bezug auf die persönlichen Daten, die wir uns von jedem Interessenten nach dem Fairplay Motto erbeten. Grundsätzliche Transparenz und Fairplay auf beiden Seiten sind die Basis für eine gute Zusammenarbeit und Due Diligence ist das A & O.

  7. Wie wollen Sie die Investoren in Zukunft mit einbinden?
    Wir sind an Investoren insofern interessiert, als dass ein Einbringen von Business Know-How parallel zum rein finanziellen Investment für alle Beteiligten von Vorteil sein kann. Das setzt natürlich ein spezielles Fachwissen in dem Bereich Dating voraus, bzw. ein Abschluss in Soziologie oder Psychologie wäre von Vorteil. Stille Gesellschafter sind Partner einer stillen Gesellschaft innerhalb einer Firma. Laut Beteiligungsvertrag ist Voice Ads verpflichtet, Bilanzen innerhalb einer vorgegebenen Zeit zu veröffentlichen und die Gesellschafter bzw. Partner über bestehende und zukünftige finanzielle und operative Transaktionen vorab zu informieren bzw. zur Wahl zu rufen. Wir haben mehrere größere Finanzierungsrunden vor, die möglicherweise die Einbindung der Investment Partner im operativen Geschäft mit vorsieht, hängt aber von deren Motivation, Qualifikationen und Berufserfahrungen ab.

  8. Wie haben Sie Ihren Unternehmenswert ermittelt, der sehr hoch erscheint. Womit begründen Sie die Höhe der Unternehmensbewertung?
    Es gibt verschiedene Bewertungsmuster, die z.B. von den IHKn , VCs und Private Equity Organisationen angeboten werden, um den Initial Value eines Startup annäherungsweise einzukreisen. Da datingbyphone als Prototyp fertig ist und wir über ein fachlich gut aufgestelltes Team verfügen sowie reputable externe Vertragspartner eingebunden sind, haben wir uns nach reiflicher Abwägung für die Stufe „Development Stage Approach“ Stufe 2-3 als Mittelwert entschieden. Siehe Webseite investopedia.com welche die Thematik in sehr klaren Worten formuliert.

  9. Was ist Ihr Vorbild bisher an Crowdinvesting-Aktionen, die sie kennen?
    Crowdinvesting als eine Alternative der Kapitalbeschaffung für Unternehmen gegenüber VC, Private Equity und klassischen Finanzierungen halte ich für eine hochinteressante gesellschaftliche Entwicklung, auch wenn sie grundsätzlich per se nicht neu ist. Ob und wie Menschen sich dafür wieder dauerhaft erwärmen werden, wird die Zeit zeigen und hängt von dem Erfolg der Projekte ab. Ich halte es eher für verfrüht, um von Vorbildern bei Crowdinvesting Aktionen in Deutschland, Schweiz, Finnland und auch in den USA zu sprechen. Es hat zwar schon mehrere erfolgreiche Finanzierungen in Deutschland gegeben, die innerhalb kürzester Zeit Euro 100K einsammeln konnten, aber diese Projekte müssen noch beweisen, inwieweit sie die Zeit von ca. 5 Jahren überdauern werden, um letztendlich sagen zu können, dass Crowdinvesting als Instrument der Kapitalanlage die neue elegante Alternative sein könnte. Ich halte es für ein zeitlich bedingtes Phänomen, dass Crowdinvestoren auf eine Trillerpfeife hin nach dem reflexartigen Pawlow’schen Verhalten in ein Projekt im Minuten/Stundentakt Euro 100K investieren, auch wenn man vorab 7 Tage Zeit hatte, den BP zu studieren und Fragen zu stellen. Crowdinvesting als geschicktes Marketing einzusetzen, um Menschen zu konditionieren nach einem zeitlich vorgegebenen Spielplan Geld zu investieren, halte ich persönlich für fragwürdig, auch wenn der Erfolg scheinbar die Mittel heiligt.

Natürlich handelt es sich bei diesem Beitrag um keine Beteiligungsempfehlung und ich bin auch nicht an obigen Unternehmen beteiligt. Vielmehr will ich aufzeigen, dass es noch andere Wege gibt, als über eine Crowdinvestingplattform Geld einzusammeln. Ich will dabei die Beweggründe herausarbeiten und die Vor- und Nachteile darstellen. Damit will ich zum einen StartUps aufzeigen, worauf man achten sollte, wenn man im DIY-Verfahren Geld einsammeln will. Auch Crowdinvestingplattformen können sich natürlich davon inspirieren lassen und ihr Angebot entsprechend erweitern oder verbessern. Denn letztlich ist aus meiner Sicht ein Crowdinvesting-Boom nur möglich, wenn dieser von Plattformen professionell begleitet wird und damit eine Skalierbarkeit ermöglicht wird. Aber es gilt auch: Wettbewerb belebt das Geschäft (zumindestens im Interesse der StartUps).

One Response to Klaus Kramer will seine Crowdvestoren ohne Einbindung einer Crowdinvestingplattform finden

  1. Klaus Kramer sagt:

    Vielen Dank fuer das Interview!

    MfG, Klaus Kramer
    Voice Ads Ltd

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