In Crowdfunding

Crowdinvestingplattform DEVEXO bietet zum Start eine Beteiligung an Lieblingsoma GmbH (MyOma) an

Der Launch der Crowdinvestingplattform DEVEXO wurde mehrfach verschoben, aber heute war es dann soweit. Und tatsächlich wird auch schon das erste Unternehmen präsentiert, an dem man sich ab sofort beteiligen kann. Es handelt sich um die Lieblingsoma GmbH, die mit auf ihrer Plattform MyOma Strickwaren verkauft, die von Omas aus dem Frankenland gestrickt wurden. Es werden in den nächsten 66 Tagen mindestens 50.000 EUR Beteiligungskapital gesucht. Obwohl das Unternehmen noch nicht den Break Even erreicht hat, wird eine freche Bewertung von 2 Mio EUR angesetzt und mit den Gewinnprognosen der Macher der Lieblingsoma GmbH begründet. Zumindestens ist das Projekt schon durch fast alle Medien gegangen, weshalb ich das Projekt hier nur kurz vorstellen brauche:

„Bei MyOma kann der Kunde sich trendige Strick- und Häkelwaren in vielen verschiedenen Farben und Mustern aussuchen. Nachdem der Auftrag eingegangen ist, wird eine Oma gefragt, ob sie die Bestellung stricken möchte. Danach fertigt die Oma das Produkt individuell für den Käufer in bester Wollqualität an. Nach spätestens 2 Wochen liegt das MyOma-Paket liebevoll verpackt mit einer Autogrammkarte „seiner“ Oma vor der Tür. Nachdem der Kunde nun weiß, welche Oma für ihn gestrickt hat, kann er auf der Internetseite auch noch mehr von „seiner“ Oma erfahren und sich ein Bild von ihr machen. Bevor das Paket allerdings verschickt wird, werden die Produkte zuvor bei MyOma auf die Qualität geprüft, gelabelt und verpackt.“

Wirklich neu ist die Idee nicht. Wir haben schon im Jahr 2007 hier im Blog über Natgranny berichtet, die genau solch ein Konzept in der Schweiz umgesetzt haben. Das Projekt wurde allerdings nach einiger Zeit aus personellen Gründen wieder eingestellt. Das zeigt, dass nicht die Idee, sondern die Umsetzung entscheidend ist. Denn MyOma macht nach eigenen Angaben schon beträchtliche Umsätze und soll in einigen Quartalen auch endlich in die Gewinnzone kommen. Zudem stünden mehr als 200 Omas in petto, die einsteigen könnten, wenn MyOma vor lauter Nachfrage überrannt werden sollte. Das Ganze wird als Social Business verkauft, obwohl eine eindeutige Gewinnerzielungsabsicht besteht.

Und welchen Eindruck macht DEVEXO. Auf den ersten Blick scheint es sich um einen „Kaltstart“ zu handeln. Es sind noch keine Investoren in das StartUp via DEVEXO eingestiegen. Es scheint so, also ob jetzt in kurzer Zeit der Medienbuzz gezündet werden soll, jetzt, wo ein konkretes StartUp nach Geld sucht. Insgesamt scheint auf der Plattform noch wenig los zu sein. Dabei baut DEVEXO künstlich Druck auf. Nur wer sich bis zum 31.7.2012 bei DEVEXO anmeldet, erhält ein Jahr die Premiummitgliedschaft im Wert von 99 EUR pro Jahr kostenfrei. Und nur als Premiummitglied soll man in die StartUps investieren können und die zahlreichen Kommunikations- und Networkingtools nutzen können. Das macht mich skeptisch, ob DEVEXO hinsichtlich der Investorenzahl explosiv und nachhaltig in den nächsten Monaten wachsen wird.

Womit will Devexo nun punkten? Die Networkingfunktionen überzeugen aufgrund des Pricings nicht. Folgende Aussage begeistert auch nicht: „DEVEXO | Deutsche Venture Exchange erbringt Finanzdienstleistungen als vgV??? eines, nach § 32 KWG regulierten Finanzdienstleistungsinstituts. Dies schafft Transparenz und vor allem Rechtsicherheit für Investoren und Gründer/Unternehmer.“ Waren die Banken nicht auch alle von der BAFIN überwacht worden und hat uns das vor der Finanzkrise verschont? Bleibt nur noch die Aussage übrig, dass Investments bis 20 Mio EUR via DEVEXO realisiert werden sollen. Geworben wird mit den Corporate Finance Know How der Gründer. Bleibt die Frage, ob es dafür eine Crowdinvestingplattform braucht? Zwischenfazit: Derzeit bleiben mehr Fragen unbeantwortet, als dass sich hier (bisher) Begeisterung entwickeln könnte.

4 Responses to Crowdinvestingplattform DEVEXO bietet zum Start eine Beteiligung an Lieblingsoma GmbH (MyOma) an

  1. Lukas Dopstadt sagt:

    Der Businessplan von MyOma ist leider ziemlich dünn. Es fehlen konkrete und belastbare Zahlen. Wie es scheint reicht es als Zielgruppe LOHAS zu schreihen und das war es dann. Nach dem Lesen des Businessplans war ich recht erschrocken wie rudimentär dieser ist. Für eine Investmententscheidung reichen die Informationen nicht aus, bzw. schrecken deutlich ab.

  2. Ketzer sagt:

    Ich sag nur 3440 gekaufte „likes“ auf FB????

  3. […] Diese Geschäftsidee zeigt, dass man viele Widerstände überwinden kann, wenn man gründlich recherchiert und viele Unterstützer hat. Und die Idee zeigt, dass es viele Wege gibt, Backwaren herzustellen, ohne Bäckermeister zu sein. Einen anderen Weg habe ich im Januar hier im Blog beschrieben (Kuchbäcker Eduard Razum aus Frankfurt). Und die Idee zeigt, dass es viele Wege gibt, um SeniorInnen aktiv einzubinden. Schon vor sieben Jahren habe ich über die strickenden Omas von Netgranny hier im Blog berichtet, Jahre später über myoma. […]

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