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Gibt es nach der Crowdfunding-Reform in Österreich jetzt einen Crowdinvesting-Boom?

Wie in Deutschland dürfen auch in Österreich StartUps und Unternehmen maximal 100.000 EUR Beteiligungskapital pro Projekt einwerben, ohne verpflichtet zu sein, einen von Wirtschaftsprüfern genehmigten Prospekt auflegen zu müssen. Da die Erstellung und Prüfung solch eines Prospektes schnell 25.000 EUR kosten kann, war es bisher für StartUps in Österreich unwirtschaftlich, Beteiligungskapital von 100.000 – 500.000 EUR pro Projekt einzuwerben. Durch zahlreiche Protestaktionen, wie die vom Crowdfunding-Rebell Heinrich Staudinger, ist jetzt Bewegung in die Thematik gekommen:

Nach monatelangen Verhandlungen haben sich SPÖ und ÖVP am Freitag im Parlament auf die neue Prospektgrenze von 250.000 Euro geeinigt. Für viele ist das allerdings ein zu fauler Kompromiss. Die Wirtschaftskammer Österreich forderte zu Beginn eine Anhebung der Prospektgrenze auf fünf Millionen EUR. Zuletzt forderte sie mindestens 750.000 EUR. Die Hoffnung bestand deshalb darin, dass sich die Politiker zumindestens auf eine Grenze von 500.000 EUR einigen würden. Falsch gedacht. Ein positives hat allerdings o.g. Entscheidung: Crowdinvesting ist jetzt auch in Österreich in aller Munde.

Und die ersten Crowdinvestingplattformen in Österreich versuchen davon mit besonderen Werbeaktionen profitieren zu wollen, wie der Standard jüngst berichtet: „Auf der Mariahilfer Straße im sechsten Wiener Gemeindebezirk schwärmen die jungen Mitarbeiter der Crowdfunding-Plattform Conda bereits aus. Auf Flyern wird um die Finanzierung von Wohnwagons geworben. Kleinanleger können zwischen 100 und 3000 Euro investieren, die Rendite soll bei jährlich vier Prozent liegen.“

Die Hoffnung vieler Kapitalsucher ist, dass die Prospektgrenze in naher Zukunft doch noch deutlich erhöht werden könne. Konkret wollen die österreichischen Politiker untersuchen, ob die Prospektgrenze bei KMU´s, Gemeinden und NGO´s nicht doch vielleicht auf 750.000 EUR erhöht werden könnte, so wie es die Wirtschaftskammer gefordert hat. Ob allerdings dann auch die Crowdinvestingplattformen in Österreich jubeln können, hängt davon ab, welche neuen Regeln für diese Plattformbetreiber bis dahin entschieden wurden. Denn diese Baustelle ist bisher noch nicht eindeutig geschlossen.

Aber selbst dann wird der Crowdfunding-Rebell Heinrich Stauding wohl immer noch von „Peanuts“ sprechen. Staudinger hat für seine Schuhfabrik insgesamt Privatdarlehen von 3 Mio. EUR eingeworben, insbesondere um auch von wankelmütigen Bankern unabhängig zu werden. Dieses Vorgehen wurde dem Rebell allerdings von der österreichischen Finanzmarktaufsicht untersagt. Mit einer Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof ist er jüngst gescheitert. Und sein neue Gesetzesvorschlag ging auch noch nicht durch. Die ganze Background-Story über Staudinger könnt Ihr hier nachlesen.

Quelle der Graphik: Seedmatch

2 Responses to Gibt es nach der Crowdfunding-Reform in Österreich jetzt einen Crowdinvesting-Boom?

  1. Tom sagt:

    Man kann sich schon fragen – auch in Deutschland – wer schützt eigentlich wen? Der Gesetzgeber die Banken oder die „Crowds“ ? Betrachtet man die jährliche Kapitalvernichtung durch gesetzl. geregelte „Beteiligungen“ – z.B. Schiffsfonds – wird die Antwort auf die Frage eigentlich einfach – oder ? Warum beim Crowdfundig eine Schutzbedürftigkeit über die „Beteiligungshöhe“ reglementiert wird, frag ich mich auch. Bei Beteiligungen von 200 Euro – kann man doch getrost unterstellen, die patriachischen Darlehen oder stillen Beteiligungen versteht eh keiner von diesen Investoren – von den Bussinesplänen will ich gar nicht sprechen. Verkauft wird meißt ein „Vision“ – die kann klappen oder eben mal nicht – bei den Summen, je eingesetztem Kapital, eines „Investors“ ein überschaubares Risiko – und ein Vorteil hat das Crowdfunding – Viele von den „Investoren“ sind oft schon mal Kunden und empfehlen – das kann das Risiko mindern….kann – muss nicht :-)!

  2. Ist schon interessant was sich hier auftut. Bin auf das Crowdinvesting in Österreich gespannt, wie sich das entwickelt. Danke für den Artikel! Grüße

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