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In Mutmacher, V - Erfolgsfaktoren

Was mir am Skateboard-König und Gründerpreis-Sieger Titus Dittmann besonders imponiert

Titus Dittmann ist nicht nur ein „bunter Vogel“, er ist eine echte „Type“. Lange bevor die Erfolgsbuchautoren Alexander Osterwalder und Yves Pigneur den Spruch „Burn your BusinessPlan“ geprägt haben, hat Titus Dittmann den Ausspruch „Vergiss BusinessPläne“ geprägt. In einem sehr guten sechsseitigen Wiwo-Artikel über seine Erfolgsgeheimnisse gibt er Gründern folgenden Tipp: „Wer die Welt erobern will, muss träumen. Businesspläne dagegen sind Schwachsinn. Wer sich nur an starren Zielen orientiert, kann sie nie übertreffen. Spring lieber durchs Fenster, wenn es auf ist, statt darauf zu warten, wenn dein Langfristplan es vorsieht – das spart viele Scherben.“ Aus diesem kurzen Text kann man herauslesen, dass Titus sein Leben „lebt“, und keine Höhen aber auch keine Tiefen auslässt, die das Leben zu bieten hat.

Vielleicht weil er so aus dem Rahmen fällt, hat sich die eher konservative Jury des Deutschen Gründerpreises dafür entschieden, Titus Dittmann in diesem Jahr zu ehren und zwar mit folgenden Worten: „Der Preisträger ist Gründer von rund 100 Unternehmen, einer humanitären Stiftung sowie „Vater“ der deutschen Skateboardszene. Titus Dittmann hat bislang fast 100 Unternehmen ins Leben gerufen – darunter die dittmann GmbH und die titus GmbH, die heute europäischer Marktführer beim Handel mit Skateboards und Zubehör ist. Die Auswahljury verlieh Titus Dittmann den Sonderpreis des Deutschen Gründerpreises, weil „der Seriengründer selbst bei schwersten Krisen niemals aufgegeben hat und ein Vorbild für alle Gründer ist“. Sie lobten „den Unternehmergeist, die authentische Persönlichkeit und das Engagement“ des 64-Jährigen, der die Jugendkultur seit den 1980er-Jahren mitgeprägt hat. Er organisiert Sportevents, unterstützt Jugendliche in Krisengebieten und macht Mut, als Unternehmer seinen eigenen Weg zu gehen.“

Neugierig geworden? Wollt Ihr mehr über diesen Ausnahmeunternehmer erfahren? Gerne! Über Titus Dittmann wurde schon wahnsinnig viel geschrieben, so dass jeder die Möglichkeit, sich näher mit ihm zu beschäftigen. Neben dem o.g. Wiwo-Artikel seien da u.a. der Wikipedia-Eintrag (wirklich sehr, sehr lesenswert) sowie ein älterer BrandEins-Interview-Artikel zu nennen. Deutlich tiefer könnt Ihr gehen, wenn Ihr das im Jahr 2012 erschienene Buch Brett für die Welt: . Mit einem Vorwort von Hajo Schumacher durchlest. Wenn Ihr lieber Videos anschaut, empfehle ich Euch das folgende Video, in dem Titus vor Studenten spricht und in 30 Minuten vedammt viel über sich und das Unternehmertum verrät. Und einen Kinofilm gibt es auch schon über ihn.

Weil es so viel über Titus zu lesen und zu sehen gibt, will ich hier nicht noch einmal sein Leben Revue passieren lassen (das haben andere schon sehr gut gemacht). Ich will nur ein paar Punkte seines Lebens beleuchten, die vielleicht sonst zu kurz kommen. So hat mich fasziniert, wie Titus sein Unternehmen aufgebaut hat. Viele Jahre hat offiziell seine Frau die Geschäfte geführt, weil er als Lehrer nicht nebenberuflich selbständig sein durfte. Erst als das Geschäft boomte, entschied er sich, ins dann nicht mehr so kalte Wasser zu springen. Das scheint zu dem sonst so wagemutigen Titus nicht zu passen, aber aus meiner Sicht ist es eher klug als dumm, erst „das Wasser aufzuwärmen, bevor man reinspringt“. Diese Vorsicht prägte auch seine nächsten Unternehmerjahre. So bestellte er bei den Herstellern in den USA nur so viele Skateboards, wie seine Kunden bestellten. Er verzichtete damit zwar auf Mengenrabatte, sparte aber Lagerkosten, musste kein großes Warenlager vorfinanzieren und konnte jederzeit auf neue Trends aufspringen, ohne erst die alter Ware verramschen zu müssen.

Auch im Marketing ging er ungewöhnliche, eigene Wege (für die damalige Zeit), anstatt sich von Werbeagenturen ein teures, angepasstes Konzept erstellen zu lassen. So entschied er sich, Eventmarketing zu betreiben und erfand die Münster Monster Matership, die schnell zur inoffiziellen Weltmeisterschaft für Skateboarder avancierte. Auf diesen Veranstaltungen zeigte aber Skateboarder nicht nur Kunststücke, sondern es traten auch viele Musikkünstler bei der Veranstaltung auf. So kombinierte Titus zwei erfolgreiche Veranstaltungskonzepte miteinander. Genauso machte er es mit seinem „MAGALOG“, einer Mischung aus Katalog und Magazin. Der Begriff hat es nicht nur ins Lexikon geschafft, sondern Titus hat damit einen ganz neuen Kommunikations- und Vertriebsweg erfunden, der heute fast schon zum Standardreportoir vieler ECommerce- und Versandhäuser gehört. Er war häufig unkonventionell und erfolgreich, wahrscheinlich, weil die Unkonventionalität bei ihm keinen Selbstzweck hatte.

Aber Titus Dittmann kennt nicht nur Erfolge, aber musste auch einige existentielle Krisen durchmachen, wie in Wikipedio anschaulich bescchrieben ist: „Als der erste Skate-Boom Ende der 1980er-Jahre abebbte, geriet das Unternehmen in die Krise. Dittmann entschied sich 1994 für einen Neubeginn. Aus dem Großhandel machte er ein verzweigtes Unternehmensnetzwerk, das verstärkt auf Einzelhandel, Versand und Franchising setzt. Zudem gründete er Medien- und Eventagenturen und baute Joint Ventures für Logistik- und IT-Systeme auf. 2002 betrieb die Titus AG bundesweit 30 Läden, beschäftigte rund 500 Mitarbeiter und erzielte nach eigenen Angaben 75 Millionen Euro Jahresumsatz. Im Jahr 2002 geriet die Titus AG in eine existentielle Krise. 2007 schaffte es Dittmann, zusammen mit seiner Frau, ohne Berater und Aktionäre die Krise zu überwinden und die Titus AG zu sanieren. Die „Titus AG“ wurde in die „Titus Dittmann GmbH“ und anschließend in die „Dittmann GmbH“ umfirmiert. Alle weiteren Firmen der Titus Unternehmensgruppe wurden zu einer Firma der „Titus Mailorder GmbH“ verschmolzen, welche später in „titus GmbH“ umbenannt wurde.“

Mittlerweile hat sich Titus Dittmann aus dem operativen Geschäft des Unternehmenimperiums zurückgezogen und überlässt seinem Sohn die Geschicke. Trotzdem mischt er noch kräftig mit, aber nicht mehr als CEO. Zudem widmet er sich ganz anderen Themen, wofür er früher wenig Zeit hatte. Jetzt repariert, verkauft und vermietet er für sein Leben gern „Ami-Schlitten“. Noch mehr ans Herz gewachsen ist ihm seine Stiftung „Skate aid“. Dazu schreibt er auf der Webseite: „Als wir 2008 eine Initiative in Kabul unterstützten, wurde mir noch mal ganz deutlich, wie ideal das Skateboard auch in Krisengebieten einsetzbar ist. Nach meiner ersten Afghanistan-Reise war mir klar: Ich will dran bleiben und noch mehr bewegen. Mit skate-aid nutzen wir jetzt die Kraft des Skateboards und unser ganzes Potenzial, um den Kindern und Jugendlichen in Krisengebieten Hoffnung auf vier Rollen zu bringen. In Afghanistan, Tansania, Uganda, Kenia, Costa Rica – und weiterhin bei der Arbeit in Deutschland.“

7 Responses to Was mir am Skateboard-König und Gründerpreis-Sieger Titus Dittmann besonders imponiert

  1. Hallo Herr Dahlmann,

    danke für die Ergänzungen. Habe nur auf das Interview verlinkt, weil aus meiner Sicht am aussagekräftigsten.

    Gruss

    Burkhard Schneider

  2. Jutta Reinke sagt:

    Lieber Herr Dahlmann, schön zusammengefasst haben Sie, woran viele Journalisten sich immer wieder versucht haben.

    Ein Buchstabe ist an einer wichtigen Stelle allerdings verrutscht:
    Das durch Titus kreierte Print-Produkt ist der „Magalog“ (nicht Megalog) – eine Symbiose aus MAGAzin und KataLOG. Wie Titus gerne erklärt: „Katazin hätte sich scheiße angehört“.
    Wobei Megalog retrospektiv natürlich auch ein sinnhafter Titel gewesen wäre.

    Herzlich, Ihre Jutta Reinke (PR-Wegbegleitung Titus Dittmann)

  3. Liebe Frau Reinke,
    an welcher Stelle denn genau? Ich finde nur die richtige Schreibweise ….
    Schöne Grüße
    Frank Dahlmann

  4. Jutta Reinke sagt:

    Hier, lieber Herr Dahlmann:
    „Genauso machte er es mit seinem “Megalog”, einer Mischung aus Katalog und Magazin.“

    Besten Gruß, Jutta Reinke

  5. Hallo Frau Reinke,

    in meinem Text oben hat sich auch der Fehlerteufel eingeschlichen. Danke für den Hinweis. Habe ich gleich korrigiert.

    Gruss

    Burkhard Schneider

  6. […] hat eine ganz besondere Geschichte zum Thema Skateboard, denn der Gründer Titus Dittmann gilt als der Skateboard-Pionier in Deutschland und hat damals die ersten Skateboards importiert. […]

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