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Lessons Learned: Fab.com Gründer nennt 16 Erfolgsfaktoren, um Krisen zu vermeiden

Vor zwei Jahren habe habe ich eine Übersicht der Internet-StartUps präsentiert, die am schnellsten eine Mio Mitglieder / Nutzer generieren konnten. Dazu gehörte und gehört der ECommerce-Star Fab.com. Dabei sah es zu Beginn der Ursprungsidee gar nicht so rosig aus, wie ich im Artikel „Es ist keine Schande, sich neu zu erfinden“ erläutert habe: „Am Anfang sah es aber für die Gründer Jason Goldberg und Bradford Shellhammer gar nicht so rosig aus. Denn ihre erste Geschäftsidee, ein Social Network für die Gay-Community, entwickelte sich hinsichtlich der Mitgliederzahlen nicht so, wie es die Gründer erwartet haben. Und dabei sah es am Anfang so gut aus, weil die Gründer für Ihre Idee sogar Venture Capital in Millionenhöhe einsammeln konnten. Aber die Idee sollte einfach nicht zünden. Und da kam die Idee, das Business komplett neu zu erfinden. Aus fabulis wurde fab und aus einer Gay-Community ein Shopping-Club für Designprodukte.“

Nach diesem „Relaunch“ schien es nur noch die Regel: „The sky is the limit“ zu geben. Fab.com wuchs enorm schnell, baute in verschiedenen Ländern neue Büros aus, konnte erfolgreich neu Kapital einsammeln und der Firmenwert wurde in der Spitzenzeit auf über 1 Mrd USD geschätzt. Doch auf einmal kam der Erfolgsmotor „ins stottern“. Allein im deutschen Büro wurden mehr als 100 Mitarbeiter entlassen, weltweit 300 von 700 Mitarbeitern. Zudem wurde das Produktangebot wieder zurückgeschraubt. Erst vor kurzem wurde verkündet, dass in Europa zukünftig nur noch eigene Designprodukte angeboten werden würden. Damit entfernte man sich zumindestens hier in Europa von der Idee, größter Marktplatz für Designprodukte zu werden.

Und jetzt? Jetzt zieht der Gründer Goldberg im Rahmen eines sehr ausführlichen Postings Bilanz. Das ist besonders spannend, weil er jetzt auch negative Erfahrungen sammeln konnte. Schon vor Jahren zog er im Artikel „90 Things I’ve Learned From Founding 4 Technology Companies“ Zwischenbiland, aber damals war auch die Ausgangssituation eine andere. Hier Goldbergs Lessons Learned aus 2013:

1. Ein StartUp erfolgreich zu machen ist harte Arbeit: Es ist einfach sehr schwer, etwas zu machen, was vorher noch niemand getan hat. Es gibt Gegenwind, wenn man etablierten Firmen das Geschäft abgräbt. Es ist schwer, das Kundenverhalten zu ändern. Es ist noch schwerer, die Mitarbeiter aus ihrer Komfortzone zu locken. Deshalb ist es wichtig, monatlich Bilanz zu ziehen, um Schieflagen sofort zu korrigieren.

2. Bleibe Herr Deines Schicksals: Cash ist King: Das wertvollste Kapital des Unternehmers ist die Zeit. Mit genug Zeit kann man alle Herausforderungen lösen. Aber, um Zeit zu haben, muss man genug Geld für Gehälter, Miete, Investitionen und andere Ausgaben haben. Kommen Sie nie in die Situation, verzweifelt nach frischem Geld zu betteln. Deshalb wurde im letzten Jahr bei Fab.com konsolidiert, um nicht in diese Situtation in Zukunft zu geraten.

3. Delegiere, ohne Dich der Verantwortung zu entziehen und unterstütze Deine Mitarbeiter, wo Du kannst: Es ist richtig, Menschen einzustellen, die bestimmte Aufgaben besser beherrschen als der Chef. Es ist allerdings ein Fehler, sie tun zu lassen, ohne ihnen Vorgaben zu geben, mit ihnen regelmäßig zu kommunizieren und ihnen Feedback zu geben. Ganz wichtig ist, regelmäßig bei den Mitarbeiter vorbei zu schauen, um ihnen zu zeigen, wie wichtig Sie für den Erfolg des Ganzen sind. Das ist ganz besonders wichtig in Krisensituationen.

4. Als CEO bist Du an allem letztlich selbst Schuld, weil Du den Ton angibst: Gebe in einer Krise nicht den anderen Schuld, denn Du als CEO bist dafür verantwortlich. Du gibst den Ton und die Ziele vor. So war der Fehler von Goldberg, „um jeden Preis wachen zu wollen“, um eine Mrd. USD Firmenwert zu erreichen und um den Geldgebern zu gefallen bzw. möglichst günstig Geld einzusammeln. Damit ist Fab.com einen Irrweg gegangen, der vom CEO korrigiert werden musste und von keinem anderen.

5. Verliere Deine „Mission“ nie aus den Augen und steuere dagegen, falls es passiert ist: Die Fab-Missin ist, das Leben der Menschen mit Design zu verschönern / verbessern. In der „unkontrollierten“ Wachstumsphase wurde diese „Mission“ aus den Augen verloren, in dieser Phase ging es nur darum, möglichst viel Umsatz zu machen. Howard Schulz erläutert in seiner Biographie, wann ihm klar wurde, das Ruder umzureißen: „Dieses Geschäft riecht nicht wie ein Starbucks, es riecht nach Essen. Ein Starbucks soll aber wie Kaffee riechen.“ Darauf hin kehrte er zu seiner „Mission“ zurück.

6. Sei nicht so viel abwesend: Einer der größten Fehler in der „unkontrollierten Wachstumsphase“ war, dass Goldberg zu viel unterwegs war und sich zu wenig im eigenen Unternehmen aufhielt. Es ist zwar wichtig, sein Unternehmen den Investoren, Kunden, Presse und der Öffentlichkeit zu erklären und schmackhaft zu machen. Noch wichtiger ist es aber, für seine Mitarbeiter da zu sein. Es ist wichtig, Zeit zu haben, um seinen Mitarbeitern zuzuhören und mit ihnen zu kommunzieren.

7. Ein nichtbörsennotiertes Unternehmen hat viele Vorteile, nutze diese Vorteile aber auch: Ein nichtbörsennotiertes Unternehmen ist nicht verpflichtet, jede wichtige Information der Öffentlichkeit mitzuteilen. Deine Konkurrenten müssen nicht wissen, was Du vorhast. Die Wirtschaftspresse muss nicht wissen, was Du vorhast. Es ist häufig besser, öfters den Mund zu halten. So war der größte Fehler von Goldberg, Umsatzprognosen öffentlich zu machen. Auf einmal wurde er „Sklave“ seiner Prognosen. Dabei wäre das gar nicht nötig gewesen. Er wurde dazu nicht gezwungen.

8. Hole Dir Rat von Mentoren und anderen Experten ein:
Goldberg bezeichnet es als großes Glück, regelmäßig mit drei Mentoren zu chatten, um sich auszutauschen. Besonders hilfreich empfindet er den Ratschlag von Mentoren, die ihnen schon lange begleiten. Denn die können die aktuelle Situation am besten einordnen und wissen auch, wie sie es dem Ratsuchenden am besten vermitteln sollen. Weiterhin ist wichtig, dass die großen Geldgeber Mentoren sind und dass man eine gute Durchmischung bei seinem Mentorenteam hat. Zudem ist es für Goldberg sehr hilfreich, dass er zweimal im Monat eine Coach-Session hat. Nicht alles will man gleich mit Externen teilen.

9. Bleibe in Form. Egal wie gestresst Du bist: Zu diesem Thema gibt Goldberg keine weiteren Ratschläge. Aber dafür gibt es auch vielleicht andere Experten, die mehr dazu sagen können. Ich persönlich halte es für keinen Zufall, dass viele Führungskräfte einen Personal Trainer engagieren. Der hilft einem dabei, den inneren Schweinehund zu überwinden und immer am Ball zu bleiben. Das Investment in regelmäßiges Fitnesstraining zahlt sich schnell aus, weil man leistungsfähiger ist als ohne.

10. Esse gesund. Egal wie gestresst Du bist: Auch zu diesem Punkt gibt Goldberg keine Ratschläge, analog zum letzten Punkt. Ich persönlich weiß nur, dass auch in diesem Punkt Personal Trainer häufig weiterhelfen, weil sie wissen, dass es fast nichts bringt, wenn der Kunde regelmäßig Sport treibt, aber sich nicht gesund ernährt. Dadurch wird die persönliche Leistungsfähigkeit ebenfalls stark beeinträchtigt.

11. Nehme Urlaub und zwar regelmäßig: Verbringe genug Zeit mit Deinem Partner, Familie und Freunden. Dort kannst Du wieder auftanken. Es hilft gar nichts, wenn man mürrisch ins Büro kommen. Gold empfiehlt seinem Team, eine Woche pro Quartal Urlaub zu nehmen. Wichtig sei aus seiner Sicht, regelmäßig abzuschalten. In der Zeit haben auch die anderen Mitarbeiter größere Freiheiten, die sie oft positiv nutzen. Zusammengefasst: Work-Life-Balance ist kein Modewort, sondern Notwendigkeit.

12. Eigenlob stinkt: Mache andere nicht zu häufig auf Deine Erfolge aufmerksam. Eigenlob stinkt. Investiere diese Zeit lieber, um weiterhin erfolgreich zu bleiben. Nachhaltiger Erfolg ist viel mehr Wert als kurzfristiger Erfolg. Und sorge dafür, dass andere über Deinen Erfolg sprechen, nicht Du selbst. Denn ansonsten „schlachten Sie Dich“, wenn Du in eine Krise kommst.

13. Halte den Mund: Das gilt vor allem auch aus Sicht des Kunden. Den Kunden interessiert die Meinung des CEO viel weniger als die Qualität der Produkte, die Fab.com anbietet. Deshalb konzentriere Dich darauf, Deine Kunden glücklich zu machen, als sie mit Nebensächlichkeiten zu nerven.

14. Coache Deine Mitarbeiter: Ein guter Chef ist immer auch ein guter Coach. Ein guter Coach hilft nicht nur seinen Mitarbeitern, besser zu werden, sondern es macht auch einen persönlich glücklich, wenn man sehen kann, wie die Mitarbeiter durch die Hilfe des CEO immer besser werden.

15. Mach nicht irgendwas, mach Deine Arbeit: Verliere Dich nicht zu sehr in den Einzelheiten. Delegiere Arbeit, die andere besser machen können. Und höre auf, Dinge zu machen, Die nicht zu Deinem Aufgabenbereich gehören, wie z.B. über die nächsten Produkteinführungen im Blog zu schreiben. Das heißt nicht, nicht mit der Außenwelt zu kommunizieren, aber sich auf dass zu konzentrieren, was die Aufgabe des CEO ist.

16. Gebe niemals, niemals, niemals auf: Ignoriere die Neinsager. Fokussiere Dich. Führe. Gehe sorgsam mit deinen und den Ressourcen anderer um. Die Zeit ist das kostbarste Gut, für Unternehmer, Mitarbeiter und Kunden. Denken Sie daran, jeden Tag. Kurz gesagt: Bleibe ausdauernd und widerstandsfähig. Resilienz ist das Gebot der Stunde.

5 Responses to Lessons Learned: Fab.com Gründer nennt 16 Erfolgsfaktoren, um Krisen zu vermeiden

  1. Heiko sagt:

    Das sind ganz schön viele Faktoren die hier eine Rolle spielen. Ich finde den letzten Standpunkte mit am wichtigsten. Das man nie aufgeben soll. Egal was passiert. Der gleichen Meinung bin ich auch. An das Essen und in Form halten kann ich mich auch noch 🙂 Allerdings bin ich manchmal etwas müde und damit abwesend. Ich denke es gibt aber schlimmeres

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