In V - Existenzgründung

Start Up Weekend als Vorgeschmack für zukünftige Gründungsevents

Vor knapp drei Wochen habe ich hier im Blog über das erste Start-Up-Weekend in Boulder (6.-8.7.2007) und das geplante Start-Up-Weekend am 22.23.09.2007 in Hamburg berichtet. Seit dem letzten Posting hat sich eine Menge getan. So sind neben Hamburg bereits Start-Up-Weekends in Toronto (September 14-16), NYC (September 21-23), Houston (September 28-30), West Lafayette (October 12-14), Boston (October 19-21), DC (October 26-28), Austin (TBA), San Fransisco (TBA) und Seattle (TBA) geplant. Die Idee scheint sich zum absoulten Exportschlager zu entwickeln. Wenn ich überlege, wie lange es gedauert hat, bis das erste Barcamp hier in Deutschland stattgefunden hat, dann hat der „Ideentransfer“ jetzt richtig Fahrt aufgenommen.

Vieles steht und fällt bei der Organisation solch einer Veranstaltung mit dem Orga-Team und dem „Head of Orga“. Und hier scheint mit Cem Basman der richtige Macher an der Spitze zu stehen. Er hat immer ein offenes Ohr, weiß aber genau, dass solch ein Event nur mit straffer Hand geführt werden kann und man sich bei diesem straffen Zeitplan nicht in hundert Details verlieren darf. Meine Erfahrung ist, dass die Führung umso straffer sein muss, umso größer die Gruppe ist. Bis jetzt gibt es fast 200 Anmeldungen. Damit stehen die Chancen gut, die Benchmark von 70 Teilnehmern in Boulder zu toppen, aber das Handling wird auch immer schwieriger. Schliesslich soll an dem Wochenende tatsächlich die Idee festgelegt und das Unternehmen rechtlich und operativ gegründet werden. Zudem sind die Organisatoren auf der Hut, dass das Event nicht schon vor derem Stattfinden zerredet wird.

Sehr gut kann man die „Handschrift“ vom Cem Basman im Xing-Forum erkennen. Cem scheint schon viel Projektmanagementerfahrung zu haben. Wer die Dynamik der Diskussion erleben will, sollte deshalb in diesem Forum öfters vorbeischauen. Auch das dazugehörige Blog ist eine hilfreiche Informationsquelle für alle, die neugierig sind, wie sich dieses „Experiment“ schon im Vorfeld des Events entwickelt und welche Gedanken sich die Macher konkret machen. Das Wiki zu der Veranstaltung ist noch nicht so aussagekräftig, kann aber sicherlich noch eine wichtige Infoquelle werden.

Ich will an dieser Stelle gar nicht so viele gute Ratschläge geben. Sehr wohl mache ich mir aber Gedanken über verschiedene Szenarien, die entweder an diesem oder einen der nächsten Events dieser Art vorstellbar sind:

  1. Alle Teilnehmer gründen an dem Wochenende ein gemeinsames Unternehmen im Rahmen eines Closed-Shops
    Hier besteht die Gefahr, dass man Top-Leute nicht mehr zulässt, die an dem Wochenende keine Zeit haben, sehr wohl aber einen wertvollen Input geben könnten. Weiterhin grenzt man all diejenigen aus, die sich mit der vorgeschlagenen Geschäftsidee nicht identifizieren können. Zudem kan die Entscheidungsfindung bei satzungsrelevanten Entscheidungen in Zukunft schwierig werden. Und wie sollen eigentlich die geschäftsführenden Gesellschafter voll Power geben, wenn sie nicht mindestens 51 % der Stimmen inne haben?
  2. Die Teilnehmer teilen sich in verschiedene Gruppen auf und gründen mehrere Unternehmen
    Diesem Szenario kann ich persönlich am meisten abgewinnen. Denn damit könnten fast alle meine Bedenken des 1. Szenarios gelöst werden. So könnte man z.B. auch noch bis zu einer bestimmten Frist nach dem Weekend neue Gesellschafter oder Partner aufnehmen. Natürlich würde sich dadurch alles zersplittern und man könnte nicht mehr ganz so viel „Power auf die Straße bringen“. Zudem könnte es um einen Wettkampf um die besten Köpfe geben. Und auch die VC´s hätten vielleicht die Qual der Wahl.
  3. StartUp Weekends als Pitchplattform für junge Start Ups
    Vielleicht entwickeln sich die StartUp-Weekends noch in eine ganz andere Richtung. Somit könnten z.B. StartUp-Teams, die noch Teammitglieder, Mentoren und Ideeninput brauchen, solch eine Veranstaltung nutzen, um die Geschäftsidee zu „polieren“ und das Team zu komplettieren. Natürlich müsste es dann klare Spielregeln geben, um daraus keinen türkischen Basar zu machen. Ich kenne zahlreiche Leute, die gerne einem kleinen Team helfen und es auch regelmäßig betreuen würden, wenn sie dafür eine faire Entlohnung in Form von Anteilen oder Gewinnbeteiligungen erhalten würden.

Es gibt auch noch viel mehr Szenarien. So kann die Idee schon vorher festgelegt werden oder erst auf dem Event, wie das in Hamburg geplant ist. Und warum sollte es nicht auch bald ein virtuelles Start Up Meeting im Second Life geben? Daran sieht man schon, dass die Variationsmöglichkeiten der StartUp-Weekends fast unendlich sind und jeder. Jeder, der also mit dem Vorgehen von Cem nicht einverstanden ist, sollte nicht schmollen, sondern selber ein solches Event starten. Dass Bessere ist immer der Feind des Guten 🙂

Schon vor mehr als drei Jahren habe ich zusammen mit Robert Basic über eine virtuelle Plattform diskutiert, innerhalb derer StartUps gegründet werden könnten. Wie ich jetzt sehe, ist diese Vision nicht mehr weit entfernt. Ich selber überlege jetzt selber einmal, wie man solch eine Idee im Rahmen der AUFSCHWUNG-Messe oder vorher oder nach umsetzen könnte.

7 Responses to Start Up Weekend als Vorgeschmack für zukünftige Gründungsevents

  1. Cem Basman sagt:

    Burkhard, vielen Dank für deine sehr wohlwollenden Worte. ich hoffe, wir werden der sache gerecht. Du beschreibts verschiedene Szenarien, was daraus werden kann. Eines davon, „StartUp Weekends als Pitchplattform für junge Start Ups“, halte ich für besonders interessant. Es gibt so etwas ähnliches schon seit kurzem: „Ignite“ genannt. Ich möchte sehr gerne diesen Weg weitergehen. SW soll eine Plattform und Startrampe werden für unterschiedliche Ideen…

  2. […] Zukunft: Public Pitching? Burkhard Schneider schreibt in seinem Blog best-practice-business.de über einige mögliche Zukunftsperspektiven von StartupWeekend. Eine der drei Optionen gefällt mir besonders gut: StartUp Weekends als Pitchplattform für junge Start Ups Vielleicht entwickeln sich die StartUp-Weekends noch in eine ganz andere Richtung. Somit könnten z.B. StartUp-Teams, die noch Teammitglieder, Mentoren und Ideeninput brauchen, solch eine Veranstaltung nutzen, um die Geschäftsidee zu “polieren‹ und das Team zu komplettieren. Natürlich müsste es dann klare Spielregeln geben, um daraus keinen türkischen Basar zu machen. Ich kenne zahlreiche Leute, die gerne einem kleinen Team helfen und es auch regelmäßig betreuen würden, wenn sie dafür eine faire Entlohnung in Form von Anteilen oder Gewinnbeteiligungen erhalten würden. […]

  3. Hallo Cem,

    als jemand, der seit über zehn Jahren in der Gründerszene Frankfurt aktiv ist und noch die wilden Zeiten der First Tuesdays live miterlebt habe, bin ich von Deiner Power und dem konkreten Vorgehen begeistert.

    Ich selber bin mitbeteiligt daran, dass wir endlich im letzten Jahr eine Gründermesse mit knapp 2.000 Teilnehmern in Frankfurt auf die Beine gestellt haben, um endlich ein großes jährliches Event für Entrepreneure in Frankfurt anbieten zu können. Mit der Bloggerlounge haben wir dreißig Top Business Blogger nach Frankfurt lotsen können. Für neue, innovative Ideen und spannende Kooperationen sind wir immer offen.

  4. […] Mal schau´n, ob meine Fragen noch von anderen berichtenden Bloggern beantwortet werden und wie es jetzt auch mit Edelbild weiter geht. Wenn ich es richtig verstanden habe, war für Robert der Weg das Ziel. Und diesebezüglich würde er gerne mal einen anderen Weg ausprobieren. Ach, ja. Wer noch weitere Anregungen für “andere Wege” sucht, den lade ich zu meinem Gedanken Coming-Out hier ein. « Erfolgsstory Porsche: “Der Auftrag. Was großartige Unternehmen antreibt”   […]

  5. […] Wenn man das so alles liest, dann springt einem eine Idee ins Auge: Warum wurde nicht auf dem ersten StartUp-Weekend eine Plattform gestartet, die in Zukunft “Geburtshelfer” für alle Arten von StartUp-Weekends wäre. Das wäre aus meiner Sicht der Knaller geworden. Aber was noch nicht ist, dass kann ja noch werden. Neben einer virtuellen Plattform könnte ich mir auch zahlreiche reale Veranstaltungspartner vorstellen, die mitmachen. Ich denke derzeit im Rahmen der AUFSCHWUNG-Messe für Existenzgründung und junge Unternehmen, die wieder am 12.2.2008 in Frankfurt am Main stattfindet, wie man so etwas umsetzen könnte. Einige Ideen, wie solche StartUP-Weekends in Zukunft aussehen könnten, habe ich ja schon hier veröffentlicht. Mal schau´n, welche Dynamik diese und andere Ideen annehmen werden. « Werden Sie ausgewählter Ort 2008 im Land der Ideen – Bewerbungsschluss ist der 01.10.2007   […]

  6. […] Unternehmen durchstarten könnte. Nach dem ersten deutschen StartUpWeekend habe ich auch schon mal gebrainstormt. Mittlerweile bin ich der Meinung, dass man sehr wohl StartUpTeams einladen könnte, die den […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *