In Finanzen, Trends

Doc Morris wurde von europäischen Pharmagroßhändler Celesio gekauft

Die Celesio AG (einer der führenden Pharmagroßhändler in Europa), zu der hier in Deutschland der Pharmagroßhändler GEHE gehört, hat laut einer Pressemitteilung vom 26.4.2007 heute 90 % der Anteile an der DocMorris AG erworben. Die übrigen knapp 10 Prozent hält das Management von DocMorris. DocMorris soll als Celesio-Unternehmen rechtlich selbstständig bleiben. Der Erwerb steht unter dem Vorbehalt der Freigabe durch das Bundeskartellamt.

Interessant an dem Kauf ist insbesondere die Begründung: „Mit diesem Schritt sichert sich Celesio die einzige deutschlandweit bekannte Apothekenmarke“, betonte Fritz Oesterle, Vorstandsvorsitzender der Celesio. „Wir setzen damit ein klares Zeichen gegen Discountanbieter und apothekenferne in- und ausländische Interessenten. Gleichzeitig schaffen wir die Basis, um auch die Position der Kunden unserer deutschen Tochter GEHE im Wettbewerb zu stärken.“ Mit Blick auf die erwartete Liberalisierung des deutschen Apothekenmarktes durch den Europäischen Gerichtshof ist der Kauf von DocMorris laut Pressemitteilung für Celesio ein logischer Schritt.“

Zwischen den Zeilen kann man ganz deutlich lesen, dass Celesio damit den direkten Weg zum Kunden gesucht hat und sich von anderen Discountern, wie z.B. Schlecker, nicht abhängig machen will, die wohl auch mit großer Kraft ins Apotheken-Endkundengeschäft (als Produktsortimentserweiterung) drängen. Doc Morris war nicht so sehr wegen dem Online-Vertriebskanal so eine schöne Braut, sondern wegen dem Markennamen und der First-Mover-Aktion, ein Lizenzkonzept in Deutschland umzusetzen. Wir haben darüber bereits hier und hier berichtet: Seit 2007 kooperiert DocMorris bundesweit mit Vor-Ort-Apotheken. Bis April haben bereits 20 Apotheken aus sieben Bundesländern Markenpartnerschaft geschlossen. DocMorris plant in den nächsten fünf Jahren 500 Apotheken als Kooperationspartner zu gewinnen.

Einmal mehr ist die Story von Doc Morries ein guter Beweis dafür, dass es längst nicht reicht, nur einmal eine gute Idee gehabt zu haben. Vielmehr muss das Management ständig neue Ideen und Chancen entwickeln und austesten. Doc Morris hat den Mut, mit dem „Kopf durch die Wand“ zu gehen und dabei die Grenzen auszuloten. So konnte man als erster den deutschen „Apothekermarkt“ erobern und wurde dadurch eine attraktive Braut für finanzstarke Käufer. Gratulation. Ich bin mal gespannt, wie lange der Gründer Ralf Däinghaus noch dabei bleiben wird oder muss. Er ist sicherlich einer von den Typen, der gerne auch neue Ideen in einem ganz anderen Umfeld auslotet.

6 Responses to Doc Morris wurde von europäischen Pharmagroßhändler Celesio gekauft

  1. […] und erwirbt damit 90% der Anteile von DocMorris, das vor sieben Jahren gegründet wurde. Mehr dazu auf Standard.at und Best Practice. Celesio ist nicht gerade klein: Umsatz 2006 = 21.6 Mrd Euro. Niemand dürfte auf die Idee kommen, von einer gleichrangigen Partnerschaft zu sprechen:) Wenn man so will, dürfte sich Celesio damit einen eigenen Direktvertriebskanal einkauft haben. […]

  2. ..hätten die nicht verkauft, dann wäre es um die Marke „DocMorris“ bald düster geworden. Die haben im Moment definitiv nur B-Lagen und der Hype um die explodierenden Umsätze ist wieder eine sehr gute Däinghaus-Mär. Die Frequenz lässt sehr schnell nach und es bleibt nur eine kleines PLus, welches in keinem Verhältnis zu den KOsten und zu dem Amrgenverlust steht.

    Da einige „DocMorris“ Apotheken darüber hinuas nciht die stärksten sind, wäre und wird es nur eine Frage der zeit sein, wann die erste zumachen wird!

    Respekt vor der Leistung eines Däinghaus, aber im Retailbusiness sind die dann doch keine Nummer – und Geld verdient hbben die in 10 Jahren nicht!

    Weiteres auch gerne auf unserer Seite…. der Markt ist ein bisschen zu kompliziert, als dass man nach alten schwaz/weiß Kategorien denken kann. best practice in PR sicherlich und unbedingt, der Rest ist für keinen Unternehmer ein Beispiel, man hätte es schlichtweg nciht überlebt!

  3. Also ich war sehr lange in der VC- und M&A-Branche aktiv und weiss aus der damaligen Zeit, dass die Jungs im Rahmen einer Due Diligence häufig brutal sind. Wenn Sie merken, dass der Kaufkandidat seine Prognosen nicht nachhaltig erfüllen kann oder seinen Zenit längst überschritten hat, dann „räuchern“ sie den Kandidat aus und warten und warten. Oder anders formuliert, Ralf Däinghaus muss Werte (nicht unbedingt Gewinne) geschafft haben, die für einen anderen kaufenswert sind. Und dann war man als Unternehmer erfolgreich. Vielleicht ist das sehr schwarz / weiss, aber eben meine Erfahrungswerte in dieser Branche.

  4. Hans Hagen sagt:

    http://www.presseportal.de/print.htx?nr=699195

    Tja und so wird also heute Industriepolitik gemacht – erst spendet man generös Geld, dann verändert man ein wenig die Unternehmsnpolitik und schließlich versucht man auf allen Kanälen die Politik zu bewegen in seinem Sinnne zu handeln!

    Dies ist Konzernpolitik übelster Couleur!

  5. Grünert sagt:

    Ich möchte zu der Person DOX Moris etwas wissen, geschriebenes langt mir einfach nicht.
    Ich wünsche schöne Feiertage.
    Danke
    Mit freundlichen Grüßen
    Grünert

  6. […] im Jahr 2007 seine Anteile am Unternehmen an den europäischen pharmagroßhändler Celesio AG verkauft hatte, wurde es deutlich ruhiger um ihn. Das lag u.a. daran, dass er sich mit der Familie eine Auszeit […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.