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Witten-Herdecke sucht neue finanzstarke Gesellschafter

Die erste private Hochschule, die Uni Witten-Herdecke, sucht neue finanzstarke Gesellschafter, um den Turnaround zu schaffen. Konkret wurde die Software-AG Stiftung angefragt, neuer Mehrheitsgesellschafter dieser anthroposophischen Universität zu werden. Es sollten ursprünglich 23 Millionen EUR im Gespräch sein, um die Mehrheit der Anteile zu übernehmen und die Hochschule in den nächsten Jahren ausreichend finanziell auszustatten. Nachdem die Bücher vergangene Woche geprüft wurden, ermittelten die Mitarbeiter der Stiftung ein Defizit von 12 Millionen Euro bei einem Gesamtbudget von 36 Millionen Euro. Schon seit Beginn der Gründung in den 80ern sind die Finanzmittel in der Hochschule immer sehr knapp gewesen.

Jetzt hat die Software AG-Stiftung mitgeteilt, dass sie keine Angebot zur Übernahme der Uni Witten-Herdecke vorlegen werde. Noch gibt es Hoffnung. Ein weiterer Interessent ist ist der private Klinik- und Fachhochschulbetreiber SRH, der nach bisherigen Aussagen mit 13 Millionen Euro einsteigen will. Das manager-magazin berichtet heute, dass laut SRH „drei bis vier weiterer potente Partner“ mit je etwa derselben Summe mitmachen müssten, um die Hochschule dauerhaft zu sanieren. Aus dem Umfeld der Hochschule sollen sich viele nicht von der Idee begeistert zeigen, dass SRH einsteigen will. Vielmehr hätte man sich eine Stiftung wie die Software AG-Stiftung als starken Partner „mit langer Leine“ gewünscht.

Ich frage mich, ob es überhaupt einer privaten Uni gelingen wird, sich langfristig aus eigener Kraft zu finanzieren, ohne auf fremde oder staatliche Hilfe angewiesen sein zu müssen. Man müsste es doch schaffen können, so viele Studenten als Fans heranzuziehen, dass sie im Rahmen einer Alumni-Stiftung genug Geld aufbringen, um Defizite finanzieren zu können. Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass die Alumnis nicht unbedingt alle finanziell zur Ader gelassen werden müssen. Viele Ehemalige sind auch wahrscheinlich bereit, ehrenamtlich bei Projekten zu helfen.Wir wäre es auch damit, Startups mit maßgeblicher Beteiligung der Uni zu gründen und mit den Einnahmen oder Verkaufserlösen ein Teil der betrieblichen Defizite auszugleichen. Hier könnten z.B. Alumnis als Mentoren oder Business Angels mit einsteigen.

Wie wäre es auch damit, Personalvermittlungsgesellschaften zu gründen, die die Studenten an interessante Projekte und Unternehmen vermitteln. Man könnte z.B. auch eine Uni-Beratungsgesellschaft aufbauen, und die jungen Stundenten zentral an Unternehmen als Berater zu vermitteln. Auch könnten Ideenminings regelmäßig kostenpflichtig angeboten werden. Weiterhin könnte auch die Uni ein innerbetriebliches Vorschlagswesen einführen, um Kosten zu senken, Einnahmen zu erhöhen und das know how daraus an Dritte im Form von Beratungen zu verkaufen. Auch könnte man neue Zielgruppen ansprechen, wie z.B. Manager oder Kurse in Second Life zu günstigen Konditionen für Studenten aus der ganzen Welt anbieten. Dafür müsste man sich natürlich mit einem Alleinstellungsmerkmal positionieren. Man könnte solche Angebote auch im Rahmen von Joint-Ventures anbieten, so dass man nicht privaten Anbietern Konkurrenz macht, sondern mit ihnen zusammenarbeitet. Es fällt mir schwer zu glauben, dass man eine Uni nicht auch langfristig wirtschaftlich erfolgreich managen könnte.

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