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Kreative Finanzierung (2): Kunde als Kreditgeber

Warum sollte ein Kunde, der ein Produkt unbedingt haben will, nicht vorher eine Anzahlung dafür machen? Richtig, viele Unternehmen verlangen von ihren Kunden eine Anzahlung, um zumindest die Materialkosten vorher finanziert zu bekommen. Die Sängerin Verity aus Süd Afrika ist noch einen deutlichen Schritt weiter gegangen. Sie sucht seit fast zwei Jahren 5.000 Kunden, die ihre erste CD im voraus bezahlen. Mehr als 1.500 sog. „Future Owners“ hat sie schon gefunden. Wir haben hier bereits mehrmals über die Aktion von Verity berichtet.

Wenn Sie selbst Gründer sind, haben vielleicht nicht alle Kunden genug Vertrauen, um Ihnen direkt den gesamten Kaufpreis im voraus zu bezahlen. Dann könnte auch evtl. eine Anderkontolösung a la Ebay sinnvoll sein. Etwas einfacher haben es schon etablierte Winzer, die Spitzenweine anbieten. Da diese Weine sehr begehrt sind, sind auch viele Kunden bereit, Weine noch vor der Ernte im voraus zu bezahlen, um sich einige Flaschen zu sichern.

Gerade für Anbieter von Lebensmitteln bietet sich auch das Angebot von Genussscheinen im wahrsten Sinne des Wortes an. Das Weingut Sybille Kuntz mit Sitz in Lieser an der Mosel gibt z.B. seit vielen Jahren solche Genussscheine heraus. Die Mindesteinlage für die Genussscheine beträgt 2.500 EUR. Der Zins wird. in Form von 24 Flaschen ausgeschüttet. Die Laufzeit der Genussscheine beträgt 5 Jahre. Der Naturalzins beträgt demnach ca. 7,5 %. Damit machen beide ein gutes Geschäft. Die Kunden erhalten im Gegenwert mehr, als wenn sie das Geld auf der Bank angelegt hätten. Und der Winzer muss deutlich weniger bezahlen, als wenn er einen Bankkredit aufgenommen hätte, weil die Herstellungspreise deutlich niedriger als die Verkaufspreise sind.

Wenn ich als Kunden nicht ganz so viel Geld ausgeben will, dann kann ich ja auch die laufenden Kosten im Vorfeld bezahlen und den Ertrag aus dem Investementobjekt in Naturalien auszahlen lassen. Ein Beispiel ist das Kuhleasing. Entstanden ist die Idee 1976, als Paul Wyler einen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb von seinem Vater übernahm und eingie Kühe an örtliche Restaurantbesitzer vermietete. Der Mietertrag wurde in Form von Käse, der aus der Kuhmilch gewonnen wurde, ausgezahlt. Mittlerweile bezahlen viele Touristen gerne eine Leasingrate in Höhe von ca. 400 sfr für eine Kuh pro Saison, um dann den Käse aus der gewonnen Milch persönlich abzuholen. Das Prinzip funktioniert auch für Weinstöcke, Olivenbäume, Autos und Hotels.

4 Responses to Kreative Finanzierung (2): Kunde als Kreditgeber

  1. […] Burkhard Schneider vom best-practice-business-blog hat eine kleine Serie gestartet, in der er kreative Finanzierungsmöglichkeiten für Unternehmer vorstellt. […]

  2. […] Tipp 1: Kunden als Kreditgeber Wenn Kunden dein Produkt unbedingt haben wollen, werden sie auch schon im Vorfeld dafür bezahlen. […]

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