In Finanzen, V - Existenzgründung

Wachstum geht auch ohne Bank(finanzierung)

In den letzten Tagen konnte man in fast jeder Zeitung einen Nachruf auf Theo Albrecht lesen, der mit Aldi Nord zum Milliardär wurde. Er und sein Bruder wurden so erfolgreich, weil sie viele Regeln gebrochen haben. So haben Sie von Beginn an kein Vollsortiment angeboten, sondern nur die wichtigsten Produkte für den täglichen Bedarf. Diese Idee war zu Beginn aus der Not geboren. Um gegen ein Konkurrenten in Essen bestehen zu können, entschieden sich die Albrecht-Brüder, die das Lebensmittelgeschäft der Mutter in Essen übernommen hatten, wenige Produkte in großen Massen zu verkaufen, um günstiger als der Konkurrent vor Ort bei den Herstellern einkaufen zu können. Es wurden grundsätzlich nur sog. Schnelldreher verkauft, also Produkte, die nach Anlieferung schnell verkauft werden konnten. Das hatte noch einen enormen Vorteil, wie Prof. Sachon, der sich wissenschaftlich mit dem Erfolgsmodell Aldi auseinandergesetzt hat, in einem Welt-Artikel verrät:

„Viele Konkurrenten im Einzelhandel ließen sich mit der Überweisung für ihre Waren 60 Tage oder länger Zeit. Dass Albrecht bereits einen Monat nach der Lieferung bezahlte, funktionierte dank des Grundprinzips, nach dem sich wenige Waren schnell verkaufen lassen. Aldi hat rund 1000 Produkte im Regal, ein großer Supermarkt bietet die zehnfache Menge. „Wenn Aldi Ware geliefert bekommt, ist sie in aller Regel nach spätestens fünf bis sieben Tagen verkauft“, sagt Professor Sachon. Das Geld für die frühzeitige Bezahlung der Lieferanten ist dann bereits in der Kasse. „Aldi aber kann das Geld des Endverbrauchers drei Wochen lang aufs Konto legen, bevor er es an den Lieferanten überweist. Allein aus diesem Effekt holt Albrecht Jahr für Jahr Millionengewinne.““

Das „Schnelldreherpinzip“ hatte für Aldi gleich drei Vorteile. Erstens konnte Aldi das Wachstum aus eigener Kraft stemmen, ohne eine Hausbank an der Seite zu haben, die dies finanziert hat. Denn immer wenn man von anderen abhängig ist, kann man nicht frei entscheiden. Hans Riegel von Haribo kann davon ein Lied singen. Und nur wenn man vollkommen unabhängig ist, kann man zum Regelbrecher werden und genau das machen, was man selber für richtig hält. Zweitens konnten die Lieferanten viel schneller als branchenüblich bezahlt werden. Dadurch hatte Aldi bei vielen Lieferanten „ein Stein im Brett“ und konnte auf eine starke Lieferantenloyalität zählen. Denn neben dem Verkaufspreis ist die schnelle Bezahlung ein ganz wichtiger Faktor für den Hersteller. Und drittens können bis heute enorme Zinseinnahmen erzielt werden, wie das oben anschaulich geschildert wird. Wer weiß, wie niedrig die Margen im Einzelhandel sind, der weiß, wie wichtig solche Zusatzeinnahmen sind.

Davon sollten sich insbesondere Gründer inspirieren lassen, die meist keine Chance haben, eine ausreichende Kreditfinanzierung für den Start und das Wachstum zu erhalten. Entwickeln Sie einfach ein Geschäftsmodell, das mit wenig Fixkosten verbunden (mehr Infos dazu hier) ist und sie in die Lage versetzt, dass Sie das Geld vom Kunden bekommen, bevor sie es an Lieferanten und Geschäftspartner zahlen müssen. Dann kann sie auch die aktuelle BMWi-Studie nicht schocken, die aussagt, dass junge Unternehmen häufig wegen unzureichender Startfinanzierung scheitern. Durch ein durchdachtes Geschäftsmodell können Sie häufig die Unabhängigkeiten von Dritten auf ein Maß reduzieren, dass akzeptabel ist und sie nicht in ihrem Wachstum behindert.

3 Responses to Wachstum geht auch ohne Bank(finanzierung)

  1. […] Best-Practice-Business-Blog schaut sich Aldi an und kommt zum Schluss, dass Wachstum auch ohne Banken finanzierbar […]

  2. Das Aldi damit hohe zinsen verdient mit dem Schnell dreher Prinzip ist klar nachvollziehbar, auch wenn es oftmals unbekannt ist. Andersrum als Berechnung zum Lieferantekredit (sogen. Skonto ziehen) kennt es jeder, die umgekehrte Variante nicht.
    Gerad bei Existenzgründern erlebe ich oftmals das hohe Fixkosten zu einer starken Muss Umsatzbelastung führen und die Flexibilität im Handeln sehr stark einschränken.
    Leider scheitern noch immer über 50% (im Durschnitt – bei Franchis nur 15%) der Existenzgründer innerhalb der ersten drei Jahre. Ich führe das auf mangelnde und überschätzte Planungen zurück. Da kommt ein Anruf – morgen muss das Konzept für das Arbeitsamt fertig sein incl. Stellungnahme – das dann unausgereifte Unternehmenskonzept braucht seine Zeit und der Gründer ebenfalls.
    Sehr interessante Darstellung des ALDI Ansatzes und der positiven Nebeneffekte (Zinseinnahmen – gewollt ?).

    Gruss Klaus Schaumberger – Existenzgruender Helfer

  3. […] jedes smarte Handelsgeschäft (siehe Aldi zum Beispiel), das 20% und mehr im Jahr wachsen will, operiert Amazon nicht gewinn-, sondern cashflow-optimiert. […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.