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In Finanzen, V - Tipps und Tricks

Die Interessen von Investoren und Gründern stimmen zu Beginn und Ende selten überein

Gestern durften wir die 2. Folge der VOX-Sendung „Die Höhle der Löwen“ erleben. Was bleibt nach Ende der Sendung beim Zuschauer haften? Investoren und Gründer sind selten einer Meinung! Und das ist auch ganz normal. Denn die Beziehung zwischen Investor und Gründer ist sehr schwierig. Zu Beginn der Verhandlung sind beiden Parteien i.d.R. „erbitterte Feinde“. Denn der Investor möchte gerne möglichst günstig einsteigen und möglichst viel Mitspracherecht haben. Der Gründer möchte gerne viele Unterstützung durch den Investor erhalten, dafür aber möglichst wenig Anteile abgeben. Insofern kann es in solchen Verhandlungssituationen häufig „krachen“, wie wir das gestern immer wieder schön veranschaulicht bekommen haben.

Neben den unterschiedlichen Interessen zu Verhandlungsbeginn gibt es auch das Phänomen der Informationsasymetrie. Sprich, der Investor hat grundsätzlich Angst, dass ihm wichtige Informationen vorenthalten werden. Dieses Risiko preist er i.d.R. ein. Die Aufgabe des Gründers ist es, durch eine offene Informationspolitik und andere Maßnahmen, Vertrauen aufzubauen. Dieser Prozess dauert i.d.R. länger als eine Fernsehsendung dauert. Und letztlich zählt bei jeder Verhandlung, wer die besseren Karten hat: Gibt es einen Käufer- oder Verkäufermarkt? Und wer pokert besser? Judith Williams hat das gestern anschaulich gezeigt, als die Gründer von mycleaner bei ihrem ersten Beteiligungsangebot zögerten. Darauf hin besserte Judith Williams nach und schlug ein 2. Angebot vor, das schlechter war. So kann es gehen?

Investoren, vor allem Business Angels, geben meistens Feedback zur Geschäftsidee. Aber Achtung: Da ein Investor, wenn er „Blut geleckt hat“, gerne günstig einsteigen will, wird er in der Verhandlung häufig kritisches Feedback geben und die negativen Punkte besonders stark betonen. Er will den Preis nicht künstlich hochziehen, indem er den Gründern bestätigt, wie genial ihre Idee ist (falls das der Fall sein sollte). Deshalb empfehle ich auch immer, erst vor Mentoren zu präsentieren, von denen man meistens ehrliches Feedback erhält, als gleich vor Business Angels oder Investoren zu präsentieren. Die Reihenfolgen ist auch in diesem Fall entscheidend.

Wenn sich der Business Angel am Unternehmen beteiligt hat, dann (und erst dann) bringt er sich gerne mit seinen Kontakten und Know How in das Vorhaben ein. Achtung: Im Verhandlungsvorfeld hat sich auch der Investor meistens sehr gut verkauft und hält anschliessend nicht immer alle Versprechen ein. In diesem Punkt existiert auch eine Informationsasymetrie, allerdings zu Lasten des Gründers. Aber insgesamt ist nach der Beteiligung der Business Angel / Investor (wenn er nicht die Mehrheit am Unternehmen hat) vom Geschick des Unternehmers abhängig. Deshalb ist es für den Business Angel im Gespräch entscheidend, die Fähigkeiten des Unternehmers zu erfassen.

Achtung: Ein Business Angel ist keine Institution, sondern ein Mensch. Deshalb muss die Chemie zwischen Business Angel und Gründer auch 100%ig passen. Insofern ist es gar nicht schlecht, wenn in der Verhandlung auch einmal kontrovers diskutiert wird. Denn nur in Krisensituationen kann man herausfinden, ob man gut zusammen passt. Die meisten Business Angel Beteiligungen, die nach meiner Beobachtung schief gegangen sind, sind aufgrund persönliche Indifferenzen gescheitert.

Und Achtung: Ein Business Angel ist auch ein Investor. Er will nicht nur zu Beginn möglichst günstig einsteigen, sondern seine Anteile auch später möglichst teuer wieder verkaufen. Und deshalb sind Investor und Unternehmer zu Ende ihrer Beziehungen wieder „erbitterte Feinde„. Denn nicht immer ist der Käufer, der die höchsten Preise für die Anteile des Business Angels zahlen will, der richtige neue Partner für den Unternehmer. An diesem Punkt kann es häufig knirschen. Deshalb sollte beide Parteien schon zu Beginn der Beteiligungsverhandlung über ihre Exitpläne sprechen.

Foto (c) Vox

5 Responses to Die Interessen von Investoren und Gründern stimmen zu Beginn und Ende selten überein

  1. Tom sagt:

    Zweite Sendung:

    Entweder VOX lügt oder seedmatch hyped was ?

    Fakten aus der Sendung unter htt.vox.de

    Fakten aus der Crowd:

    https://www.seedmatch.de/startups/mycleaner

    Wahrscheinlich auch der Grund warum VOX keinen „link“ zu einer Crowd „bewirbt – dann könnten sie die Sendung in die Tonne geben 🙂

    Für mich ist nach der 2.ten Sendung Schluss mit „Löwen“ .

  2. Hallo Tom,

    das wird derzeit in Facebook hitzig diskutiert, siehe https://www.facebook.com/groups/crowdinvestor/permalink/873379506013793/.

    Demnach ist der Deal so nicht zustande gekommen.

    Mal agenommen, der Deal wäre so passiert, dann bin ich mir sicher, dass der Ruf nach Prospektveröffentlichtungs- und haftungspflichten für das Crowdinvesting laut geworden wäre. Man sieht, wie Dünn das Eis sein kann 🙂

  3. Erdal sagt:

    Burkhard, zum Einen kann man sagen, es ist aus verschiedenen Gründen nett, so eine Sendung im TV zu haben. Was ich aber nicht verstehe, dass man in Minuten etwas entscheiden soll, ohne alle Rahmenbedingungen und eventuell einen wasserdichten Vertrag zu haben. Zum Zweiten sind doch die Investoren menschlich gesehen ein Witz. Das wird auch auf Gründerszene diskutiert.
    http://www.gruenderszene.de/allgemein/die-hoehle-der-loewen-kritik-episode-2
    Es passt überhaupt nicht zusammen. Da ist doch der reißerische Effekt wichtiger, als der Lerneffekt.

  4. Hallo Erdal,

    eine Fernsehsendung spitzt leider häufig zu und verkürzt. Ich habe es in der Realität selten erlebt, dass Investoren so mit Gründern umgegangen sind. Aber seit Dieter Bohlen braucht es wohl immer Bad Guys, um Feuer zu zünden.

    Wie die Diskussion oben schon zeigt, sind die Verträge wohl nicht alle wirklich zustande gekommen (Stichwort mycleaner), ansonsten hätten wir wohl den ersten Crowdinvestingskandal (siehe oben).

    Letztlich haben StartUps die Chance, einem Millionpublikum ihr Produkt vorzustellen. Bei dem Risiko, vorgeführt zu werden (keine Chance ohne Risiko).

    Auf der anderen Seite gibt es immer noch Gründer, die in solche Pitches weltfremd agieren (Stichwort denttabs). Sorry, dann muss man auch einmal Gegenwind ertragen können.

    Schlusswort: VOX macht vieles richtig. Würden wir noch nach der Sendung auf allen Medien so diskutieren, wenn in der Sendung nix passiert wäre?

  5. Tom sagt:

    Auf Seedmatch gibt es jetzt ein Interview zu den Löwen in Sachen mycleaner.

    http://blog.seedmatch.de/2014/08/28/mycleaner-die-hoehle-der-loewen/?utm_source=seedletter&utm_medium=email&utm_content=&utm_campaign=seedletter125

    Für mich – nach lesen des Interviews – erfüllt das Interview folgende Bestätigungen:

    1.) Die Sendung wurde als “Werbung” missbraucht
    2.) Der angebliche Deal ist so zustande gekommen – aber anscheinend, wie man jetzt lesen kann dann doch nicht, aber irgendwie auch doch.
    3.) Die Gründer waren bis dato offensichtlich zu doof den Vertrieb des “Cleaners” auszulagern. Was für tolle Unternehmer!
    4.) Bislang haben die richtig viel Geld verbrannt. Nicht nur das Geld aus Seedmatch – nein, auch das Geld aus Umsatz und jetzt wollen sie noch mehr Geld verbrennen dürfen?
    5.) Seedmatch? Das beste Beispiel warum die “Branche” kontrolliert werden MUSS!
    6.) Seedmatch…..Die Antwort auf die Frage: Wie kann man Gründungswillige und Investoren am besten “einseifen” 🙂 Just my 50 Cents

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