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Vom Sportschuhverkäufer zum Hersteller

Im Februar habe ich innerhalb des Beitrages „Vom Einzelhändler zum Produzenten“ versprochen, gezielt nach konkreten Beispielen zu suchen. Nachdem ich am selben Tag die Beispiele von Kiehl´s und Parfümerie Albrecht vorgestellt habe, bin ich jetzt wieder auf eine interessante Story gestossen:

Die Brüde Ulf und Lars Lunge betreiben in Hamburg und Berlin vier gleichnamige Geschäfte für Laufschuhe. Sie legen dabei sehr viel Wert auf individuelle Beratung. Nicht immer können sie den Kunden die Schuhe anbieten, die sie sich wünschen würden, da es sie noch nicht auf dem Markt gibt. Und so haben sich die Brüder entschlossen, selber zu Produzenten von Sportschuhen zu werden.

Im mecklenburgischen Dorf Düssin, zwischen Hamburg und Berlin gelegen, sind die beiden Brüder hinsichtlich einer Produktionsstätte fündig geworden. Wie man der Webseite entnehmen kann, soll in einem denkmalgeschützten ehemaligen Kuhstall ab Frühjahr 2007 Hightech-Laufschuhe gefertigt werden und damit mehr als 100 Arbeitsplätze für hochqualifizierte Fachkräfte geschaffen werden.

Das Motto hier lautet also „made in germany“ und nicht „made in china“. Die zukünftigten Hersteller haben sich zu diesem mutigen Schritt entschieden, obwohl die großen Sportschuhhersteller aus Kostengründen fast ausschließlich im billigen Asien produzieren lassen. Doch bei Laufschuhen kommt es auf Qualität an und die könnte hier besser gewährleistet werden. Das die Lunges bereits in den 90er Jahren Schuhe in Korea produzieren liessen, wissen sie, wovon sie sprechen. In vielen Gesprächen haben die Kunden bestätigt, dass sie bei Laufschuhe mehr auf Qualität als auf den Preis schauen würden.

Langfristig sollen in Düssin mehr als 10 000 Schuhe pro Jahr hergestellt werden. Bereits mit mehr als 70 Händlern wurde gesprochen, da so viele Schuhe nicht nur in den eigenen Geschäften verkauft werden können. Doch hinter den Plänen einer eigenen Schuhfabrik steht nicht nur das Ziel, hoqualitative Schuhe herzustellen, sondern eine ganz andere Vision: Mit der eigenen Fabrik wollen die Hamburger die Schuhe maßanfertigen: In den Filialen sollen die Füße der Kunden mit 3-D-Scannern vermessen und Daten anschließend per Fernübertragung nach Mecklenburg geschickt werden.

Gelesen in der Welt am Sonntag und dem Hamburger Abendblatt.

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8 Responses to Vom Sportschuhverkäufer zum Hersteller

  1. […] Viele traditionelle Fachhandelsgeschäfte werden sterben Vor dem Internetzeitalter hatten viele Fachhändler ein regionales “Monopol”. Wenn man sich neue Möbel kaufen wollte, hat man i.d.R. das erste “Möbelhaus am Platz” besucht und sich dort eingedeckt. Durch das Internet ist die Welt sehr transparent geworden und man kann überregional einen Preisvergleich durchführen. Jetzt kauft man nur vor Ort, wenn andere Leistungen, wie z.B. gute Beratung, den Mehrpreis des Händlers vor Ort rechtfertigen. Es gibt zwar immer noch Menschen, die ohnen vorherige Recherche beim Einzelhändler vor der Tür einkaufen, aber die Zahl ist zu klein, um damit eine Existenz zu sichern. Der stationäre Verkauf lebt weiter – aber in zwei gänzlich anderen Ausprägungen als heute Aus Sicht von Max Zorno hat der Einzelhandel, der nicht mit leicht verderblichen Waren handelt, zwei Möglichkeiten, um zu “überleben”: Erlebniseinkauf oder Kostenführer. Viele Kunden wollen heute mehr, als nur im Geschäft günstig Produkte einzukaufen. Sie wollen etwas erleben. Ein gutes Beispiel dafür ist das Nivea-Haus. Hier kann man sich wie in einer Wellness-Oase verwöhnen lassen mit Nivea-Produkten und wird dadurch animiert, diese Produkte in Zukunft wieder zu kaufen. Weitere Beispiele sind z.B. die Vinothek von BASF oder Elvis Parsley, der rockende Gemüsehändler. Die zweite Möglichkeit besteht darin, Preisführer zu werden und alle “unnötigen” Kosten zu vermeiden. ALDI ist diesbezüglich immer noch die Benchmark. Als ein Beispiel fallen mir spontan Bulk Barn oder die Discount-Bäckereien ein. Beratung wird kostenpflichtig Die Reisebüros machen es vor. Nachdem die Fluggesellschaften keine internen Provisionen mehr bezahlen, müssen die Reisebüros die Buchungsgebühr vom Kunden verlangen. Dieses Prinzip wird sich auf viele Branchen ausdehnen. Ich habe mal von einem Händler für Musikinstrumente gelesen, der Produkte günstiger verkauft, wenn sie ohne Beratung und Service verkauft werden. Die Handelskette wird kürzer: Händler werden zu Herstellern Immer mehr Hersteller verkaufen direkt vom Werk ab. Ein gutes Beispiel ist die Rapp-Brauerei. Umgekehrt kann natürlich auch der Hersteller zum Händler werden. Ein gutes Beispiel ist der Fahrradhändler Brügelmann. Er verkauft mittlerweile hauptsächlich Fahhräder nach Maß unter eigenem Namen. Ein anderes Beispiel sind die Brüder Lunge (Betreiber von Sportgeschäften), die zukünftig selber Laufschuhe herstellen wollen. Hier im Blog haben wir auch über die Parfümerie Albrecht und Kiehl´s-Apotheke berichtet, die vom Händler zum Hersteller wurden. Das Internet wird zum Spezialitätenladen Wenn es immer mehr Preisführer im stationären Handel geben wird, bei denen man die Produkte gleich kaufen kann und der Umtausch auch einfacher ist, werden viele Internetshops Problemen bekommen. Aber gerade hier liegt die Chance der Spezialisierung. Für viele Spezialprodukte lohnt es sich nicht, ein Geschäft zu eröffnen, sondern im Internet zu verkaufen. « Schnelldurchlauf 15   […]

  2. Laufschuhe aus Deutschland

    Darauf haben die Läufer aus Deutschland gewartet: Laufschuhe aus dem eigenen Land!
    Nachdem ich den Bericht bei Spiegel online gelesen habe, dachte ich, dass kann nicht ganz ernst gemeint sein. Es gibt zwei Brüder in Hamburg, die tatsächlich in Deuts…

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