In Geschäftsidee

Prickelnde Geschäftsidee vor 80 Jahren: Ahoj Brause

Die Erfolgsstory begann im Jahr 1925, als der Kaufmann Thodor Beltle mit Natron, Weinsäure und Wasser experimentierte. Interessiert beobachtete er, dass durch die Zugabe von Wasser Kohlensäure ensteht. Und schwups war das Brauslimonadenpulver für alle Bevölkerungsschichten erfunden, das eine preisgünstige Alternative zur Limonade darstellen sollte. Beltle gründete im Jahr 1925 mit seinem Schwager Robert Friedel die Robert Friedel GmbH (später Frigeo GmbH) in Stuttgart und stellte zuerst Brausetrinktabletten mit den Geschmacksrichtungen Zitrone und Orange her.

Anfang der 1930er Jahre kam die zweite Generation in den Handel: Die Brause in Pulverform löst die Tabletten ab. Es ist einfacher zu handhaben und verwandelt Wasser noch schneller in Limonade. Beltle ergänzt die bekannten Geschmacksrichtungen noch um Waldmeister und Himbeere – das „klassische Quartett“, das sich bis heute gehalten hat, ist komplett. In den folgenden Jahren wächst die Nachfrage ständig, Brause wird an Kiosken, vor Schulen und beim Bäcker angeboten.

Nach dem Tod Robert Friedels im Jahr 1937 führt Theodor Beltle das Unternehmen alleine durch die ersten Kriegsjahre, später kommt die Produktion zum erliegen. Im Nachkriegs-Deutschland läuft die Produktion zunächst schleppend an, doch bereits 1948 erreicht sie Vorkriegskapazitäten. Im Jahr 1953 ist die Krise längst überwunden, die Brause-Produktion wird in größere Hallen in Remshalden-Geradstetten verlegt. Zu dieser Zeit führen bereits Beltles Söhne Theodor junior und Robert das Familienunternehmen. Mit dem „Brauselolly“ landet Frigeo in den 1970er Jahren einen weiteren
Verkaufshit, neue sprudelnde Ideen kommen immer wieder dazu. 100 Millionen Tüten Brausepulver laufen bei Deutschlands jährlich vom Band. Allein Brausepulver! Dazu jede Menge schäumender Brocken und Bonbons, Bärchen und Lollys – der prickelnde Grundstoff in komprimierter Form. Heute ist Katjes Inhaber von Frigeo.

Lebenslust und bizarre Erotik sind es auch, die Günter Grass in seinem 1959 erschienenen Roman „Die Blechtrommel“ beschreibt, als er den kleinen Oskar Matzerath Himbeerbrause aus dem Bauchnabel seines Kindermädchens Brause schlecken lässt. Mit dem literarischen Weltruhm des Romans und, mehr noch, mit der Verfilmung, die Volker Schlöndorff zwanzig Jahre später den Oscar einbrachte, wurde auch das prickelnde Pulver endlich auch über Deutschlands Grenzen hinaus bekannt. Danach wurde die Brause von anderen Produkten etwas in den Hintergrund gedrängt, bis der Retrokult „Ahoj“ wieder in aller Munde brachte.

Interessant an dieser Story sind drei Tatsachen: Das Produkt hatte zu Beginn Erfolg, weil es eine preisgünstige Alternative zur Limonade dargestellt hat. Das Produkt wurde international erfolgreich durch Product Placement (Blechtrommel). Das Produkt wurde wieder erfolgreich durch den Retro-Trend und zwar insbesondere das Basisprodukt (Ahoj-Brausepulver).

Noch interessanter ist die Tatsache, dass von der Wirtschaftsförderung Stuttgart eine Pressemitteilung über die Erfolgsstory Ahoj-Brause veröffentlicht wurde. Folgende Intention steht dahinter: „Wir berichten regelmäßig über Unternehmen, Institutionen und Persönlichkeiten, deren Ideen oder Produkte beispielhaft für die Wettbewerbsfähigkeit und die Innovationskraft des Standorts sind. Wir möchten dazu beitragen, dass die Stärken des Standorts Deutschland kommuniziert werden.“

3 Responses to Prickelnde Geschäftsidee vor 80 Jahren: Ahoj Brause

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