In Geschäftsidee

Seminare zum Discountpreis

Viele kleine und mittelständische Unternehmer stöhnen, wenn sie sich nach den Preisen für Weiterbildungsseminare erkundigen. Nicht selten fallen Preise von 400 – 900 EUR pro Tag und Teilnehmer an. Der 24 jährige Jungunternehmer Chrisitian Hansen will jetzt mit seiner Firma CHM Limited aus Hamburg zum Preisbrecher werden und bietet Tagesseminare für unter 50 EUR pro Person an. In seiner Pressemitteilung versichert er wie folgt: „Unsere Preise werden nicht durch höhere Teilnehmerzahlen kompensiert. Sie entsprechen in allen Seminaren den üblichen Größenordnungen und sind daher streng begrenzt“.

Wenn man seine Webseite www.seminar-discounter.de besucht, dann stellt man fest, dass das Angebot an Themen und Referenten noch sehr bescheiden ist. Das soll sich allerdings ändern: Für die geplante Expansion in Deutschland, Österreich und der Schweiz werden jetzt 100 neue Trainer gesucht. Er hofft, Trainer zu finden, „die ihre Honorarforderungen den neuen Marktverhältnissen anpassen“.

Müssen jetzt Trainer um ihre guten Einnahmen fürchten? Zuerst muss man festhalten, dass gerade für Existenzgründer und Mitglieder von Unternehmerverbänden immer wieder Seminare für kleines Geld oder zum Nulltarif angeboten werden. Die Referenten verlangen in solchen Fällen keine Honorare, um sich bei Ihrer Zielgruppe als Berater bekannt zu machen oder lukrative Folgeseminare zu vermarkten. Häufig handelt es sich also um Markteinführungsmassnahmen, um anschliessend lukrative Anschlussaufträge zu erhalten.

Zudem bezahlen heute immer mehr Schulungsanbieter nur noch Trinkgelder. Immer häufiger werden Stundensätze von 15 – 40 EUR aufgerufen. Wenn man sich dann über die niedrigen Preise empört äussert, fängt man sich die Kommentare: „Wir kennen genug, die für diese Preise arbeiten“ oder „Unsere Kostenkalkulation lässt leider keine höheren Honorare zu“. Das Angebot an lukrativen Aufträgen wird nicht grösser.

Ist die gute Zeit für Trainer jetzt also endgültig vorbei? Nein, wenn man sich richtig positioniert. Ich kenne noch genug Trainer, die Honorare von bis zu 3.000 EUR pro Tag durchsetzen, ohne dass sie „weltberühmt“ sind. Sie sprechen einfach die richtige Zielgruppe an, haben gute Kooperationspartner mit renommierten Namen und bieten Themen sowie Veranstaltungsformate an, die der Zielgruppe einen hohen Nutzen bringt. Und genau das sollte zählen.

Ich glaube, dass Christian Hanssen auch von einer ganz anderen Seite Konkurrenz bekommen wird. Ich kenne zahlreiche Unternehemer, die sich heute zusammenschliessen und einen Referenten nach Wunsch zu einem „Inhouse-Seminar“ einladen und dadurch sehr günstige Tarife aushandeln. Wenn man dann das Referentenhonorar durch 10 oder 20 Teilnehmer teilt, erhält man auch eine Gebühr pro Teilnehmer von unter 100 EUR und genau den Referenten, den man sich wünscht.

5 Responses to Seminare zum Discountpreis

  1. Seminar zum Discountpreis? Es mag schon sein, dass im Handel die Discounter am Vormarsch sind und gute Qualität zu erschwinglichen Preisen anbietet.
    In der Trainingsbranche in D, Ö und der Schweiz kennen wir diese Entwicklung schon länger: Größere Weiterbildungsinstitute „versklaven“ mit beschämend niedrigen Stundentarifen Trainer und nutzen dabei die schwierige Marktsituation aus. Ja, sie bringen den Trainern damit oft zwar eine schöne Jahresauslastung. Doch unter Strich ist dieser dann nur mehr ein „besserer“ Angestellter. Von selbständig kann hier nicht mehr die Rede sein.

    Doch zurück zum „Discounter“: Personalentwickler und HR-Verantwortliche, die ein Seminar NUR nach dem Gesichtspunkt des Preises auswählen, arbeiten aus meiner Sicht nicht seriös. Zum Glück gibt es davon auch nur eine verschwindend geringe Anzahl.
    Die Mehrheit schaut auf andere, wichtigere Faktoren:
    – Kompetenz des Trainers (Ausbildung, berufliche Praxis in dem speziellen Segment, persönliches Auftreten etc.)
    – Empfehlungen von anderen Unternehmen
    – Spezialisierungsgrad (Der Experte für XY…)

  2. Hallo Herr Reisenbauer,

    ich hätte mich gewundert, wenn nicht auch im Weiterbildungssektor jemand versucht, sich als Preisführer bzw. Preisbrecher zu positionieren. Ich glaube auch, dass dieser Seminardiscounter weniger die Großunternehmen mit HR-Abteilung anspricht bzw. für sich gewinnt. Hier sind wohl mehr die Kleinst- und Kleinunternehmen die Zielgruppe, wenn ich richtig vermute.

    Im Artikel habe ich ja bereits sehr ausführlich erläutert, wie man als Trainer auch heute noch sehr gutes Geld verdienen kann und sich nicht von der „Preisseuche“ anstecken lassen muss. Allerdings muss man dafür heute mehr tun als früher und auch mal ausgetrampelte Pfade verlassen. Nur in welcher Branche ist das nicht so?

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