In Geschäftsidee, Idee - Web

Wenn die Linkspartei das Willy-Brandt-Haus kauft…

…dann handelt es sich nicht um ein Fake, sondern um den Kauf eines virtuellen Grundstückes auf der auf Google Earth basierenden Plattform „Whats your Place“. Und bezahlbar war der „Spass“ für die Linkspartei auch noch. Denn für 9,95 EUR erhält der Benutzer einen Hektar virtuelles Land bei WYP und hat die Möglichkeit, seine Parzelle individuell über einen so genannten Grundbucheintrag nach aussen darzustellen und mit indivduellen Informationen zu versehen. Über den Gästebucheintrag kann man mit dem virtuellen Landbesitzer ins Gespräch kommen und Infos austauschen. So soll langsam eine Community entstehen.

Im Oktober 2007 wurden Tobias Lampe und Christian Weese, die Gründer der Betreibergesellschaft Value Maps GmbH, noch öfters belächelt und von Bloggern sogar dafür beschimpft, „Luftgrundstücke“ zu verkaufen. Wenn selbst Grundstücke auf dem Mond verkauft werden, warum sollte das auch nicht mit virtuellen Grundstücksbildern möglich sein. Und genau diese Idee macht sich langsam bezahlt:

Bisher wurden auf WhatsYourPlace bereits über 3.000 Hektar virtuellen Landes verkauft. Während nach rund vier Monaten Betrieb der Verkauf des 1.000. Hektars verzeichnet werden konnte, hat die wachsende Mitgliederschaft in nur zwei weiteren Monaten 2.000 weitere Hektar erworben. Darüber freuen sich nicht nur die Gründer, sondern auch die Investoren aus dem Umfeld von Dr. Stefan Morschheuser (Gründer hotel.de AG, anwalt.de AG, viversum GmbH), die von der Geschäftsidee überzeugt waren und sich an der Betreibergesellschaft von WYP beteiligt haben.

Ich persönlich bin gespannt, wenn es den ersten Rechtsstreit gibt, weil der echte Grundstücksbesitzer sich dagegen wehrt, dass sich jemand anderes seines virtuellen Eigentums bemächtigt hat. Etwas Besseres könnte aber aus meiner Sicht WYP gar nicht passieren, denn so käme WYP mit Sicherheit in die Presse. Und gerade ein junges StartUp lebt davon, dass andere mit großer Reichweite über sie kostenlos berichten. Deshalb habe ich Tobias Lampe in einem langen Telefonat empfohlen, die künftigen Pressemitteilungen mit kuriosen Stories zu „garnieren“. Und genau daran hat er sich wohl auch gehalten:

In der aktuellen Pressemitteilung wird nicht nur über den Coup der Linkspartei berichtet, sondern auch über den James Dean Fan „Miro“, der den Unglücksort und das Grab des Schauspielers erworben und somit eine virtuelle Pilgerstätte für andere James Dean-Fans besitzt. Und der Titanic-Experte „Elgrande“ hat die genaue Stelle des Untergangs lokalisiert und erworben und kann nun mit anderen Titanic Fans fachsimpeln. Aus meiner Sicht lebt WYP genau von solchen Personen, die eben nicht nur ein Grundstück kaufen, um es evtl. später teuer zu verkaufen, sondern rund um das Grundstück eine Community bilden. Dafür wird es wichtig sein, dass den Usern noch mehr Community-Elemente angeboten werden.

Ich freue mich über die Diskussion im Kommentarbereich über den Sinn dieser Geschäftsidee und die Chancen und Risiken. Ihr seid herzlich eingeladen, mit mir und den Lesern darüber zu diskutieren.

10 Responses to Wenn die Linkspartei das Willy-Brandt-Haus kauft…

  1. Harald sagt:

    Ich verstehe das WYP nicht ganz… Man kauft da auf einer Landkarte eine Fläche, die man sowieso nur auf WYP sehen kann? Das macht doch keinen Sinn, oder?

  2. Hallo Harald,

    das macht dann Sinn, wenn es spannenden Content auf WYP gibt und durch Communityeffekte die Besucher begeistert werden, immer wieder die Plattform zu besuchen. Deshalb ist es aus meiner Sicht entscheidend, ob die Macher von WYP genau das schaffen. Sollten nur „passive“ Mitglieder Grunstücke kaufen und das Ganze nicht mit Leben füllen, dann besäße WYP aus meiner Sicht tatsächlich keine Magnetwirkung.

    Eine weitere wichtige Frage lautet, was Google macht. Sollte Google auf die Idee kommen, Google Earth auch als Werbe- und Communityplattform zu verwenden, dann könnte es eng werden. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass Google auch virtuelle Grundstücke zum Verkauf anbietet. Und so wird WYP noch häufig so spektakuläre Meldungen bringen können wie heute mit der Linkspartei.

  3. Hallo Harald,

    das macht dann Sinn, wenn es spannenden Content auf WYP gibt und durch Communityeffekte die Besucher begeistert werden, immer wieder die Plattform zu besuchen. Deshalb ist es aus meiner Sicht entscheidend, ob die Macher von WYP genau das schaffen. Sollten nur „passive“ Mitglieder Grunstücke kaufen und das Ganze nicht mit Leben füllen, dann besäße WYP aus meiner Sicht tatsächlich keine Magnetwirkung.

    Eine weitere wichtige Frage lautet, was Google macht. Sollte Google auf die Idee kommen, Google Earth auch als Werbe- und Communityplattform zu verwenden, dann könnte es eng werden. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass Google auch virtuelle Grundstücke zum Verkauf anbietet. Und so wird WYP noch häufig so spektakuläre Meldungen bringen können wie heute mit der Linkspartei.

  4. Tobias sagt:

    Hallo Burkhard, die aufgeführten Beispiele in der PM sind tatsächlich eine direkte Umsetzung Deines Ratschlags, vielen Dank nochmals dafür!

  5. Hallo Tobias,

    und genau diese aktiven Grundbesitzer würde ich noch mehr herausstellen und würdigen und zwar in einem extra Kästchen auf er Startseite mit ständigen abwechselnden Best-Practice-Stories. Dadurch erhalten auch die neuen Besucher Anregungen, warum es Sinn machen kann, bei Euch etwas zu erwerben.

  6. […] Burkhard Schneider vom best-practice-business Blog hat unsere letzte Pressemeldung aufgegriffen. Diese Pressemeldung wiederum war maßgeblich von den Tipps beeinflusst, die mir Burkhard in einem längeren Telefonat zuvor gegeben hatte: das Konzept anhand konkreter Einzelbeispiele greifbarer machen. Tatsächlich war diese PM unsere bisher mit Abstand erfolgreichste – nochmals vielen Dank, Burkhard! […]

  7. […] Mitglied sich bereits den gewünschten Ort gesichert und für unverkäuflich erklärt. Ich habe hier im Blog bereits darüber […]

  8. […] Burkhard Schneider hat das Start-up-Unternehmen entdeckt, als die  Plattform vor einem Jahr von Tobias Lampe und Christian Weese eröffnet wurde. Die Gründer der Betreibergesellschaft Value Maps GmbH wurden damals belächelt, schrieb Burkhard. […]

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