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Selbsternteangebot als Cross-Selling-Instrument

Vor einigen Tagen habe ich Regionalfernsehen einen Bericht über das Selbsternteangebot von einem Bauernhof in Hessen gesehen. Das fand ich erst nicht wirklich berichtenswert, können wir hier in Hessen doch schon seit Jahrzehnten Kirsch- und Apfelbäume von Städten und Gemeinden pachten (Nachwuchs dringend gesucht), die berühmten Schrebergärten mieten, die Erdbeeren und Spargel beim Bauern selber pflücken und und und. Doch dann bin ich hellhörig geworden, als der anbietende Bauer im Fernsehbericht den wahren Charme des Angebotes für sich erklärte: Wer bei ihm eine Parzelle pachtet und das Gemüse selbst erntet, der kauft den restlichen Bedarf an bäuerlichen Lebensmitteln auch bei ihm. Damit handelt es sich um ein Cross-Selling-Instrument in Reinkultur.

Das Angebot bei einem Anbieter unter der sinnigen Bezeichnung gartenglück läuft wie geschnitten Brot (ausgebucht) und lautet wie folgt:

  • Eine Parzelle mit 100 qm (50 qm) Größe und ca. 30 Gemüsesorten, Kräutern und Blumen kostet pro Saison (Mai – November) 220 EUR (120 EUR) Pacht.
  • Die Ernte entspricht einem Wert 600,- bis 700,- € (nach Berechnungen der Hessischen Staatsdomäne Frankenhausen) und deckt den Gemüsebedarf einer vierköpfigen Familie.
  • Folgende Sorten werden im April des Jahres u.a. angepflanzt: Kopfsalat, Kürbis, Zuckermais, Fenchel, Zwiebeln, Petersilie, Tomaten, Kartoffeln, Dill, Zuchini
  • Die Sorten werden in etwa 50 langen Reihen nebeneinander ausgesät. Diese Reihen werden später quer unterteilt, wodurch Parzellen entstehen, die alle das gleiche Angebot an Gemüse umfassen.
  • Die Anmeldung erfolgt durch Banküberweisung des fälligen Betrages (= Vorkasse)
  • Ein Grundsortiment an Geräten zur Pflege der Parzelle befindet sich auf dem Acker und Wasser zur Bewässerung wird zur Verfügung gestellt. Für die Pflege und damit auch das Ergebnis ist man selber verantwortlich.
  • Für Missernten, die auf natürliche Bedingungen zurückzuführen sind, kann keine Haftung übernommen werden.

Warum kann sich das Angebot neben dem Cross-Selling-Effekt noch für die Bauern lohnen? Mir sind so einige Ideen gekommen:

  • Durch die Vorkasse erhält man deutlich früher im Jahr die Erträge (Liquiditätseffekt)
  • Das Ernterisiko wird auf den Pächter umgewälzt, was heutzutage nicht mehr ganz trivial ist.
  • Der Absatz ist garantiert und die Erträge sind vergleichbar mit dem Verkauf an den Großhandel.
  • Der Personaleinsatz ist geringer als bei Selbstbewirtschaftung.
  • Den Kunden bietet man ein Halbjahresevent und Kindern Weiterbildung im Rahmen learning by doing.

Alles gar nicht so unspannend für beide Seiten. Mehr Infos zum Selbsternteangebot inkl. der Übersicht von 6 Anbietern in Hessen gibt es hier. Natürlich gibt es solche Angebote auch in anderen Bundesländern (z.B. hier) und selbstverständlich auch schon seit vielen Jahren bei unseren österreichischen Nachbarn, z.B. hier. Den gartenglück-Linktipp habe ich im consulteria-Newsletter gefunden.

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8 Responses to Selbsternteangebot als Cross-Selling-Instrument

  1. […] Geld damit, leere Kapazitäten zu nutzen bzw. zu vermitteln myfarm: Gemüse aus der Nachbarschaft Selbsternteangebot als Cross-Selling-Instrument raumobil – Mitfahrzentrale auch für Dinge Etsy-Internetshop: Produkterstelltung auf Kundenwunsch […]

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  5. […] Verpachtung von Flächen für Selbstanbau durch Privatpersonen (siehe mein Bericht hier) Verpachtung von Flächen für Betrieb eines Golfplatzes Verpachtung eines italienischen […]

  6. chris sagt:

    Da hat das Marketing schon auf dem Bauernhof ausgebreitet und ich finde es schön auch mal einen Beitrag darüber zu lesen der nicht von globalen Multikonzernen im Sinne von Cross-Selling etc geschrieben ist

  7. […] Mieten Sie einen Olivenbaum Immer mehr Bauern entdecken zusätzliche Einnahmemöglichkeiten Selbsternteangebot als Cross-Selling-Instrument Immer mehr Winzer entdecken den Kunden als Geldgeber « In dieser Telefonzelle würde […]

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