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Warum ein Gebäudeschützer Wohnungen zu Spottpreisen vermittelt

Es gibt Mieter, die in in der Innenstadt von London für 140 GBP Miete pro Monat wohnen und das auf mehr als 100 qm Wohnfläche. Ihr haltet das für unmöglich und glaubt, dass ich bei diesem Mietpreis zwei Nullen vergessen habe? Nein, das ist wirklich möglich. Die Firma Camelot vermittelt genau solche Schnäppchen in ganz Europa. Da gibt es z.B. eine Schule in London, die leersteht, bevor sie umfassend saniert wird. Die Verantwortlichen haben sich informiert, was die Beauftragung eines Wachschutzes kosten würde, um Hausbesetzer, Randalierer und Plündere fernzuhalten. 140.000 GBP pro Jahr hätten dafür hingeblättert werden müssen. Nicht so bei bei der Gebäudeschutzfirma Camelot, die auf den Schutz von zeitlich beschränkten, leerstehenden Gebäuden spezialisiert ist.

Im Szenemagazin PRINZ wird die Entstehungsgeschichte von Camelot beschrieben: „Entstanden ist die Idee Anfang der neunziger Jahre, als der BWL-Student Bob de Vilder, heute Marketing Manager von Camelot Europa, eine billige Wohnung suchte. Damals waren illegale Hausbesetzungen ein großes Problem in den Niederlanden. Also schlug Bob, ein großer, jungenhafter Mann mit dem schallenden Lachen eines Menschen, der komplett mit sich und der Welt im Reinen ist, den Gemeinden vor, sich darum zu kümmern, dass die leer stehenden Gebäude bewohnt und bewacht werden. So würden Hausbesetzer genauso abgeschreckt wie Graffiti-Sprayer.“

Mittlerweile vermittelt Camelot leerstehende Gebäude in Europa als die besondere Wohngelegenheit zum Schnäppchenpreis, wie z.B. leerstehende Pubs, Feuerwehrhäuser, Hotels, Wasserschlösser, Botschaftshäuser, Altenheime, Kraftwerke, Schulen etc. Gesucht werden insbesondere Studenten und andere junge Menschen, die „furchtlos“ und nicht besonders anspruchsvoll sind, denn nicht immer gibt es eingerichtete Küchen und Bäder in diesen leerstehenden, schutzbedürftigen Gebäuden. Kinder sind genauso wie Haustiere verboten. Parties mit mehr als zehn Menschen müssen vorher angemeldet werden und die Kündigungsfrist beträgt nur zwei Wochen. Zudem muss man sich das Gebäude meist mit mehreren unbekannten Menschen teilen.

Und welche Restriktion finde ich unpassend? Natürlich, dass man Parties vorher anmelden muss. Solche leerstehenden, öffentlichen Gebäude wären doch ideal für Musikbands, die wenig Geld für Miete haben und gleichzeitig einen Übungsraum suchen, in dem sie ungestört üben können, zu jeder Tages- und Nachtzeit. Und die natürlich auch einen Location suchen, um Konzerte zu veranstalten, bis sie genug Fans für große Konzerthallen haben. Das wäre doch richtig cool und damit könnten die Städte doch gleichzeitig Kulturförderung durchführen 🙂 Ihr glaubt, es ist ein Nischenmarkt? Mittlerweile gibt es 40 solcher Firmen, wobei Camelot mit zehn Prozent Marktanteil die größte ist. Und jetzt kommt Camelot auch nach Deutschland.

15 Responses to Warum ein Gebäudeschützer Wohnungen zu Spottpreisen vermittelt

  1. Matthias sagt:

    Hallo Burkhard,

    hört sich nett (und günstig!) an, tolle Idee. Hast du denn Links zu den anderen Firmen, die soetwas anbieten?

  2. Hallo Matthias,

    suche einfach bei google nach „protection of vacant properties“ und du findest viele Wettbewerber von Camelot.

    Gruss

    Burkhard

  3. Marc sagt:

    Hallo zusammen,

    gibt es einen Anbieter in Italien?

  4. Hallo Marc,

    ist mir bei der Recherche nicht über den Weg gelauben. Die Anbieter tummeln sich eher in GB, Benelux, Frankreich und jetzt eben auch Deutschland.

    Gruss

    Burkhard

  5. Hendrik sagt:

    Hallo ,

    eigentlich ist das “ Besetzen “ , im niederl. auch „kraaken“ von Gebäuden in den Niederlanden eher aus der Not heraus entstanden. Durch den geringen Wohnraum eines Landes mit hoher Bevölkerungsdichte, sollten die Gebäude denjeneigen nutzbar gemacht werden, die keinen Wohnraum haben. – Und zwar kostenlos! bis der Eigentümer eine Verwendung findet. Daher finde ich das Konzept für andere Länder ( mit geringere Bevölkerungsdichte ) nicht schlecht, dennoch wird auch eine tolerante und liberale Idee beschnitten.

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