In Geschäftsidee

Unternehmer-Erfolgsstory direkt nach dem Mauerfall

Heute gibt es in den Medien (fast) kein anderes Thema als der Mauerfall vor genau 20 Jahren. Fast jeder Journalist geht derzeit auf die Suche nach spannenden Stories rund um dieses historische Ereignis. Mich interessieren natürlich am meisten StartUp-Stories von Ostunternehmern, die direkt nach dem 9. November durchstarteten und heute noch aktiv und erfolgreich sind. Fündig geworden bin ich bei Welt-Online. Hier erzählt Hans Evert die Erfolgsstory von Mathias Wolfram, der direkt nach dem Mauerfall 5 gebrauchte Kopiergeräte von einem Copy-Shop-Inhaber in Essen für 10.000 DM abkaufte und im Schlafzimmer der Privatwohnung in Ost-Berlin aufbaute. Für 50 Pfennig verkaufte er jede Kopie. Zu seinen ersten Kunden gehörten u.a. die SPD Ost. Die Idee entstand zwei Jahre zuvor:

„Es war 1987, Wolfram hatte Besuch von einem Bekannten aus dem Westen. Man saß zusammen in der „Letzten Instanz“, einer Kneipe in der alten Berliner Mitte. Sie redeten über den Alltag im Osten, den Mangel und die alten Herren, die das Totenschiff DDR steuern. Wolframs Freund legte irgendwann ein rot umrandetes Magazin auf den Tisch, ein Exemplar des „Spiegels“. „Da steht was über Euer Land drin, kopier’ es Dir“, sagte der Mann aus dem Westen. Wolfram schaute ihn entgeistert an. „Kopierladen“ war kein Bestandteil im Vokabular eines Ostlers. Wolfram ärgerte sich nur kurz über diese weitere Einschränkung, die ihm, dem DDR-Bürger, in jenem Augenblick bewusst wurde. Sein nächster Gedanke war: „Kopieren ist doch ein Bedürfnis vieler, das ist ein riesiger, ungesättigter Markt.“

Warum gefiel mit diese Story so gut? Weil es ein guter Beweis dafür ist, dass jede Idee Zeit braucht, um reifen zu können. Weil es zeigt, dass nicht jeder Ost-Gründer nach der Wende mit Bananen und Hifi-Anlagen auf Wochenmärkten handelte. Weil man auch im Schlafzimmer die Basis für ein erfolgreiches Mittelstandsunternehmen aufbauen kann und nicht immer eine Garage braucht. Weil sich Mathias Wolfram weiterentwickelt hat und heute ein Bürokommunikationshaus mit rund 30 Mitarbeitern und 9 Azubis sein eigen nennen kann. Weil es zeigt, dass es auf die Story und das Timing ankommt und nicht auf die Geschäftsidee, um einen großen Artikel in einer überregionalen Zeitung zu erhalten.

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