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Deutschland braucht mehr Geschäftsmodelle, die den Gemeinschaftssinn fördern

Wissen Sie, wie Bausparkassen entstanden sind? Ursprünglich taten sich mehrere Häuslebauer zusammen und bauten gemeinschaftlich das erste Haus und dann das zweite Haus und so weiter bis alle Häuser des Freundeskreises fertiggestellt waren. Da sich nicht immer Menschen zusammenfanden, die selber nicht in der Lage waren, bei der Erstellung eines Hauses zu helfen, wurde der kollektive Spargedanke „geboren“. Demnach gaben zehn Mitglieder jedes Jahr 1/10 des nötigen Gesamtbetrages in einen Topf und ermöglichten somit den Bau des ersten Hauses und so weiter. Das System wurde professionalisiert und so wurde 1775 die erste Bausparkasse in Birmingham gegründet. Nach dem ersten Weltkrieg begann der Bauspar-Boom auch in Deutschland.

Aus meiner Sicht könnten viele gesellschaftliche Probleme gelöst werden, wenn diese Idee des Gemeinschaftssinns wieder reaktiviert werden würde. Ein gutes Beispiel dafür ist die Seniorengenossenschaft im schwäbischen Riedlingen. Vor knapp 20 Jahren hatte Josef Martin die Idee für diese Genossenschaft mit Gemeinschaftssinn. Martin stellte fest, dass viele Senioren nicht genügend Geld oder einen ausreichenden Versicherungsschutz hatten, um im hohen Alter menschenwürdig gepflegt zu werden. Während früher Familienangehörige diese Aufgabe übernahmen, fällt diese Variante heute immer häufiger weg. Und auch die Pflichtpflegeversicherung ermöglicht meist keine Pflege im Alter mit Würde. Die Lösung ist dabei sehr einfach: Junge Rentner pflegen pflegebedürftige Rentner und erarbeiten sich somit ein Anrecht, selber später durch Mitglieder der Genossenschaft gepflegt zu werden. Kerstin Friemel erläutert in einem brandeins-Artikel das Lösungskonzept:

„In Riedlingen hat eine Seniorengenossenschaft eine Antwort auf die Frage gefunden, die immer mehr Menschen beschäftigt: Wie können wir uns ein Altern in Würde leisten? In der badenwürttembergischen Kleinstadt helfen engagierte Bürger und fitte Senioren seit nahezu zwei Jahrzehnten gebrechlichen Alten – ebenso zuverlässig, aber persönlicher als die professionellen Anbieter. Und wesentlich billiger, obwohl auch die Helfer eine Gegenleistung bekommen: entweder einen Stundenlohn von 6,15 Euro oder das Versprechen, für jede geleistete Stunde Arbeit in der Zukunft selbst eine Stunde Dienstleistungen in Anspruch nehmen zu können. Umsorgte ohne Stundenkonto bezahlen für den Service eine Pauschale von 8,20 Euro pro Stunde an die Genossenschaft. Wer sein Guthaben nicht braucht, kann sich den Gegenwert auszahlen lassen oder sein Konto vererben.“

Ich empfehle jedem, den Artikel von Kerstin Friemel ganz durchzulesen. Denn hier wird anschaulich erläutert, auf welche Widerstände Martin zu Beginn mit seiner Idee gestoßen ist. Viele befürchteten, dass die Genossenschaft den Pflegediensten und karitativen Einrichtungen Konkurrenz machen würden. In Wirklichkeit stellen die Leistungen der Genossenschaft eine Ergänzung dar, denn der Pfleger des Pflegedienstes bekommt kein Geld dafür, einfach mal mit dem Pflegebedürftigen zu reden und sich seine Sorgen anzuhören. Mittlerweile gibt es zahlreiche Copy Cats in Deutschland. Die Seniorengenossenschaft Riedlingen gilt mittlerweile als mustergütliges Modellprojekte und wird von Experten aus fast der ganzen Welt besucht. Es wird Zeit, dass die Politik dafür sorgt, dass den Machern solcher Modellprojekte keine Steine (auch durch sie selber) in den Weg gelegt werden, sondern diese Projekte tatkräftig unterstützen.

9 Responses to Deutschland braucht mehr Geschäftsmodelle, die den Gemeinschaftssinn fördern

  1. Martin sagt:

    Ja, diese Forderung kann ich nur unterstreichen. Ich suche auch händeringend nach Mit-Unternehmern für ein am Allgemeinwohl orientiertes Unternehmen siehe .

    Aber viele suchen nach einer sicheren Geldverdienstquelle beispielsweise bei Grossunternehmen und staatlichen Instutionen, anstatt Risiken einzugehen. Nicht zuletzt wirde der Wert einer Arbeit bei sehr vielen heute nicht am Sinn gemessen, sondern vor allem am Geld, das man mit der Arbeit verdienen kann und am Prestige des jeweiligen Unternehmens.

  2. Martin sagt:

    nochmal jetzt mit der entsprechenden Adresse.

    Ja, diese Forderung kann ich nur unterstreichen. Ich suche auch händeringend nach Mit-Unternehmern für ein am Allgemeinwohl orientiertes Unternehmen siehe http://www.onlinetechniker.de/?q=node/116.

    Aber viele suchen nach einer sicheren Geldverdienstquelle beispielsweise bei Grossunternehmen und staatlichen Instutionen, anstatt Risiken einzugehen. Nicht zuletzt wirde der Wert einer Arbeit bei sehr vielen heute nicht am Sinn gemessen, sondern vor allem am Geld, das man mit der Arbeit verdienen kann und am Prestige des jeweiligen Unternehmens.

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