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Wo liegen die Grenzen von Geschäftsideen auf Basis von Crowdsourcing?

Vor einigen Tagen habe ich hier im Blog über das Pilotprojekt bing.buddy von DHL berichtet. Im Rahmen dieses Projektes soll jeder die Chance haben, Paketbote zu werden und damit seine Nebenverdienste aufzubessern. Auch im Rahmen dieser Crowdsourcing-Idee wird darüber diskutiert, wieviele Leistungen an „wildfremde“ Dritte ausgelagert werden können und wie der Datenschutz eingehalten werden kann. Noch viel heikler ist dieses Thema bei der Idee „Internet Eyes“. Hier haben Crowds die Möglichkeit, Ladendetektiv „zu spielen“, indem sie Zugriff auf die Videoaufzeichnungen der teilnehmenden Geschäfte haben und bei verdächtigen Handlungen „Alarm“ schlagen soll. Das kommt der Schreckensvision von Georg Orwell schon sehr nahe. Zudem klingt alles zudem nach Ausbeuterei, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet:

„75 Pfund kostet es monatlich, sein Geschäft von Internet Eyes überwachen zu lassen. Und auch die Nutzer zahlen: Für knapp 13 Pfund im Jahr können sie zu Hobby-Ladendetektiven am Bildschirm werden. Ihr Lohn ist mickrig: Für mehr als 60 Monatsstunden erhalten sie 1,50 Pfund. Jeder erfolgreiche Hinweis gibt zwar Bonuspunkte – doch nur der erfolgreichste Internet-Spion kassiert am Ende des Monats die ausgelobte Prämie von 1000 Pfund (umgerechnet etwa 1150 Euro). Für britische Einzelhändler könnte sich ein solches Outsourcing allerdings durchaus lohnen: Die Branche investiert pro Jahr 977 Millionen Pfund, um Warendiebstahl zu verhindern; Sicherheitsleute erhalten den gesetzlichen Mindestlohn. Seit Oktober wird die Internet-Überwachung in 30 Geschäften getestet, unter anderem in Spar-Märkten.“

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Wenn man den Artikel der Süddeutschen aufmerksam durchliest, merkt man schnell, was das Perfide an dieser Idee ist: Es soll der gesetzliche Mindestlohne der Ladendetektive umgangen werden und die Hobby-Detektive mit einem Trinkgeld abgespeist werden. Genau solche Projekte bringen die gründsätzliche gute Idee des Crowdsourcings in Misskredit. Um davon abzulenken, dass von diesem Projekt im wesentlichen nur der Initiator der Idee profitiert, lenkt er geschickt ab: „Die kleinen Läden an der Ecke sterben“, sagt Internet-Eyes-Geschäftsführer Tony Morgan, „viele müssen pro Woche Waren im Wert von 500 Pfund abschreiben.“ Aha, als Held der Einzelandelsgeschäfte um die Ecke will er also gefeiert werden, so, so. Und über eins haben noch gar nicht geredet, nämlich über den Datenschutz.

Es müsste schon an vielen Stellschrauben gedreht werden, damit das Angebot von „Internet Eyes“ als wirklich interessant eingestuft werden könnte. Zuerst müsste natürlich der Datenschutz sichergestellt werden und Videodaten zur Verfügung gestellt werden, die das Gesicht der Ladenbesucher unkenntlich machen. Moderne Software müsste dazu eigentlich in der Lage sein. Dann müssten die Hobbydetektive fair entlohnt werden. Und zudem müsste ein Weg gefunden werden, wie auch die Ladendetektive weiterhin einer sinnvollen Beschäftigung zum fairen Lohn nachgehen können. Nur wenn eine Idee von allen Seiten der Beteiligten beleuchtet und durchdacht wird, kommt meist ein gutes Ergebnis heraus. Der Rest ist Flickschusterei.

5 Responses to Wo liegen die Grenzen von Geschäftsideen auf Basis von Crowdsourcing?

  1. Johannes sagt:

    Mich würde vor allem interessieren, wie denn die Hobby-Dedektive entlohnt werden? Schreiben diese Rechnung, sind sie bei Internet-Eyes angestellt und bekommen für den Niedriglohn auch soziale Leistungen bezahlt – oder was gibt es da für lohnsteuergerechte Lösungen? Grüße, Johannes

  2. […] Wo liegen die Grenzen von Geschäftsideen auf Basis von Crowdsourcing?: Vor einigen Tagen habe ich hier im Blog über das Pilotprojekt bing.buddy von DHL berichtet. […]

  3. […] Woche haben wir hier im Blog darüber berichtet, dass man in England als Hobbydetektiv via Internet auf die Suche nach […]

  4. Links C…

    „Operation Bling“: Geld raus, wir sind Anonymous Something fishy about this ice creamÂ… Carrefour Italien wirbt mit ferngesteuerten Einkaufswagen Kundennähe rentiert sich eben doch Wechselgeldversorgung wird für den Handel jetzt teuer Superm…

  5. Tusoalsob sagt:

    WAs man mal wieder nicht berükichtige, das der Mentsch Anpassungsfähig und intiligent ist.

    Dann meldet sich der FReund des Landendibes halt als Überwacher an und weis ja welche Kameras er überwachen soll und bei wem er bewuse Wegschauen kann. Ohne Ausbildung kann es wohl auch keine REchtliche Strafe für übersehene Diebstähle geben, und so kann der Dieb trotz Kameraüberwachung wieder in kleinen Ramen klauen ohne Bemerkt zu werden.

    Merke, wenn ale Leute alle Überwachen, überwachen auch Diebe ihre eigenen Diebstähle.

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