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Wie Alain Dominique Perrin das Camping neu erfinden will

Woran denken Sie, wenn Sie das Wort „Camping“ hören? Ich denke an Dauercamper mit Bierbauch und Grillzange, an Schrebergartenromantik, veraltete sanitäre Anlagen und trüber Stimmung im Wohnwagen bei schlechtem Wetter. Ich gebe zu, dass mein Bild von dieser Form des Urlaubes sehr klischeehaft ist, aber auch meine häufigen Spaziergänge, die an einem Campingplatz in Frankfurt vorbeiführen und die Erzählungen von Freunden haben eher das Bild verstärkt als verblasst, das ich vom Urlaub auf dem Campingplatz habe. Doch jetzt habe ich die ersten Bilder eines Campingplatzes auf einer Insel in Nordwestfrankreich gesehen, die mir wieder Hoffnung machen. Das Ganze sieht eher nach einem Cluburlaub mit kleinen Zelthäusern als nach Campereinerlei aus.

Die Entstehungsgeschichte des neuen Urlaubkonzeptes „Original Camping“ ist schnell erzählt: Alain Dominique Perrin, ehemaliger Geschäftsführer von Cartier und der Gruppe Richemont sowie großer Fan der Insel Noirmoutier, bewirbt sich 2007 um die Übernahme des städtischen Campingplatzes La Guérinière. Im Januar 2008 wird ihm das Management des Campingplatzes übertragen und nun beginnt eine Phase größerer Investitionen, um die gesamten Gebäude zu renovieren und zu sanieren. Um die Küste zu bewahren und die Flora und Fauna zu schützen, lässt er 4000 Bäume auf dem Campingplatz anpflanzen. Parallel dazu testet er als mögliche Alternative zu den Mobilheimen ein neues Angebot von Mietunterkünften, ausschließlich aus Zeltplanen und Holz. Im Jahr 2010 wird dieser etwas andere Campingplatz eröffnet.

Mit seinen Unterkünften aus Zeltplanen und Holz und bald neuartigen und exklusiven Hütten, die nach und nach die Mobilheime ersetzen werden, spricht das „Original Camping“ – Angebot eher den gehobenen und anspruchsvollen Touristen mit Familie an, der ansonsten Cluburlaub oder Kreuzfahrtschiffromantik gebucht hat. Das Angebot ist entsprechend: Geheizte Freibäder, Tennisplatz, Tischtennis, Minigolf, Wassersport (Tubing, Kajak uvm.), WLAN. In 2011 werden ein Segelklub für Erwachsene und ein Strandklub für Kinder neu eröffnet. Während die bisherigen Freizeitangebote kostenfrei genutzt werden konnten, werden für die Klubs Mitgliedergebühren erhoben, um das wachsende Angebot auch finanzieren zu können.

„Original Camping“ ist wieder ein gutes Beispiel dafür, wie ein ganz neues Angebotssegment errichtet wurde, um neue Zielgruppen anzusprechen und den alten Muff zu vertreiben. Mich erinnert das Angebot an eine Mischung aus Cluburlaub, Ferienhaussiedlung und Beach-Club. Auch in diesem Fall wurde nichts neu erfunden, sondern Komponenten bestehender Angebote neu gemischt. Das hat den Vorteil, dass man nicht komplettes Neuland betritt, weil die einzelnen Komponenten ihren Markttest bereits erfolgreich bestanden haben, wenn auch nicht in dieser Zusammensetzung. Die neue Zauberformel lautet: Mix it again!

14 Responses to Wie Alain Dominique Perrin das Camping neu erfinden will

  1. Mueller sagt:

    DAS ist ja kaum noch das camping, was wir deutschen darunter verstehen, so könnte ich mir meinen Urlaub auch vorstellen. Es muss eben auch mal ein bisschen edler sein. Erinnert mich ein bisschen an der englische Patient

  2. Das hat wirklich nix mehr mit Camping zu tun. Vor kurzem hab ich auch ne Website mit solch einem Agebot in D gesehen. CIh finde die Idee Großartig und sowas lohnt sich auf jeden Fall.

    LG, Sebastian

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