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Whatsapp schweigt und genießt

In der Web-Gründerszene haben sich in den letzten Jahren einige Dogmen gebildet. Eine wichtiges Glaubensbekenntnis lautet: Traue keinem (Gründer) über 30. Eine andere Regel lautet: Pusche Deine Bekanntheit, indem Du auf jeder Konferenz und in jedem Tech- und StartUp-Blog Rede und Antwort stehst und möglichst jedem ein „Exklusiv-Interview“ gibst. Und weiter gilt: Entwickle eine hübsche Gründerstory und veröffentliche sie auf Deiner Webseite, damit Du den Gründerspirit an jeden Kunden versprühst. Aber es scheint, dass diese Regeln langsam verblassen und es Gründer gibt, die vielleicht genau deshalb genau das Gegenteil machen. Ein Beispiel gefällig? Die Gründer von Whatsapp, die mit ihrer App mit dafür sorgen, dass Telkomkonzerne tief einschneidende Rückgänge bei Ihren Umsätzen mit SMS-Diensten verzeichnen müssen, sind eher die Geheimniskrämer:

„Brian Acton und Jan Koum sind nicht das typische Gründerduo, wie es im Silicon Valley tausendfach anzutreffen ist. Sie sind in den 30ern, nicht Anfang 20. Offizielle Fotos gibt es nicht. Sie scheuen die Medien und erzählen nicht alle fünf Minuten auf einer Konferenz oder im Gespräch mit einem Tech-Blogger von ihren Errungenschaften. Sie bauen ein rasch wachsendes Startup auf und sind auf dem besten Weg, das lukrative Geschäft mit Kurznachrichten der Telekombranche zu pulverisieren. Werbung gibt es nicht, und dennoch gewinnt der Handy-Kurznachrichtendienst Whatsapp weltweit rasant Nutzer dazu.“ Diese Erkenntnisse veröffentlicht Helene Laube in einem am Mittwoch erschienen Artikel mit dem Titel „Die mysteriöse Story von Whatsapp“ in der FTD.

Helene Laube hat dann doch ein paar Hintergrundinfos ausfindig machen können: „Acton und Koum lernten sich bei Yahoo kennen, wo sie jahrelang am Ausbau der IT-Infrastruktur und an mobilen Anwendungen des Webkonzerns arbeiteten. Whatsapp-Chef Koum verließ Yahoo 2008 und entwickelte den Whatsapp Messenger. Dann holte er Acton dazu. 2009 gründeten sie die Firma. Sie verdient Geld mit dem Verkauf der App und erzielt einen positiven Cashflow.“ Damit ist doch ein Dogma bestätigt, dass nämlich die Riesen im Silicon Valley indirekt Starthilfe für viele Startups geben, indem dort die Mitarbeiter top ausgebildet werden, ihr Netzwerk aufbauen können und dann auf eigene Faust durchstarten. Und deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass Whattsapp seinen Firmensitz im Silicon Valley hat.

Allerdings wird wieder mit einer anderen Regel gebrochen. Whatsapp verdient keine Umsätze mit dem Verkauf von Daten an Marktforschern oder mit der Einblendung von Werbenachrichten. Das Geld wird alleine damit verdient, dass die App einmalig für 0,99 USD an die iPhone-User verkauft wird. Die können zwar kostenlos SMS an andere iPhone-User senden, aber eben nicht an User von Smartphones anderer Hersteller. Diese User können die Whatsapp sogar im ersten Jahr kostenlos nutzen, müssen dafür aber danach 0,99 USD pro Jahr Nutzungsgebühr bezahlen. Durch dieses Preismodell mach Whatsapp kurz- und langfristig genug Umsatz, um nahezu von Beginn an satte Gewinne einzufahren. Das ist möglich, weil die neue Generation von Gründern ihr Unternehmen häufig als Lean-StartUp gründen und damit keine hohen Fixkostenblöcke haben.

2 Responses to Whatsapp schweigt und genießt

  1. […] das könnte ein gutes Omen sein. Erinnern wir uns an die Anfänge von dem “SMS-Killer” Whatsapp. Damals haben sich die Gründer auch eher mit Infos und Ankündigungen in der Öffentlichkeit […]

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