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Crowdinvestingplattform Welcome Investment will vieles anders machen

Sie ist anscheinend nicht mehr aufzuhalten, die Welle an Crowdinvestingplattformen in Deutschland, die gerade auf uns zuschwimmt. Gründerplus hat seit einigen Tagen ihr Mindestziel von 50.000 EUR Beteiligungskapital erreicht und wird dementsprechend bald ECommerce-Startups die Möglichkeit bieten, auf ihrer Plattform Beteiligungskapital zu suchen. DEVEXO (Deutsche Venture Exchange) wird am 15.6.2012 um 10.00 Uhr starten und zählt auf der Webseite schon die Tage, Minuten und Stunden herunter. Weitere Teams haben bereits mit mir Kontakt aufgenommen und angekündigt, zeitnah im Crowdinvestingmarkt durchzustarten. Da wird es nicht nur langsam kuschelig, sondern die Herausforderung für die Newcomer wird darin bestehen, sich von den etablierten Playern abzugrenzen und ebenfalls eine Daseinsberechtigung zu finden.

Interessant finde ich, dass noch keine Crowdinvestingplattform mit Sitz in Frankfurt (Finanzhauptstadt) oder Berlin (Web-StartUp-Hauptstadt) an den Start gegangen ist. Aber das soll sich bald ändern, zumindest was Berlin angeht. Jörn Kunst und Michael Urbansk sind Gründer und Geschäftsführer der WLCM UG, die in Zukunft die Crowdinvestingplattform Welcome Investment betreiben will. Da die Gesellschaft selber noch sehr kapitalschwach zu sein scheint (warum gründet man ansonsten in der Rechtsform einer UG?), wird im ersten Schritt Beteiligungskapital von Außen gesucht. Ab 1.000 EUR soll man sich in Form einer stillen Beteiligung und ab 25.000 EUR direkt am Unternehmen beteiligen können. Auf diesem Weg sollen insgesamt 300.000 EUR eingesammelt werden, die mit Hilfe eines Partners auf 1 Mio EUR hochgehebelt werden sollen. Und wofür? Diese Summe soll als Eigenkapitalhebel für Förderungen verwendet werden, was das auch immer heißt.

Natürlich reicht heute eine UG und eine Webseite nicht mehr aus, um Beteiligungskapital einzusammeln. Es braucht schon ein überzeugendes Konzept und USP. Folgendes will WLCM anders machen als die Wettbewerber:

  • Auf Welcome Investment sollen sich nicht nur Investoren und Business Angels an StartUps beteiligen können, sondern auch Dienstleister. Als Gegenleistung für ihre Leistung sollen sie eine stille oder direkte Beteiligung bzw. eine Beteiligung am Gewinn des Unternehmens erhalten.
  • Welcome Investment will keine Vorauswahl betreiben sondern grundsätzlich allen StartUps die Möglichkeit geben, Beteiligungskapital auf ihrer Plattform einsammeln zu können. Damit wollen sie nicht weniger als die völlige Demokratisierung der Eigenkapitalbeschaffung durchführen.

Da soll keiner behaupten, Jörn Kunst und Michael Urbansk hätten keinen Mut und keine neue Ideen. Man darf gespannt sein, wie schnell die beiden die Notwendigkeit erkennen, doch in den Matchingprozess einzugreifen, um Investoren und StartUps vor zu vielen unliebsamen Überraschungen zu schützen. Ich hoffe, dass weitere Profis eingebunden werden, um das Konzept zu verfeinern bzw. weiterzuentwickeln. Denn es gehört aus meiner Sicht zu einer Königsdisziplin, wenn sich Lieferanten und Dienstleister an einem Unternehmen beteiligen. Hier kann viel falsch gemacht werden, wenn die Erwartungen zu weit auseinanderklaffen oder später weitere Leadinvestoren gewonnen werden sollen. Zudem bin ich gespannt, welche Eigendynamiken entstehen, wenn die Beteiligungskonzepte von allen bewertet bzw. benotet werden können. Das kann auf konstruktive oder destruktive Art und Weise geschehen. Und ich bin gespannt, ob evtl. Pleiten Auswirkungen auf die gesamte Crowdinvestingbranche haben wird, indem z.B. der Markt von den Aufsichtsbehörden in Zukunft zu stark reguliert werden sollte. Ich hoffe, es sind sich alle Beteiligten bewusst, was gerade auf dem Spiel steht.

Und natürlich ist obiges Konzept noch nicht das Ende der „Fahnenstange“. Denn der wichtigste Finanzierungspartner wurde bisher von den Crowdinvestingplattformen noch ausgeklammert. Das ist der Kunde! Man muss kein Prophet sein um vorherzusagen, dass es bald Crowdfundingplattformen geben wird, auf denen sich alle Stakeholder des StartUps beteiligen bzw. es finanziell unterstützen können. Für mich ist der überzeugendste Proof of Concept immer noch, wenn Kunden vom Angebot überzeugt wurden und sich finanziell verpflichtet haben, ober über Anzahlungen oder in anderer Form. Weiterhin muss man kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass bald auch weniger gute Nachrichten aus der Crowdinvestingszene kommen werden. Ich will nicht missverstanden werden. Ich bin ein Freund von Innovationen und neuen Ideen, die ausprobiert werden. Aber beim Geld hört nicht nur die freundschaft, sondern auch der Spaß auf.

5 Responses to Crowdinvestingplattform Welcome Investment will vieles anders machen

  1. Jörn Kunst sagt:

    Hallo Herr Schneider,

    es freut uns, dass Sie sich unserem Konzept gewidmet haben. Sie haben zudem vollkommen recht, was die Herausforderungen von uns und den weiteren Crowdinvesting-Plattformen angeht. Z.B. folgendes Zitat:

    „Man darf gespannt sein, wie schnell die beiden die Notwendigkeit erkennen, doch in den Matchingprozess einzugreifen, um Investoren und StartUps vor zu vielen unliebsamen Überraschungen zu schützen. Ich hoffe, dass weitere Profis eingebunden werden, um das Konzept zu verfeinern bzw. weiterzuentwickeln.“

    Sehr richtig! Das haben wir selbstverständlich schon lange erkannt und beziehen daher bereits wichtige Businesspartner mit ein. Als neuer, aber noch nicht aufgeführter Partner ist z.B. RBS RoeverBroennerSusat zu nennen, eine sehr renommierte Wirtschafts- und Steuerkanzlei, die uns und unsere Nutzer fachlich unterstützen wird. Im Gegensatz zu anderen Plattformen möchten wir diesen Part nicht selber übernehmen, sondern uns lieber auf das konzentrieren, was uns ausmacht und wo wir gut sind. In den Matchingprozess werden wir entsprechend auch weiterhin nicht eingreifen, sondern bessere Lösungen für alle Beteiligten anbieten.

    Sie haben auch unsere Firmung als UG angesprochen. Stimmt, wir sind ein Startup und kennen daher auch die Belange der jungen Unternehmen recht gut. Und mit der eigenen Finanzierung wird es schon noch was werden, da sind wir uns sehr sicher. Wer gerne mitmachen möchte, darf sich gern noch bei mir melden.

    Herzliche Grüße aus Berlin
    Jörn Kunst

  2. Hallo Herr Kunst,

    danke für diesen Kommentar. Denn genau deshalb blogge ich. Nicht, weil ich die Weisheit mit Löffeln gefressen habe, sondern weil ich einen Standpunkt habe, den ich gerne erläutere und das als Ausgangspunkt für eine spannende Diskussion ansehe.

    Folgende zwei Fragen hätte ich an Sie:

    1. Wie wollen Sie die 1 Mio EUR konkret einsetzen, die sie einsammeln und hebeln wollen? Wollen Sie sich damit an StartUps, die auf Ihrer Plattform Geld suchen, beteiligen?
    2. Haben Sie für dieses Beteiligungsangebot einen von BAFIN geprüften Prospekt (Stichwort 100.000 EUR Grenze gemaß Wertpapierverkaufsprospektgesetz).

    Zudem freue ich mich, wenn Sie mich auf Ihren PR-Verteiler setzen. Wie Sie dem Blog hier entnehmen können, beschäftige ich mich seit Beginn mit dem Thema Crowdfunding (150+ Artikel) und wie Sie meinem Lebenslauf entnehmen können, beschäftige ich mich seit 1988 (Beginn meiner Banklehre) mit der Finanzwirtschaft.

    Gruss

    Burkhard Schneider

  3. Jörn Kunst sagt:

    Hallo Herr Schneider,

    Sie machen auch einen guten Job und es können sich alle Startups freuen, dass Menschen wie Sie überhaupt über die Szene berichten. Vielen Dank also mal von Gründerseite.

    Zu Ihren Fragen:

    zu 1) Um an bestimmte „Fördermittel“ zu gelangen, benötigt man oft bereits eine Eigenkapitalbasis als Sicherheit. Klingt verrückt, ist aber leider so. Diese Basis möchten wir durch unsere eigene Finanzierung schaffen. Die eingeworbenen Gelder werden wir ausschließlich für unseren eigenen Auf- und Ausbau verwenden, nicht für Investments in andere Unternehmen. Eine Förderung zu bekommen und diese dann für Investments einzusetzen, wäre auch schon ein hartes Stück.

    zu 2) Mit unserem Finanzierungsmodell benötigen wir kein BAFIN geprüftes Prospekt, da wir die notwendigen Bestimmungen selbstverständlich einhalten.

    Ich habe Sie mit in den PR-Verteiler aufgenommen. Wenn Sie weitere Fragen haben, melden Sie sich gern bei mir.

    Herzliche Grüße
    Jörn Kunst

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