In Geschäftsidee, Idee - Customizing

3. Platz Frankfurter Gründerpreis: Dein-Kindergeschirr.de

Der 3. Platz des Frankfurter Gründerpreises war dieses Jahr sicherlich eine Überraschung. Denn mit Dein-Kindergeschirr.de hat Nicola Hoensbroech im Dezember 2011 eine Nebenerwerbsgründung in Frankfurt hingelegt, ohne bisher sozialversicherungspflichtig Angestellte zu haben. Insider hätten ihr wegen der geringen Erfolgsaussichten vielleicht sogar abgeraten, am Wettbewerb teilzunehmen oder zumindestens mit der Gründung noch einen Monat länger zu warten. Warum. Beim Frankfurter Gründerpreis zählen weniger Business Pläne sondern vielmehr die bisherigen Ergebnisse. Ein Unternehmen, das am Anfang des Jahres gegründet hat, hat deshalb deutlich bessere Erfolgschancen als ein Unternehmen, das am Ende des Jahres gegründet wurde. Zudem ist die Zahl der geschaffenen Arbeitsplätze ein wichtiges Kriterium und auch hier kann Dein-Geschirr noch nicht glänzen.

Warum hat es Nicola Hoensbroech trotzdem in diesem Jahr trotzdem aufs Treppchen geschafft? Zum einen waren die Juroren begeistert, dass sie schon drei Monate nach Gründung den Break Even erreicht hat. Das liegt natürlich daran, dass die Fixkosten sehr niedrig sind. Grund dafür ist die Branche (E-Commerce) und das Gründungsprinzip „Gründen nach Komponenten“. Prof. Faltin hätte einen Spaß an dieser Gründung. Von der Produktion bis zur Logistik ist bei o.g. Gründungskonzept alles ausgelagert. Hinzu kommt, dass Nicola Hoensbroech ihr Unternehmen gegründet hat, obwohl sie Mutter von drei Kindern im Alter von einem, drei und fünf Jahren ist. Gerade topausgebildete Mütter haben es auch heute noch schwer, nach einer längeren Baby-Pause wieder einen Job zu finden, der ihren Fähigkeiten entspricht. Diesbezüglich kann eine Selbständigkeit vor allem nach dem Prinzip „Gründen in Komponenten“ eine ideale Alternative darstellen. Das wollten die Juroren mit dieser guten Platzierung wohl auch aufzeigen.

Aber worum geht nun bei dieser Geschäftsidee? Konkret kann jeder sein eigenes Kindergeschirr (Teller, Tassen, Untersetzer) mit Hilfe eines Konfigurators selber designen, personalisieren und anschließend in der Liefermenge eins herstellen und zusenden lassen. Deshalb ist es nahezu folgerichtig, dass der Hersteller aufgrund der kleinen Losgröße und langen Lieferzeit nicht in Asien sondern in Deutschland sitzt. Topkunden sind nach Nachfrage bei der Gründerin die Eltern selbst, weniger die Tanten und Großeltern der Kinder. Erfolgreichste Marketinginstrumente sind derzeit Online-PR, Google-Suchmaschinenoptimierung, Google AdWords und Weitempfehlungen. So ist es z.B. sehr hilfreich, dass das Kindergeschirr den Kindern häufig zum Geburtstag geschenkt wird und damit andere Eltern auch diese etwas andere Geschenkidee aufmerksam werden.

Und wie kommt man auf solch eine Geschäftsidee? Die Gründerin erläutert das auf ihrer Webseite: „Wunderbare Dinge wurden uns geschenkt zur Geburt unserer ersten Tochter. Doch das, was wir wohl am meisten hätten gebrauchen können, war nicht dabei: Schönes, schlichtes Kindergeschirr. Dabei ist das doch ein ideales Geschenk– etwas, das man täglich nutzen kann! Nach einer ersten Recherche wurde mir schnell klar, warum: Im Markt gibt es wenig, das einen wirklich überzeugt. Die meisten Geschirre sind zu bunt, zu grell, zu voll. Und bei manchen ist zwar das Muster schön, aber die Qualität miserabel. Kurz: Gute Geschirre sind nicht leicht zu finden. „Am besten wäre es doch, wenn man hochwertiges Kindergeschirr selbst designen könnte. Und dabei mit schönen Vorlagen unterstützt würde“, dachte ich mir schnell. Die Idee von DeinKindergeschirr.de war geboren. Nun, einige Jahre nach dieser allerersten Idee und weitere 2 Töchter später, wird der Traum Realität.

Nach Aussage der Gründerin sind die Topseller ganze Kollektionen bestehend aus Teller, Tasse und Untertasse. Zudem werden auch gute Umsätze außerhalb des Mass Customized Segments gemacht: Bei DeinKindergeschirr können die Kunden auch bekannte und beliebte Geschirre aus Kunststoff, Porzellan und Geschirr aus Keramik für Ihre Kinder bestellen – wie die berühmten Geschirre Küchenmaus, Hahn und Henne, Hänschen im Blaubeerwald und Peter Rabbit, sowie die Kollektionen der Firma La Chaise Longue. Außer Kindergeschirr gibt es auch noch Utensilien für den Kindergeburtstag (zum Beispiel alles für kleine Piraten und Prinzessinnen), Puppengeschirr, Schürzen. Aus meiner Sicht haben noch viel zu wenige Mass Customization Anbieter erkannt, dass man auch mit dem Verkauf von Standard-Accessoires gutes Geld zusätzlich verdienen kann. Jetzt wissen sie es 🙂

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