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Innovation ist, wenn der Mensch mitgenommen wird



Bild: EnergieEffizientes Bürogebäude in Stockholm, das mit Hilfe menschlicher Wärme und Wettervorhersagen geheizt wird

Erfinder gibt es an jeder Straßenecke, Innovatoren muss ich dagegen mit der Lupe suchen. Was meine ich damit? Eine Erfindung zu machen ist nicht schwer, sie am Markt erfolgreich zu positionieren, so dass sie zur Innovation wird, ist schon deutlich schwieriger. Noch schwerer ist es, dass die Innnovation die Erfolge erzielt, die im Vorfeld prognostiziert wurden. Nehmen wir ein typisches Feld, mit dem ich mich seit fünf Jahren beschäftigen: Das Thema Energieeffizienz. In den ersten Verkaufsgesprächen werden häufig Versprechungen gemacht, die später in diesem Umfang nicht umgesetzt werden können. Das kann viele Ursachen haben, aber häufig liegt es daran, dass man die Menschen, die davon betroffen sind, nicht frühzeitig eingebunden hat und sie dann in der Praxis viele Maßnahmen wieder konterkarrieren.

Das hat auch Bercerik-Gerber, die an der University of Southern California forscht, erkannt und ein Smartphone-basiertes Agentensystem erfunden, wie die TR berichtet: „Sie lässt Gebäudetechnik und Arbeitende über eine Smartphone-App miteinander „verhandeln“. Die Gebäudetechnik moderner Bürobauten bietet die Möglichkeit, Klimaanlagen oder Lampen in Abhängigkeit von Temperatur oder Helligkeit zu regeln. Doch immer wieder machen Mitarbeiter dem Konzept einen Strich durch die Rechnung, indem sie zusätzliche elektrische Heizkörper aufstellen oder Fenster offen stehen lassen. Deshalb fragt die App-Anwendung zunächst die Mitarbeiter, wie zufrieden sie mit ihrer Arbeitsumgebung sind. Faktoren sind unter anderem Temperatur, Lichtverhältnisse, Luftqualität und Lärm. Aus den Antworten wird ein Profil der individuellen Vorlieben und des damit verbundenen Energieverbrauchs einer Person errechnet.“

Nach der Ist-Analyse folgt nun die eigentliche Arbeit, nämlich die Abstimmung zwischen Verantwortlichen der Gebäudetechnik und betroffenem Mitarbeiter: „Das Profil wird dann einem Software-Agenten in der App übergeben. Dieser Agent arbeitet für Sie und kümmert sich um ihre Präferenzen. Die Agenten der gesamten Belegschaft in einem Gebäude versuchen nun, gemeinsam eine Einstellung für Raumklima und Beleuchtung zu finden, die möglichst wenig Energie braucht und möglichst viele Mitarbeiter zufrieden stellt. Diejenigen, deren Verhalten mehr Energie als der Durchschnitt benötigt, werden gefragt, ob sie von ihren Idealbedingungen ein wenig abrücken wollen. Die App zeigt ihnen an, wieviel Energie sie damit einsparen helfen.“

Das Ganze stellt bei vielen Mitarbeitern eine echte Herkulesaufgabe dar. Nur mit Hilfe der Technik und der Algorithmen können die Wünsche von mehr als 100 Mitarbeitern so berücksichtigt werden, dass möglichst jeder zufrieden ist und trotzdem Energieeinsparungen von mehr als 30 % erzielt werden können. Deutlich erschwert wird die Arbeit, wenn die Mitarbeiter vornehmlich im Großraumbüro arbeiten. In diesen Fällen können nicht alle glücklich gemacht werden, sondern nur der größte gemeinsame Nenner gefunden werden. Aber die Arbeit lohnt sich. Denn in den USA werden knapp 20 % und in Europa immerhin noch 10 % der Endenergie in Büro- und Gewerbegebäuden verbraucht. Und manchmal kann eine kleine App der Schlüssel für nachhaltigen Erfolg sein.

Dieses Beispiel zeigt einmal mehr, wie wichtig in der Praxis die sog. „Engpassanalyse ist“. Häufig sind es Kleinigkeiten, die dafür verantwortlich sind, dass die erwartenden Erfolge nicht erzielt werden können. In solchen Fällen ist es wichtig, die Details näher zu beleuchten, um herauszufinden, mit welchen Maßnahmen in welchem Zeitraum mit welchem Geld- und Ressourcenaufwand doch noch die gewünschten Ziele erreicht werden können. Das gilt nicht nur für EnergieEffizienz-Maßnahmen, sondern für fast alle Maßnahmen in einem Unternehmen. Wer hier zu früh aufgibt, hinterlässt nur frustrierte Beteiligte. Hierbei kann auch helfen, mit betroffenen Unternehmen zu sprechen, die ähnliche Maßnahmen schon durchgeführt haben und eine entsprechende Lernkurve bieten können.

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