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Groupon ist auf dem Weg zum Rundumdienstleister für Handel und Gastronomie

Ich war einer der ersten Blogger in Deutschland, der lange vor der „großen Meute“ erstmals am 4. Dezember 2008 über Groupon berichtet hat, lange bevor die VC´s eingestiegen sind und danach die üblich verdächtigen Copy-Cat-Fabriken Lunte gerochen haben. Damals habe ich mich von der Idee begeistert gezeigt, schon allein deshalb, weil bewährte Elemente zu einer neuen Idee „zusammengebaut wurden“, Mehrwerte für alle Seiten geschaffen wurden und das Einnahmenmodell nachhaltig erschien. Genau deshalb habe ich 2005 diesen Blog gestartet, um viele Ideen zu präsentieren, die findige Unternehmer neu zusammenstellen und damit nachhaltige Erfolge erzielen können. Schon wenige Tage nach der ersten Vorstellung habe ich Groupon zu einem der Top-10-Startups 2008 in der Kategorie „Web und E-Commerce“ gekürt.

Aber nicht weil die Grundidee und das Geschäftskonzept genial ist, muss auch die Umsetzung perfekt sein. Die Macher haben nach bewährten alten Rezepten versucht, den Markt schnell zu erobern, egal was es kosten würde. Auch damals galt noch das Mantra a la Amazon: Begeistere VC´s für deine Story, erobere Marktanteile und der Rest (Gewinne, Rentabilität, etc.) wird dann schon kommen. Und als die VC´s langsam nervös wurden, hat man Groupon einfach in Rekordzeit an die Börse gebracht, um die Risiken auf die kleinen Leute (Aktionäre) zu verlagern. Klingt fast wie die Blaupause der Finanzkrise. Aber man kann alles auch positiv sehen, denn anderen StartUps können daraus auch lernen. Ich habe im August 2011 ausführlich über den „Fall“ Groupon berichtet.

GROUPON CLASS A DL-,0001 OnVista Chart
OnVista – mehr Informationen zur Aktie GROUPON CLASS A DL-,00…

Auch wenn ich kein Ratgeberblog für Aktienanleger bin, so sollten nach diesem Artikel alle gewarnt worden sein, nicht selber ihr Geld in diese Aktie zu investieren. Aber diese verkappte Warnung hat es gar nicht gebraucht. Die Verantwortlichen von Groupon haben schon selbst ihren Teil dazu beigetragen, als sie durch sehr kreative Buchführung nicht nur die amerikanischen Wertpapieraufsichtsbehörde SEC auf den Plan gerufen haben. Insofern war es nicht verwunderlich, dass der Groupon-Aktienkurs kurz nach der Emission bis heute fast nur eine Richtung kannte, nämlich den Weg nach unten. Nach jeder Überhitzungsphase folgt eben die Abkühlungsphase. Da ein Bild mehr sagt als tausend Worte, habe ich den Kurschart hier im Blog eingebunden. Ach so, Trader die auf fallende Kurse gesetzt haben, lieben diese Aktie 🙂

Insofern war es nicht verwunderlich, dass ich lange nicht mehr über Groupon berichtet habe, denn schliesslich habe ich mir zur Aufgabe gemacht, Best Practice Beispiele aufzuzeigen. Doch jetzt konnte ich nachlesen, dass Groupon mit neuen Angeboten und Geschäftsmodellen versuchen will, aus den hohen Marktanteilen auch Profit schlagen zu wollen. Mit Hilfe der Firma Breadcumb, die Groupon im Mai 2012 gekauft hat, führt Groupon vorerst in den USA ein iPad-basiertes Kassensystem für Restaurants, Bars und Cafés ein. Die Idee dahinter ist, dass die teuren, veralteten und wartungsintensiven Kassensystemen in Gastronomie und Handel durch günstige iPad-basierte Systeme ersetzt werden. Nach einer Pilottestphase in New York wurden nun bekanntgegeben, dass alle Gastronomen und Händler in den USA ab 99 Dollar pro Monat die Breadcumb-Lösung erwerben könnten (Hardware nicht inklusive).

Breadcrumb: Hospitality iPad POS from Groupon on Vimeo.

Diese Nachricht wird die Aktionäre hellhörig gemacht haben. Ist es ein Zufall, dass der Groupon-Aktienkurs seit wenigen Wochen konsolidiert und sich die Aktie sichtbar gegen den Abwärtstrend stemmt? Weniger erfreut sind sicherlich die Gründer von Orderbird, dem Berliner Pionier auf diesem Gebiet. Netzwertig schreibt dazu: „Bisher konnte sich Orderbird, Anbieter eines iPad-basierten Kassensystems für Gastronomen und eines der innovativsten Startups aus Berlin, relativ ungehindert ausbreiten. Und obwohl die Hauptstädter derzeit lediglich im deutschsprachigen Raum aktiv sind, hielt sich ernstzunehmende Konkurrenz auch in ausländischen Märkten und vor allem in den USA in Grenzen.“ Das ist nun anders und wird wesentliche Konsequenzen nicht nur für deren Wachstumsstrategie in den USA haben. Denn Groupon ist sehr stark in Deutschland vertreten und wird sicherlich langfristig Orderbird nicht alleine den Markt überlassen, auch wenn Orderbird im deutschsprachigen Raum schon mehrere hundert Kunden hat.

Netzwertig schreibt dazu: „Groupon wandelt sich schrittweise vom Couponanbieter zum integrierten Rundumdienstleister für Handel und Gastronomie… Erst vor einigen Wochen lancierte die Firma in den USA einen Kartenleseaufsatz für Mobiltelefone, um Händlern ohne eigenes, kostspieliges Kartenleseterminal eine Option einzuräumen, trotzdem Kartenzahlungen entgegenzunehmen. Das Kalkül ist offensichtlich: Über sein Coupongeschäft hat Groupon Beziehungen zu nach eigenen Angaben über 250.000 Einzelhändlern und Gastronomen weltweit aufgebaut. Indem es nun verschiedene Zusatzservices anbietet, die diesen Akteuren Mehrwert bieten oder bei der Optimierung der Geschäftsabläufe helfen, macht es sich diese Kontakte zunutze, selbst wenn diese an keinen weiteren Coupon-Kampagnen interessiert sind. Gleichzeitig bessert der Konzern aus Chicago seinen Ruf auf, der bisher unter anderem darunter litt, dass die langfristigen Interessen und Bedürfnisse der Händler und Gastronomen nicht hinreichend berücksichtigt wurden.“ Aber Achtung: Ich gebe hier immer noch keine Aktienkauftipps!!!!

Update 17.10. 15:00 Uhr: Der netzwertig-Blog hat gestern mit pepperbill den nächsten Konkurrenten im obigen Segment vorgestellt: „Das iPad-basierte Kassensystem Orderbird hat nicht nur in Groupon einen neuen Konkurrenten. Ein Startup aus Deutschland will nun die Hauptstädter in ihrem Heimatmarkt angreifen und setzt ebenfalls auf die Philosophie, Gastronomen mit einer möglichst kostenschonenden und einfachen iOS-Lösung auszustatten. Die Rede ist von pepperbill aus Erfurt. Das Unternehmen ist eine Ausgründung der Fachhochschule Erfurt und hat vor wenigen Monaten seine mobile Kassenlösung veröffentlicht.“

2 Responses to Groupon ist auf dem Weg zum Rundumdienstleister für Handel und Gastronomie

  1. […] letzter Zeit ist es um Groupon etwas ruhiger geworden, wie ich im letzten Artikel veranschaulicht habe. Trotzdem übt die Idee des Gruppeneinkaufs auch heute noch so viel Sogwirkung […]

  2. […] Lesetipp des Tages: Groupon ist auf dem Weg zum Rundumdienstleister für Handel und Gastronomie  […]

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