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Friendsurance: Zwischenbilanz nach 1,5 Jahren

Als ich im Mai 2011 hier im Blog das Geschätsmodell von friendsurance vorgestellt habe, habe ich in der Titelüberschrift die Frage gestellt: „Beginnt mit friendsurance ein neues Innovationszeitalter in der Versicherungsbranche?“ Denn es klang schon revolutionär, dass die Versicherten mit Freunden gemeinsam ein Sicherheitsnetz errichten sollten, um die Zahl der Schadensfälle deutlich zu verringern. Sekptiker begegneten, dass diese Idee nie funktionieren würde. Und tatsächlich fiel die Idee bei den Kunden durch, dass jeder Versicherter, der Mitglied eines „Freundes-Sicherheitsnetzwerkes“ war, eine Summe in einen Art „Sicherheitsfonds“ einzahlen sollte, aus denen Versicherungsschäden der Beteiligten beglichen werden sollten.

Die Macher ziehen nach 1,5 Jahren erste Bilanz: „Freunde und Geld bleibt ein kompliziertes Thema: Wir haben gleich zu Beginn von friendsurance das Feedback bekommen, dass es problematisch wird, wenn man seinem Geld hinterherrennen muss oder aber Freunde aufgrund eines Schadens, den man selbst begangen hat, plötzlich Geld zahlen müssen. Deswegen haben wir hier das Modell angepasst: Durch eine Rückversicherungslösung kann man bei friendsurance nur noch gewinnen. Man zahlt am Anfang des Jahres seinen normalen Versicherungsbeitrag und bekommt umso mehr zurück, mit je mehr Leuten man verbunden ist und je weniger Schäden in diesem Netzwerk passieren. Im schlimmsten Fall gibt es einfach nichts zurück. Das refinanziert sich, weil bei unseren Kunden die Schadensquoten einfach deutlich besser sind als im Markt.“

Und funktioniert das neue Konzept nun wirklich? Hier sind die Zahlen von friendsurance nach 1,5 Jahren Geschäftstätigkeit:

Im Laufe der Zeit hat friendsurance eine interessante Erfahrung gemacht: „Mit wem sich unsere Kunden verbinden ist dadurch sehr gemischt: es verbinden sich nicht nur enge Freunde, sondern auch Arbeits- und Vereinskollegen, Geschwister, Eltern und versicherungspflichtige Kinder oder auch lose Facebook-Freunde. Derzeit haben unsere Kunden im Schnitt 7,5 Verbindungen. Da man bei den meisten Versicherungen nur 4-5 Verbindungen für die maximale Rückzahlung braucht, lohnt sich das praktisch für alle. Interessant ist, dass sich unsere Nutzer knapp 50-50 auch mit unbekannten Nutzern aus der Friendsurance-Community verbinden, die wir ihnen vorschlagen. Dieses Feature haben wir zunächst getestet und aufgrund der regen Inanspruchnahme beibehalten. Oft ist der Verlauf so, dass sich die Nutzer erst mit 2-3 Unbekannten verbinden, sehen, dass das System funktioniert und dann Leute einladen die sie kennen. Freunde mitzubringen braucht also niemand.“

Erstes Zwischenfazit: Die Geschäftsidee musste nach ersten Erfahrungen angepasst werden, ähnlich wie ich es im ersten Artikel zu friendsurance angemerkt habe. Zudem sind (auch deshalb) die Ersparnisse für die Nutzer nicht mehr so hoch wir ursprünglich prognostiziert. Dafür sind aber auch die Risiken für die Kunden deutlich reduziert worden. Noch in einem anderen Punkt ist der deutsche Kunde sehr vorsichtig. Bevor er mit Freunden gemeinsam solch ein Angebot ausprobiert, verbindet er sich zu Beginn lieber mit Fremden. Das Konzept kommt nun bei den Kunden an. Es ist aber nicht bekannt, ob die Umsatzziele von friendsurance erfüllt werden konnten und damit auch friendsurance auf seine Kosten kommt.

One Response to Friendsurance: Zwischenbilanz nach 1,5 Jahren

  1. […] genommen und die Rückzahlung fiel noch höher aus bzw. der Beitrag wurde weiter abgesenkt. Das hat nicht funktioniert, da es wohl doch zu heikel war, dass ich für einen Schaden bezahlen muss, den ein […]

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