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Seedmatch erhöht Fundinglimit auf 200.000 EUR

Wenn überhaupt Kritik an der Crowdinvestingplattform Seedmatch geäußert werden kann, dann nur hinsichtlich der Tatsache, dass bisher nur Crowdinvestments bis zu einem Fundinglimit von maximal 100.000 EUR durchgeführt werden. Denn für Fundings über 100.000 EUR müssen die StartUps bisher im Rahmen einer öffentlichen Kapitalsuche einen Wertpapierverkaufsprospekt (außer bei nicht öffentlichen Platzierung bis 20 Investoren) erstellen, der leider mit sehr hohen Erstellungskosten verbunden ist. Trotzdem haben in der Vergangenheit diverse bei Seedmatch finanzierte Startups wie smarchive, BluePatent, life action und nextsocial bereits eine Anschlussfinanzierung durch Venture-Capital-Gesellschaften und andere institutionelle Kapitalgeber erhalten und damit ihre Eigenkapitalausstattung auf deutlich über 100.000 EUR erhöht. Aber jetzt hat Seedmatch einen Weg gefunden, beim klassischen Crowdinvesting ein Fundinglimit von 200.000 EUR zu realisieren.

Seedmatch startet konkret diesen Donnerstag eine Finanzierung mit einem Fundinglimit von 200.000 Euro und geht damit konsequent den nächsten Schritt. Möglich macht dies ein neues Vertragsmodell, das zusammen mit Startups, Vertretern von Venture Capital Gesellschaften, Business Angels und Anwälten erarbeitet und optimiert wurde. Kernelemente sind neben der Fundingsumme über 100.000 Euro eine vereinfachte Anschlussfinanzierung und eine Exitbeteiligung für Investoren. Das Startup Protonet geht als First Mover diesen Schritt gemeinsam mit Seedmatch und hat sich zum Ziel gesetzt, insgesamt 200.000 Euro von der Crowd einzusammeln. Ab 29. November können sich private Investoren auf der Crowdfunding-Plattform Seedmatch ab 250 Euro an Protonet beteiligen.

Protonet entwickelt und baut leicht einzurichtende und einfach bedienbare Server für kleine und mittlere Unternehmen sowie Privathaushalte. Kunden erhalten ein autarkes soziales Netzwerk inklusive Datenmanagementsystem mitsamt der dafür notwendigen technischen Infrastruktur – der Protonet-Box. Damit werden sie unabhängig von großen Cloud-Anbietern und können ihre Daten sicher ablegen und selbst verwalten. Software und Hardware wird bei Protonet vollständig in Eigenregie entwickelt, wodurch eine Abstimmung beider Elemente perfektioniert wird. Die lokal in Hamburg gefertigte Protonet-Box vereint massive Speicherkapazität von bis zu 16.000 GB und einen leistungsstarken WLAN-Router, mit dem man ein geschlossenes, internes WLAN-Netzwerk und ein zusätzliches zweites Gäste-WLAN erzeugen kann.

Der Xeon-Hochleistungsprozessor arbeitet Dank einer eigens entwickelten Passivkühlung stromsparender und leiser als gängige Server. Auf der Protonet-Box ist eine eigens entwickelte, intuitive sowie erweiterbare Software mit einer browserbasierten Kollaborationsoberfläche installiert. Diese ist auf allen Endgeräten erreichbar. Mit dem Kapital aus dem Crowdfunding (www.seedmatch.de/protonet) bei Seedmatch sollen die fortlaufende Produktentwicklung und die Vorbereitung der Serienproduktion finanziert werden. Darüber hinaus ist geplant, das Kapital für groß angelegte Marketing- und Vertriebsmaßnahmen sowie für den Aufbau von Vertriebspartnerschaften einzusetzen.

Um die Finanzierungen über 100.000 Euro zu ermöglichen, wird bei Seedmatch ein neues Vertragswerk eingeführt. Um Anschlussfinanzierungen durch VC´s und Co zukünftig noch einfacher zu gestalten, wurde in den neuen Verträgen eine Verwässerungsklausel eingeführt. Die Investoren werden im Gegenzug vertraglich an einem Exit beteiligt. Wie schon mit dem alten Vertragswerk partizipieren Investoren bei Seedmatch weiterhin nach Auslaufen der Mindestvertragslaufzeit am Wertzuwachs der Startups. Mit dem Vertragsmodell lassen sich die Beteiligungen individuell eingehen und von beiden Seiten am Ende auch wieder schrittweise individuell beenden. So kann der Investorenpool langsam „abgeschmolzen“ werden, anstatt alle Beteiligten mit hohem Aufwand in einem Schritt herauslösen zu müssen.

Gründer erhalten bei Seedmatch Beteiligungskapital mit Eigenkapitalcharakter zur Umsetzung ihrer Geschäftsideen. Der Beteiligungsvertrag hat dabei statt der bisherigen stillen Gesellschaft nun die von der BaFin bescheinigte Form eines partiarischen Nachrangdarlehens. Dies gilt als eine der ältesten Beteiligungsformen in der Wirtschaft und fand bereits im alten Venedig Anwendung. Ein Unternehmen erhält mit Begründung einer Nachrangigkeit wirtschaftliches Eigenkapital. Auch das neue Vertragsmodell benötigt keine Lizenz, so dass keine zusätzlichen Kosten entstehen, die durch hohe Gebühren an anderer Stelle wieder finanziert werden müssten.

Damit kommt Seedmatch einigen anderen Crowdinvestingplattformen zuvor, die schon angekündigt haben, sich eine BAFIN-Lizenz besorgen zu wollen, um Crowdinvestings oberhalb des Fundinglimits von 100.000 EUR ermöglichen zu können. Denn es hat sich bisher gezeigt, dass Seedmatch häufig locker in der Lage ist, über die Crowds 100.000 EUR Beteiligungskapital z.T. in weniger als einer Stunde einzusammeln. Insofern traue ich es Seedmatch momentan als einziger Crowdinvestingplattform zu, via Crowdinvesting auch 200.000 EUR Kapital einzusammeln. Damit können die StartUps gleich im ersten Schritt nicht nur mehr Beteiligungskapital einsammeln, sondern auch mehr Crowds an ihr Unternehmen binden (Stichwort Fanvertising). Ich bin aber überzeugt, dass das Fundinglimit von 200.000 EUR noch nicht das Ende der Fahnenstange ist. Lassen wir uns überraschen.

11 Responses to Seedmatch erhöht Fundinglimit auf 200.000 EUR

  1. klm sagt:

    kleine Ergänzung: Das betreffende Unternehmen hat hier ein Interview gegeben: http://crowdstreet.de/2012/11/27/protonet/

  2. Carsten Albrecht sagt:

    Ich betrachte diese neue Entwicklung durchaus kritisch, denn es ist der Definition eines Partiarischen Darlehens nach eben KEINE echte Unternehmensbeteiligung mehr, sondern eben „nur noch“ ein Darlehen, wenngleich eines mit sehr speziellen Bedingungen.

    Mir ist klar, dass auch die neuen Verwässerungsregeln zumindest aus Sicht der Startups früher oder später unausweichlich kommen mussten, weil der Verwässerungsschutz der bisherigen Vertragsgestaltung sicherlich den einen oder anderen VC-Investor abgeschreckt hat. Für die Crowd sehe ich dies jedoch eher als Nachteil, wie ein bisschen Rechnen zeigt:

    Nehmen wir Protonet als Beispiel. 200k werden finanziert, das Unternehmen mit 2 Mio bewertet. Es werden also 10% auf die Crowd verteilt, und eine Beteiligung für 1000 EUR ist somit 0,05% „wert“.
    Wenn jetzt ein VC-Investor kommt und sich z.B. 50% Unternehmensanteil für weitere 2 Mio sichert, wird das Starup folglich neu mit 4 Mio bewertet – wegen der damit verbundenen Verwässerung hat der Crowdinvestor aber genau nichts davon, weil sein Anteil nun nur noch die Hälfte, also 0,0025% wert – also immer noch genau die 1000 Euro, die er investiert hat. Die Gewinne des Startups verdoppeln sich aber nicht einfach ebenfalls, sondern bleiben erst einmal auf demselben Niveau – die Rendite ist aufs eingesetzte Kapital hat sich also sogar halbiert.
    Erst längerfristig bringt das neue Geld des VC-Investors vielleicht etwas, aber der Crowdinvestor profitiert auch davon nicht notwendigerweise.

    Die Chose rechnet sich für die Crowd also nur noch über einen möglichst lukrativen Exit (der Buyout muss also zu einem erheblich höheren Preis pro Unternehmensanteil erfolgen als das Crowdinvestment) und kaum noch über das Erreichen der Gewinnschwelle, und dieser Exit muss auch noch innerhalb der Mindestvertragslaufzeit stattfinden, also maximal in 4-7 Jahren.

    Auf der Risikoseite hingegen haben sich keine Verbesserungen ergeben, als Nachrangdarlehen ist die Kohle bei einer Insolvenz nach wie vor genauso weg wie zuvor bei der Stillen Beteiligung – da hatte ich aber wenigstens ein ganz kleines bisschen mehr Einflussrechte als nun als Darlehensgeber.

    Also entweder ist Seedmatch nun durch das Knacken der 100k-Schwelle deutlich komplexer und „gewagter“ geworden als bisher, oder ich übersehe etwas…. und dann lasse ich mich gerne über dieses Übersehen aufklären.

  3. […] bereits in dieser Woche erwähnt, hat Seedmatch beim aktuellen Funding das Fundinglimit auf 200.000 EUR erhöht. Und als ob nichts […]

  4. Hallo Carsten,

    danke für Deine kritischen Anmerkungen zum neuen Angebot von Seedmatch.

    Aus meiner Erfahrung gibt es zwei Motivationen, StartUps via Crowdinvesting Geld zur Verfügung zu stellen. 1. Kapitalanlage 2. Untersützung der StartUp-Szene. Für die zweite Gruppe ist der Return on Investment nicht das alleine Entscheidungskriterium.

    Letztlich glaube ich aber auch, dass langfristig auch in Deutschland eine offene Beteiligung am Unternehmen angeboten werden muss oder soll. Dann kann ich mehr mitreden, höhere Erträge erzielen und damit mehr Geld wieder reinvestieren in neue StartUps.

  5. Carsten Albrecht sagt:

    Hallo Burkhard,

    Danke für deine Antwort. Ich muss mich dann wohl eindeutig zur Kategorie Kapitalanlage zählen. Und wie die Bezeichnung „Crowd Investing“ ja auch aussagt, geht es ja nicht wie beim Crowd Funding darum das Geld zu spenden, sondern um Investition, und das bedingt automatisch, dass man dafür auch einen angemessenen ROI erwartet. Mit den neuen Regeln bei Seedmatch stellt sich für mich da nun halt noch mehr als zuvor schon die Frage, ob die erzielbare Rendite insbesondere risikoadjustiert noch als angemessen zu bezeichnen ist.

    Es steht aber in der Tat zu befürchten, dass viele Seedmatcher offenbar zur von dir beschriebenen Kategorie 2 zählen, denn ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass auch nur ein geringer Anteil der „Investoren“, die keine fünf Minuten nach Eröffnung der Bietphase zugeschlagen haben, den Business Plan des jeweiligen Startups überhaupt gelesen hat, geschweige denn wirklich versteht, in was er/sie da investiert.

    Wenn man mal einen Moment lang annimmt, dass ich vorgehabt hätte in Protonet zu investieren (was ich unter anderem dank der zuvor schon ersichtlichen SWOT-Liste von ihnen nicht vorhatte), hätte ich angesichts dieses 48-Minuten-Fundings gar keine Chance gehabt den BP in Ruhe zu lesen.

    So marketingwirksam solche fragwürdigen Rekorde für Jens Uwe auch sein mögen, momentan geht es bei Seedmatch bei den allermeisten neuen Startups zu wie bei Rudis Resterampe, wenn dort iPhones für nen Euro quasi verschenkt werden. Mittelfristig kann das weder für die Startups (die sich von der Crowd ja nicht nur Geld, sondern auch Support erhoffen) noch für Seedmatch selbst sonderlich gesund sein.

  6. Hallo Carsten,

    Seedmatch veröffentlicht schon einige Tage vor Beginn des Fundings die wichtigsten Infos zum Startup (inkl. SWOT-Analyse), das funden will. Dazu gehört auch der Business Plan. Insofern können alle tagelang prüfen, ob sie einsteigen wollen.

    Die Frage ist allerdings berechtigt, ob die Mehrheit genau prüft. Lemmingeeffekte haben ihre besonderen Regeln. Stell Dir vor, Du gehst an einem Restaurant vorbei und siehst, dass fast alle Plätze besetzt sind. Dann gehst Du eher rein, als wenn dort gähnende Leere herrscht. So ist das anscheinend auch mit den Crowdinvesting-Fundings.

    Weiterhin muss ich aufgrund zahlreicher Erfahrungen feststellen, dass Beteiligungen an StartUps immer mit sehr viel Risiken verbunden sind. Insofern bietet sich eine Risikostreuung an und nicht all zu hohe Erwartungen. Diesbezüglich wird evtl. in einigen Jahren eine Ernüchterungsphase einziehen. Aber vielleicht auch nicht.

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  8. […] weit über 100.000 Euro ermöglicht und Anschlussfinanzierungen erleichtert (ich habe hier im Blog berichtet), haben sich die Gründer aufgrund der positiven Erfahrungen mit der Crowd entschieden, die […]

  9. […] schon im August 2012 100.000 EUR via Seedmatch funden konnte. Die Umstellung auf partiale Darlehen macht es möglich. Damit testet Seematch wiederum aus, wieviel Geld in wenigen Tagen via Crowds eingesammelt werden […]

  10. […] auf partiarische Nachrangdarlehen plus der Verbesserung weiterer Vertragsbestandteile (siehe dazu mein Blogartikel vom 26.11.2013) das Fundingvolumen pro Funding deutlich erhöht werden konnte. Gerade hat Seedmatch das Funding […]

  11. […] Jahres gekürt. Das bringt sicherlich etwas Ruhm, viel wichtiger war sicherlicher das erfolgreiche Funding bei Seedmatch. Bei aller Freude gehen die anderen 11 nominierten StartUps unter, die im o.g. Wettbewerb nicht […]

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