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Journalismus-Crowdfundingplattform Krautreporter wandelt auf den Spuren von Spot.us

Seit mehr als vier Jahren gibt es die Crowdfundingplattform Spot.us in den USA, die es Journalisten ermöglicht, Geld für ihr nächsten Projekt einzusammeln. Und gestern ist mit Krautreporter das deutsche Copy Cat offiziell online gegangen, nachdem der „Soft Launch“ schon Ende letzten Jahres erfolgte. Es ist schon beachtlich, dass es mehr als vier Jahre gebraucht hat, bis die Spot.us-Idee den Weg über den Teich gebraucht hat. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass das klassische Crowdfunding erst seit kurzem hier in Deutschland Fahrt aufnimmt und sich jetzt immer mehr Initiatoren die Zeit gekommen sehen, spezialisierte Crowdfundingplattformen zu starten. Es gibt aber auch andere Gründe, warum Krautreporter später als geplant an den Start ging, wie der Gründer Sebastian Esser im Interview mit Ulrike Langer verrät:

„Ursprünglich hatten wir einen eingetragenen Verein gegründet und sogar schon drei Stiftungen (Augstein-Stiftung, BMW-Stiftung, und Hamburger Stiftung für Wirtschaftsethik) gefunden, die die Entwicklung finanzieren wollten. Dann stellte sich aber heraus, dass man Crowdfunding zumindest in Deutschland nicht gemeinnützig betreiben kann. Das hängt damit zusammen, dass man als Plattform einen Vertrag zwischen den Unterstützern und den Reporten vermittelt und der Reporter muss dann auf jeden Fall gemeinnützige Arbeit leisten. Unser Risiko wäre gewesen, bei kommerziellen Projekten, die wir auch ermöglichen möchten, am Ende für die Steuern verantwortlich zu sein. Deshalb haben wir die Stiftungsgelder zurückgezahlt und machen es jetzt lieber alleine.“

Das Timing für den Start von Krautreporter in Deutschland scheint auf jeden Fall nicht schlecht zu sein, wenn man bedenkt, dass Flagschiffe wie die Frankfurter Rundschau ums Überleben kämpfen und ambitionierte Projekte wie FTD ganz eingestellt werden. Freie Journalisten brauchen somit neue Partner, die Stories vorzufinanzieren. Allerdings hat das Crowdfunding auf Krautreporter einen Haken, wie Bernd Graff feststellt: „Zwar behält jeder Autor die Rechte an seinem Werk, dennoch müssen sie vor Abdruck oder Ausstrahlung in angemessener Form zuerst auf krautreporter.de publiziert werden. Werden also Verlage und Anstalten noch Arbeiten nehmen, wenn sie diese demnach wiederveröffentlichen? Und: Ist es nicht unfair, dass jene Medienhäuser, die längerfristige Recherchen nicht mehr bezahlen (wollen/können), nun dennoch die Ernte des aufwendigen journalistischen Arbeitens einfahren können, für die sie selber keine Etats mehr besitzen?“

Letztlich wird die Zukunft zeigen, ob Krautreporter im Vergleich zu anderen Crowdfundingplattformen genug Mehrwerte für alle Seiten bietet, um sich behaupten zu können. Sollte es Krautreporter z.B. wie Spot.us schaffen, genug Verlage zu finden, die durchfinanzierte Projekte in ihren Medien veröffentlichen, könnte das solch ein Alleinstellungsmerkmal sein. Evtl. positioniert sich Krautreporter auch als Cofunding-Plattform und bündelt damit die verschiedenen Geldquellen, die Journalisten zur Verfügung stehen. Spannend wir auch sein, ob die Crowds mehr machen, als nur das Projekt des Journalisten vorzufinanzieren. Die Chancen stehen auf jeden Fall gut, dass Journalisten mit Krautreporter eine passende Plattform finden, um ihre Projekte zu realisieren. Die Zukunft wird es zeigen.

One Response to Journalismus-Crowdfundingplattform Krautreporter wandelt auf den Spuren von Spot.us

  1. […] habe ich im Januar 2013 hier im Blog über die Krautreporter berichtet. Dabei handelte es sich um ein linientreues Copy Cat der […]

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