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Hat die Astor Filmlounge ein Patentrezept gegen das Kinosterben gefunden?

Schon vor mehr als fünf Jahren habe ich hier im Blog festgestellt: Neue (Ideen für) Kinos braucht das Land. Zu der damaligen Zeit mussten die Kinos nicht nur schon seit Jahren Besucher-, sondern auch dramatische Umsatzrückgänge verschmerzen. Kurzzeitig konnten die Kinobetreiber mit modernen Kinoneu- und umbauten dagegen halten. So stieg nicht nur die Zahl der Besucher von 2007 auf 2009 von ca. 120 Mio. auf 140 Mio. Besucher pro Jahr an, sondern der Umsatz konnte sogar in dieser Zeit von 725 auf 920 Mio EUR pro Jahr gesteigert werden. Und obwohl seitdem die Besucherzahlen wieder zurückgingen, konnte der Umsatz noch weiter gesteigert werden. Verantwortlich dafür sind die stark gestiegenen Ticketpreise und der stark gestiegene Umsatz der Gastronomieeinrichtungen in den Kinos.

Evtl. können die Kinobesitzer in Deutschland trotz sinkender Besucherzahlen mit 3D-Kinofilmen noch dagegen halten und zumindestens den Umsatz noch ein paar Jahr noch halten. Allerdings sollte dabei nicht verkannt werden, dass eher die großen Multiplex-Kinoketten vom obigen Trend profitiert haben und immer mehr kleineren Kinos in den letzten Jahren dicht machen. Die Frage ist, ob dieser Trend gestoppt werden kann, weil Kinos ja schließlich zur Kulturvielfalt einer Stadt beitragen und viele es bedauern würden, wenn nun auch die kleinen, unabhängigen Kinos aus dem Stadtbild verschwinden würden. Und ausgerechnet Hans-Joachim Flebbe, der Mitgründer der Cinemaxx-Multiplex-Kinokette, zeigt seit einigen Jahren, dass auch kleine Kinos gegen die großen Multiplex.-Kinos „anstinken können“.

Unter der Marke Astor Filmlounge betreibt Flebbe „Luxuskinos“ in Berlin, München, Köln und seit neuestem auch in Frankfurt. Flebbe übernimmt dabei bestehende Räumlichkeiten und baut sie um. Angesprochen werden sollen eher die ältere Zielgruppe, die derzeit gar nicht oder selten ins Kino geht. Der Komfort und das Erlebnis sollen im Vordergrund stehen. Dazu gehören nicht nur sehr bequeme, große Sitze sondern auch viel Beinfreiheit. Weiterhin gibt es große Ablageflächen und sogar „Kühlboxen“ für Getränkeflaschen. Denn bis zum Start des Kinofilms können sich die Gäste Essen und Getränke an den Platz bringen lassen. Und Popcorn ist in den Astor Filmlounges verbannt, eher gibt es Antipasti und Champagner. Und damit gleich der erste Eindruck zählt, gibt es vor dem Kinoerlebnis in der Lounge einen kostenlosen Aperol-Spritz. Und Warteschlangen gehören auch der Vergangenheit an, weil man sich die Tickets vorher schon online kaufen kann.

Die Idee hinter der Astor Filmlounge lautet: „Klein, aber fein“. In der neue eröffneten Lounge in Frankfurt gibt es gerade einmal 200 Sitzplätze. Dafür kostet aber auch ein Ticket 12 – 16 EUR und ist damit drei EUR teurer als normal. Das soll aber kein Problem darstellen. Denn dafür erhalten die Kunden auch erhebliche Mehrwerte (mehr Platz, besserer Service, kostenloses Begrüßungsgetränk). Zudem handelt es sich um eher zahlungskräftige Kunden, die nicht so preissensibel sind. Und es handelt sich um eine Zielgruppe, die lieber in der Gruppe ausgeht, als zu Hause Kinofilime in schlechter Streamingqualität in der Gruppe anzuschauen. Als letztlich handelt es sich bei der Astor Filmlounge um ein Gastronomieerlebnis mit „Kinofilmzugabe“. Das ist keine Lösung für große Multiplexkinos, aber für die kleinen Kinos, die ja sowieso vom „Aussterben“ bedroht sind. Und das erkennt auch die große Kinokette Kinopolis, die das Konzept der Astor Filmlounge frech in München kopiert.

2 Responses to Hat die Astor Filmlounge ein Patentrezept gegen das Kinosterben gefunden?

  1. […] dass heute das Geld häufig mit der Gastronomie verdient wird, wie z.B. anschaulich die Erfolgsstory der Astor Filmlounge zeigt. Umgekehrt wissen auch Gastronomen, dass man seine Gäste heute unterhalten muss, um sie […]

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