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Wie der Kuchenbäcker Eduard Razum Frankfurt lebenswerter machen will

Eduard Razum ist es mittlerweile gewohnt, verständnislos angeschaut zu werden, wenn er seine Gründerstory erzählt. Denn er hat seinen gutbezahlten Job bei Sony Music in der Weltstadt London aufgegeben, um sich Ende letzten Jahres als Kuchenverkäufer im Frankfurter Raum selbständig zu machen. Dabei kann er keine Erfahrungen als Bäcker vorweisen, was er auch nicht braucht, weil er den Kuchen vom Cafe Ernst in Neu Isenburg backen lässt. Obwohl man schon an fast jeder Straßenecke in Frankfurt Kuchen kaufen kann, will Razum damit nun seinen Lebensunterhalt verdienen. Wo ist da die Marktlücke? Worin liegt das Alleinstellungsmerkmal?

Das Zauberwort lautet „sozialer Konsum“. Vom Verkaufspreis für jedes einzelne Stück Kuchen gehen mindestens 15% an einen Projektpartner – ein gemeinnütziges Projekt, das der Kuchenbäcker Krause & Krüger unterstützt. Bei einem Mindestverkaufspreis von 2,80 EUR pro Stück können 42 Cent gespendet werden. Es gibt vier Kriterien, nach denen Projekte ausgewählt werden: gemeinnützig, pragmatisch, konkret und lokal in Frankfurt muss das Projekt sein. Jeden Monat ein neues Projekt. So war für Dezember 2013 das Ziel, mindestens 1.988,70 EUR Spenden für den Toberaum im öffentlichen Spielhaus der Elterninitiative Sachsenhausen zu generieren. Und dieses Ziel konnte tatsächlich erreicht werden.

Die generierten Spendengelder im Januar 2014 sollen für Anschaffung von Musikinstrumenten für das Schülerorchester der Elisabethenschule im Frankfurter Nordend verwendet werden. Ziel ist es auch in diesem Monat, knapp 2.000 EUR an Spendengeldern einzusammeln. Bleibt die Frage, wie sich die Organisationen, für die das Geld eingesammelt wird, erkenntlich zeigen? Die Antwort ist einfach: Die Rezepte von den drei Kuchen, die abwechselnd jeden Monat von Krause & Krüger verkauft werden, stammen von den Mitgliedern der jeweils unterstützten Organisation. In diesem Monat sind es die Rezepte für einen gedeckten Apfelkuchen, einen saftigen Rüblikuchen und eine Pfirsichschnitte.

Wer rechnen kann, erkennt schnell, dass Krause und Krüger ca. 4.500 Stück Kuchen im Monat zum Verkaufspreis von je 2,80 EUR bis 3,50 EUR verkaufen muss, um dieses Spendenziel zu erreichen. Als Verkaufsstellen hat er einige Cafés im Frankfurter Raum gewinnen können. Besonders hilfreich für Razum ist die Partnerschaft mit ARAMARK. So wird der „soziale Kuchen“ schon in vielen Betriebskantinen verkauft, wie z.B. bei der Deutschen Bank, der Deutschen Börse, der GZS, Ernst & Young und dem Hessischen Rundfunk. In diesem Segment besteht noch viel Wachstumspotenzial.

Bleibt zu fragen, ob auch Razum von seiner Geschäftsidee leben kann. In einem HR-Interview rechnet er vor, dass sein Deckungsbeitrag pro Kuchenstück bei 0,55 – 0,65 EUR liegt. Insofern würden sich nicht nur die gemeinnützigen Projekte freuen, wenn sich der Kuchenabsatz von Krause & Krüger vom heuten Stand aus noch verdoppeln bis verdreifachen könnte. Und evtl. könnte Razum in naher Zukunft noch eine weitere Einkommensquelle erschließen. Denn der untriebige Gründer denkt schon laut darüber nach, via Lizenzkonzept zu expandieren. Warum eigentlich nicht?

Warum gefällt mir die Idee so gut? Dieses Beispiel zeigt einmal mehr, dass man als Gründer nicht alles selbst wissen oder machen muss. Die Zauberformel lautet: Gründen in Komponenten. Die große Leistung von Razum liegt darin, ein Alleinstellungsmerkmal zu kreieren und Vertriebspartner zu finden, die für einen nennenswerten Umsatz sorgen. Bei allem hat er sich vom Kuchenbasar-Konzept inspirieren lassen, allerdings einen Weg gefunden, um damit auch selbst eine Existenzgrundlage zu schaffen.

14 Responses to Wie der Kuchenbäcker Eduard Razum Frankfurt lebenswerter machen will

  1. […] ohne Bäckermeister zu sein. Einen anderen Weg habe ich im Januar hier im Blog beschrieben (Kuchbäcker Eduard Razum aus Frankfurt). Und die Idee zeigt, dass es viele Wege gibt, um SeniorInnen aktiv einzubinden. Schon vor sieben […]

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