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Krautreporter wandeln auf den Spuren von „De Correspondent“ und suchen 15.000 zahlende Abonnenten

Erstmals habe ich im Januar 2013 hier im Blog über die Krautreporter berichtet. Dabei handelte es sich um ein linientreues Copy Cat der amerikanischen Crowdfundingplattform spot.us, auf der Journalisten im voraus finanzielle Unterstützer für ihr Projekt einwerben können. Allerdings lief dieses Projekt hier in Deutschland nur sehr schleppend an. Deshalb haben die Krautreporter Ausschau nach anderen Vorbildern gehalten und sind in den Niederlanden fündig geworden:

Seit Frühjahr 2013 sorgen die Gründer der Onlinezeitschrift „De Correspondent“ (über die wir im letzten Jahr schon berichtet haben) für viel Wirbel. Nur Abonnenten, die 60 EUR im Jahr zahlen, können die Zeitschrift lesen, mit diskutieren und mit entscheiden. Und trotzdem oder vielleicht gerade deswegen können bis heute mehr als 30.000 zahlende Abonnenten gezählt werden. Dieser enorme Erfolg schrie nach einem Copy Cat in Deutschland. Die Krautreporter ergriffen in diesem Jahr die Gelegenheit, um ihr Geschäftsmodell einfach zu ändern, um damit nachhaltigen Erfolg zu erzielen.

Seit 13. Mai 2014 suchen die Krautreporter nun bis 13. Juni mindestens 15.000 Abonnenten, die jeweils 60 EUR pro Jahr bereit sind zu bezahlen, um die Existenz dieses Online-Magazins für mindestens ein Jahr sichern zu können. Klingt bis dahin wie ein 100%iges Copy Cat der Holländer. Das wollen sich allerdings die deutschen Macher nicht nachsagen lassen. Sie haben sich entschieden, dass auch Nichtzahler die fast täglich erscheinenden Artikel lesen können. Aber nur Abonnenten können die Texte kommentieren, haben Zugriff auf exklusive Inhalte, können die Seite bequemer nutzen, werden in Recherchen einbezogen, zu Krautreporter-Veranstaltungen eingeladen uvm.

Im Gegensatz zu De Correspondent haben die Krautreporter damit die Grundidee der Freeconomics mit aufgenommen. Das Risiko dieser „Regeländerung“ im Vergleich zum De Correspondent ist aus meiner Sicht überschaubar, weil die Krautreporter erst starten werden, wenn die Finanzierung des ersten Jahres gesichert ist, sprich 15.000 zahlende Abonnenten eingeworben werden konnten. Die Chancen dafür stehen gut, denn aktuell konnten schon mehr als 4.500 Abonnenten gewonnen werden (nach gut einer Woche). Und aufgrund der vielen Fernseh-, Zeitungs- und Onlineberichte stehen die Chancen gut, dass ein Momentun entsteht und das ehrgeizige Ziel bis 13. Juni erreicht wird.

Und wer steckt hinter dem Projekt? Die Initiatoren sind Sebastian Esser (Gründer Journalismus-Crowdfunding-Plattform Krautreporter, “V.i.S.d.P.”, “Spredder”), Philipp Schwörbel (Gründer und Geschäftsführer „Prenzlauer Berg Nachrichten“) und Alexander von Streit (Ex-Chefredakteur “WIRED”, Herausgeber „Vocer“). 25 bekannte Journalistinnen und Journalisten im Alter von 27 bis 61 sind Teil des Gründungsteams des Online-Magazins, das seinen Schwerpunkt auf sorgfältig recherchierten und ausgeruhten Journalismus legt. Auf der Webseite der Krautreporter werden die 25 Journalisten näher vorgestellt. Darunter sind „Pop-Stars“ wie Stefan Niggemeier genauso wie unbekannte Autoren und Newcomer. Das Themenspektrum ist sehr breit gefasst. Jeder Autor soll 2000 bis 2500 Euro pro Monat verdienen und dafür mindestens einen Text pro Woche abliefern.

Bleibt noch die wichtige Frage: „Wird es Krautreporter als Crowdfunding-Plattform in Zukunft nicht mehr geben?“ Diese Frage beantworten die Macher auf ihrer Webseite: „Die Crowdfunding-Plattform wird zum Teil des Magazins. Krautreporter wird das erste Medium mit einer eigenen Crowdfunding-Plattform sein. Jeder Journalist kann wie bisher Projekte über die Plattform finanzieren.“ Auch darin unterscheiden sich die Krautreporter von ihrem Vorbild aus den Niederlanden. Und die letzte Frage lautet: „Wird es viele weitere Copy Cats der Krautreporter in Deutschland geben?“. Meine Antwort: Das kann ich mir schon vorstellen, sprich themenspezifische Magazine, die diese Idee auch aufgreifen werden. Aber es wird auch viele weitere Geschäftsmodelle auf dem Weg in den Journalismus 2.0 geben.

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