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Original Unverpackt hat die Türen geöffnet

Was lange währt wird endlich gut. Im Jahr 2006 habe ich mit Bulk Barn das erste Mal über ein Lebensmittelgeschäft berichtet, das nahezu ohne Verpackungen auskommt. Dieses Konzept aus Nordamerika kommt gut an. Mittlerweile gibt es in Kanada mehr als 125 Bulk Barn Geschäfte. Ein Franchisekonzept sorgt für die schnelle Verbreitung. In 2011 habe ich dann über das US-Einzelhandelskonzept in.gredients berichtet, das ursprünglich komplett auf Verpackungen verzichten wollte.

Im Jahr 2013 wurde ich erstmals auf das deutsche Einzelhandelskonzept „Original Unverpackt“ aufmerksam, die nun auch Deutschland gegen den Verpackungswahnsinn in Lebensmittelsupermärkten ankämpfen wollen. Nachdem sie schon Kapital bei privaten Investoren einsammeln konnten, initiierten sie im Frühjar 2014 eine Crowdfundingaktion auf startnext. Mehr als 100.000 EUR konnten auf diesen Weg zusätzlich eingesammelt werden. Das zeigte spätestens, wie stark die Unterstützung der Community für solch ein Konzept sei.

Lange haben wir gewartet, bis nun am letzten Samstag Original Unverpackt seine Türen für die Öffentlichkeit geöffnet hat. Denn die Gründerinnen Milena Glimbovski und Sara Wolf mussten nicht nur einen passenden Laden finden und umbauen, sondern auch viele andere Hürden aus dem Weg räumen. Aufgrund der strengen Hygienevorschriften in Deutschland dürfen die Kunden keine eigenen Behälter mitnehmen und damit Lebensmittel aus Behältern auffüllen. Insofern mussten die Gründerinnen ein Pfandkonzept mit Mehrwegverpackungen, die wieder zurückgenommen werden, entwickeln.

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Schwierig war es auch, passende Lieferanten zu finden, die sich verpflichten, ebenfalls Verpackungsabfall zu verhindern. Dazu müssen auch deren Lieferanten mit eingebunden werden. Das zeigt, wie aufwendig solch ein Initiierungsprozess sein kann. Trotzdem können schon zum Start ca. 350 verschiedenen Produkte angeboten werden, darunter Obst, Gemüse, Marmeladen, Säfte, Bier, Spirituosen, Kosmetik und natürlich auch Trockenprodukte wie Bohnen, Reis und Gewürze. Jeden Samstag kommt ein Käsehändler vorbei, der seine frischen Waren im Laden verkauft. Dies ist auch den ca. 100 qm geschuldet, die dieser Laden derzeit nur groß ist.

Die Herausforderungen sind auch in Zukunft groß. Denn z.B. die Marmeladenmanufaktur „Rosenrot & Feengrün“ aus dem Spreewald befindet sich schon jetzt an ihren Kapazitätsgrenzen. Somit muss „Original Unverpackt“ wohl für andere Städte ganz neue Lieferanten ausfindig machen, auch schon deshalb, weil hauptsächlich Produkte aus der Region verkauft sollen, um insgesamt die Umweltverträglichkeit des Konzeptes zu wahren. Es ist somit ein beschwerlicher Weg, bis das Konzept skalierbar ist. Aber hier können sich die Gründer ja mit o.g. Anbietern austauschen, die schon länger in diesem Geschäft sind.

Auf die Community kann sich „Original unverpackt“ auf jeden Fall verlassen. Viele Freiwillige haben angepackt, damit die Ladeneröffnung am Samstag rechtzeitig erfolgen konnte. Und am Medientag (einige Tage vorher) standen viele Mitstreiter zur Verfügung, um die Vision von der Welt ohne Verpackungen zu zeichnen. Eine entsprechende Medienresonanz war die Folge. Und die mehr als 40.000 Facebookfans werden sicherlich auch für entsprechend Mundpropaganda sorgen. Fazit: Es war zwar nur ein kleiner Schritt (wenn man das Gesamtsortiment eines Supermarktes betrachtet), den Original Unverpackt am Samstag gegangen ist, aber einen sehr wichtigen.

Ist „Original-unverpackt“ alleine unterwegs, gegen den Verpackungswahnsinn in Lebensmittelgeschäften in Deutschland anzukämpfen? Nein. Es gibt z.B. Unverpackt-Kiel. Dieses Geschäft hat schon im Februar 2014 seine Pforten geöffnet. Laut Angabe auf der Webseite können hier die Kunden die Produkte in ihre eigenen Behälter füllen. Alternativ können auch Papiertüten verwendet werden. Das ist zwar nur semioptimal, aber pragmatisch. Schliesslich ist es sehr aufwendig, ein komplettes Mehrwegkonzept aufzubauen.

Noch einen anderen Weg geht der Bioladen „Biosphäre“ in Berlin. Hier gibt es momentan zwei Regal mit „Bulk-Ware“. Das Angebot soll step by step ausgebaut werden. Ich könnte mir vorstellen, dass ein findiger Unternehmer diese Idee adaptiert und solche Regale unter einer Handelsmarke auch für andere Supermärkte anbietet. Damit könnte das Bulk-Konzept schnell verbreitert werden und auch im regulären Einzelhandel Einzug halten.

Und vergessen wir nicht, dass Anbieter wie Schuhbeck´s Gewürzladen schon lange die Möglichkeit bieten, Gewürze aus großen Behältern zu „schaufeln“. Das ist zwar nur eine Teillösung, aber ein guter Anfang. Ich hoffe, es entwickelt sich zeitnah ein passendes Kooperationsnetzwerk, denn ein Gründer alleine kann die Herausforderungen nicht lösen. Anstatt sich nun gegenseitig Konkurrenz zu machen, sollten die Player zusammenarbeiten.

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