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Der StartUp-Buchverlag Guggolz setzt auf „Content-Recycling“

Die 2.000 Verlage in Deutschland geben pro Jahr mehr als 90.000 Bücher heraus. Das führt dazu, dass die Neuerscheinungen, die es nicht umgehend in die Topsellerlisten schaffen, schnell wieder aus den Regalen der Buchhandlungen verschwinden. Das fand der 32jährige Sebastian Guggolz schade, der sechs Jahre als Lektor in einem Berliner Buchverlag arbeitete. Schliesslich entschloss er sich, in diesem Jahr seinen eigenen Buchverlag zu gründen.

Mit Neuübersetzungen und Neuausgaben vergessener und zu Unrecht aus dem Fokus geratener Werke will Guggolz eine wichtige Marktlücke schließen. Er startet in diesem Jahr mit den Büchern Zwei Seelen und Frommes Elend. Dabei handelt es sich um „schwere Kost“ aus einer anderen Zeit aus Nordeuropa bzw. Russland. Wie soll der Neustart gelingen? Mit aktuellen Nachworten und durch ergänzende Kommentierung soll ein Bezug zur aktuellen Lage geschaffen werden.

Sebastian Guggolz hat sich aufgrund seiner schlanken Kostenstrukturen ausgerechnet, dass er nur ca. 2.000 Exemplare pro Buch verkaufen muss, um in die Gewinnzone zu kommen. Trotzdem ist das für einen neuen Buchverlag, der schwere Kost in der Nische anbietet, kein leichtes Unterfangen. Deshalb hat Guggolz Indiebook, eine Verlagsvertretung für unabhängige Verlage, damit beauftragt, seine Bücher bei den Buchhändlern zu vermarkten. Der erste große Erfolg konnte darin verzeichnet werden, dass Dussmann, die größte Buchhandlung Berlins, die Bücher von Guggolz in die Auslage legte. Und auf der Frankfurter Buchmesse hofft Guggolz auf viel Aufmerksamkeit, schliesslich hat er ein Buch aus Finnland (Partnerland der Frankfurter Buchmesse in diesem Jahr) im Programm.

Warum habe ich heute dieses Beispiel gewählt? Weil es alle Gründer dazu anregen soll, Vergessenes neu zu entdecken. Schauen Sie sich die Modeindustrie an. Die greift Designs vor dreißig oder vierzig Jahren wieder auf und überführt sie in die Gegenwart. Restaurants entdecken alte Rezepte neu. Gründer lassen sich von alten Ideen, die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch nicht erfolgsversprechend waren (weil z.B. Timing oder Umfeld noch nicht passten), inspirieren. Jeder sollte eine Bibliothek mit „alten Ideen“ aufbauen, deren Zeit noch nicht oder wieder kommen wird.

Mehr dazu in einem Artikel der Berliner Zeitung

8 Responses to Der StartUp-Buchverlag Guggolz setzt auf „Content-Recycling“

  1. […] das Recycling des Contents von Büchern, die seiner Meinung nach zu schnell wieder aus den Regalen der Buchhandlungen verschwunden sind, […]

  2. Ist nicht ein Leitsatz fest verankert: Trends kommen und gehen? Dieser Blogartikel ist definitiv ein Beispiel dafür, dass auch vergessenes trotzdem noch „in“ sein kann.

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