lammily

In Geschäftsidee, Serie "Geschäftsideen finden"

Neue Geschäftsideen finden (7): Konstruktiver Protest

In der Demokratie gehört es zum Alltag, dass demonstriert wird. In der Regel wird im Rahmen dieser Demonstration gegen etwas protestiert. Unternehmer dagegen ticken umgekehrt. Sie entwickeln für Probleme Lösungen und verdienen damit im besten Fall gutes Geld. Beide Themen müssen aber kein Widerspruch sein. Sie können im Rahmen des „konstruktiven Protestes“ miteinander kombiniert werden. Ich habe dazu eine Beispiele zusammengetragen, die ich hier im Blog schon vorgestellt habe.

Künstler sind prädestiniert dafür, Protest künstlerisch zu verpacken. Aus solchen Kunstprojekten können auch Geschäftsmodelle entwickelt werden. Dabei helfen können heute auch Crowdfundingplattformen, wie das Beispiel der Anti-Barbie-Puppe eindrucksvoll zeigt. Aber auch aus den Protestbewegungen heraus können Geschäftskonzepte entwickelt werden. Da hier aber meistens jeder mitreden will, sind diese Konzepte am ehesten dazu „verdammt“, zu scheitern. Esseidenn einzelne Macher dominieren eine Protestbewegung und entwickeln daraus konstruktive Lösungen, wie es die „Buy Local“ Bewegung zeigt.

Die Anti-Barbie-Puppe wird zum Verkaufserfolg
Immer mehr Menschen lehnen sich gegen das Schönheitsideal auf, dass auf Laufstegen, in Werbeanzeigen und durch die Barbie-Puppe propagiert wird. In diesem Rahmen kam der Künstler Nickolay Lamm auf die Idee, via Photoshop zu zeigen, wie die Barbie-Puppe aussehen würde, wenn die Proportionen einer durchschnittlichen jungen amerikanischen Frau zugrunde gelegt werden würde. Diese Aktion sorgte für viel Medienbuzz. Im Frühjahr 2014 startete Nickolay Lamm eine Crowdfundingkampagne, um die “echte Puppe” mit dem Namen “Lammily” produzieren zu können. Der Erfolg war überwältigend. Mehr als 13.000 Menschen bestellten auf diesen Weg mehr als 19.000 Lammily-Puppen und zahlten dafür insgesamt mehr als 500.000 USD im voraus. Mittlerweile gibt es eine gesamte Modekollektion und sogar „Schönheitsfehler-Aufkleber“. Geniale Story!

Der US-Künstler Adam Harvey wagt zivilen Ungehorsam
Die Welt entwickelt sich immer mehr zum „Überwachungsstaat“. Zahlreiche Künstler machen mit außergewöhnlichen Aktionen auf dieses Problem und negative Entwicklung aufmerksam. Der US-Künstler Adam Harvey hat zum Beispiel ein MakeUp entwickelt, das die Gesichtserkennungssoftware überlisten soll. Er erfand die Off-Pockets. Das sind Taschen, die Handysignale blocken sollen. Für viel Aufmerksamkeit sorgte auch seine Anti-Drohnen-Mode. Damit soll es Drohnen nicht mehr gelingen, Menschen zu orten bzw. zu erkennen, um wen es sich handelt. Mit der Camoflash-Mode sollen Paparazzis „arbeitslos werden“, indem die Kleidung aufblitzt, wenn ein Blitzlicht erscheint. Im New Museum Shop sind zahlreiche Produkte von Adam Harley zu kaufen.

Occupy-Bewegung will Banken Konkurrenz machen
Mitglieder der Occupy-Bewegung, die gegen den negativen Einfluss der Banken auf die Volkswirtschaften protestierten, hatten vor einiger Zeit die Idee, konstruktiven Protest zu wagen. Sie gründeten die “Occupy Money Cooperative” (nicht mehr online). Sie wollten ursprünglich eine Genossenschaftsbank gründen. Um aber erst einmal „klein anzufangen“, kamen die Mitglieder auf die Idee, im ersten Schritt eine Kreditkarte auf Guthabenbasis herauszugeben. Ziel war es, die Ausgrenzung der mehr als 30 Mio. Amerikaner ohne Bankkonto nicht länger gesellschaftlich auszugrenzen. Für diese Kreditkarte sollte keine Aufnahmegebühr verlangt und nur eine monatliche Grundgebühr von 99 US-Cent erhoben werden. Die Occupy Money Cooperative wollte ihr Geld damit verdienen, dass sie an den Transaktionsgebühren, die von den teilnehmenden Geschäften und Partnern erhoben werden, beteiligt werden würden. Allerdings wurde die Idee bisher noch nicht umgesetzt. Protestieren ist wohl doch leichter, als ein eigenes Business aufzubauen 🙂

“Buy Local”: Aus einer Bewegung wird ein Geschäftskonzept
Im Jahr 2011 hat das Buchhändlerehepaar Riethmüller eine “Buy Local” – Initiative gestartet, um die Bürger aufzufordern, wieder vor Ort in den stationären Buchläden einzukaufen, die auch vor Ort Steuern zahlen und Mitarbeiter beschäftigen. Aus der Initiative ist ein Verein geworden. Der Buy Local Verein spricht mittlerweile nicht nur Buchhändler an, sondern alle stationären Einzelhändler in Deutschland. Unterstützt werden die Mitglieder mit Informationen, Beratung und Coaching. Zudem werden an sie Merchandisingartikel verkauft wie z.B. Einkaufstaschen, Aufkleber, Aufsteller etc. Das ist ein gutes Beispiel, wie sich aus einer Protestbewegung ein eigenständiges Geschäftskonzept entwickelt hat. Nicht jede Unternehmung muss erwerbswirtschaftlich sein.

Möchten Sie noch mehr Ideen und Anregungen bekommen, neue Geschäftsideen zu entwickeln? In der Serie „Neue Geschäftsideen finden“ stelle ich regelmäßig neue Denkanstöße vor. In Zukunft soll es es nicht mehr dem Zufall überlassen werden, ob und wann Sie neue Geschäftsideen finden, mit denen Sie erfolgreich durchstarten können.

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