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Im Trend: Unverpackt(e) Lebensmittel / verpackungsfreie Supermärkte

Update 18.1.2016: In unserem Ideenmagazin habe wir u.g. Übersicht aktualisiert und erweitert und stellen alle Anbieter aus dem deutschsprachigen Raum chronologisch vor (sowie einige wichtige Player in Europa und USA).

Früher im Krämerladen war es üblich, dass viele Lebensmittel ohne Verpackung verkauft wurden und die Kunden ihre eigenen Behälter mitbrachten. Heute ist das unüblich, wird aber wieder zum Trend. Vorreiter war die Einzelhandelskette Bulk Barn, die 1982 in Kanada gegründet wurde und mittlerweile mehr als 200 Verkaufsfilialen mit einem Sortiment von mehr als 4.000 Produkten eröffnet hat. Im Jahr 2007 eröffnete das erste Geschäft mit unverpackten Produkten in London mit dem Namen unpackaged. Seit letztem Jahr schwappt nun der Trend, unverpackte Lebensmittel (nicht nur Obst und Gemüse) zu verkaufen, in den deutschsprachigen Raum über.

Für viel Medienresonanz sorgten die Gründerinnen von „Original Unverpackt“, die nach langer Vorbereitungszeit mit viel Medienresonanz und Auszeichnungen und Durchführung einer erfolgreichen Crowdfundingaktion im Herbst 2014 Ihren ersten Laden in Berlin eröffneten. Damit waren sie zwar gefühlt die First Mover im deutschen Markt, aber Wettbewerber wie „Unverpackt-Kiel“ und „Freikost Deinet“ in Bonn eröffneten früher. Und mittlerweile rollt eine Lawine neuer Geschäfte auf uns zu, bevor „Unverpackt Original“ von seinem Ruhm profitieren und selbst eine erfolgreiche Franchisekette aufbauen kann. Hier präsentiere ich einen aktuellen Marktüberblick:

Bereits eröffnet in Deutschland und Österreich

Lunzers Maß-Greißlerei
Am 25. Januar 2014 eröffnet Andrea Lunzer die Bio-Maß Greißlerei in Wien, die ohne Verpackungen auskommt. Die Gründerin war zuvor im Verpackungsbereich und Marketing einer großen Bio-Lebensmittelkette tätig war. Das Interieur mit den dunklen Regalen erinnert an das Vorbild aus London, der Unpackaged Shop. In einer kleinen Ecke des Geschäfts gibt ein Cafe mit Bistrotischen. Viele Gründer aus Deutschland sind nach Wien gepilgert, um einen der First Mover im deutschsprachigen Raum zu besuchen.

Unverpackt Kiel
Das Geschäft wurde im Februar 2014 von der Deutsch-Französin Marie Delaperrière eröffnet. Die Produktpalette umfasst Getreide, Teigwaren, Hülsenfrüchte, Ölsaaten, Nüsse, Öle und Essig, Oliven und Knabbereien, Tee und Kaffee, Obst, Gemüse, Trockenfrüchte, Spirituosen, Süßwaren, Reinigungsmittel sowie Duschgel und Seifen: Insgesamt mehr als 400 Produkte umfasst das Sortiment und wird Tag für Tag erweitert!

Frida Bioladen und Cafe Vorarlberg
Hinter dem Frida Bioladen Cafe im österreichischen Vorarlberg stecken die Gastronomin Daniela Eiterer und die Yogalehrerin Heike Ausserer. Die Gastronomie hat bei ihnen einen größeren Stellenwert als bei vielen anderen Konzepten. Ab November 2014 sammelten die Gründerinnen 12.000 EUR auf der Crowdfundingplattform startnext ein. Schliesslich hat es Original Unverpackt vorgemacht, wie man einen großen Teil des Startkapitals auf startnext einsammeln kann. Am 1. März 2015 wurde das Geschäft eröffnet. In einem Blog informieren sie über Neuigkeiten.

Freikost Deinet Bonn
Freikost Deinet wurde im Mai 2014 von Hilke und Tim Deinet in Bonn eröffnet. Das Sortiment ist sehr umfangreich: Obst, Gemüse, Käse und Molkereiprodukte, Eier, Wurst und Schinken, Brot, Brötchen, Feingebäck, Öl, Essig, Müslisortiment, Pasta, Hülsenfrüchte, Reis und Getreide, Kaffee, Tee, Gewürze, Nasch- und Knabberkram, Getränke, Körperpflege und Reinigungsmittel. Neben dem Einzelhandelsgeschäft gibt es auch ein Cafe. Der Name ist ein schönes Wortspiel (Feinkost, frei von Verpackung).

Original Unverpackt Berlin
Das Geschäft wurde im September 2014 von den Gründerinnen Milena Glimbovski und Sara Wolf in Berlin öffentlichkeitswirksam eröffnet. Die lange Vorbereitungszeit wurde u.a. damit begründet, dass die Gründerinnen aufgrund der Hygienvorschriften ein Pfandkonzept mit Mehrwegverpackungen, die wieder zurückgenommen werden, entwickeln mussten. Zum Start konnten ca. 350 verschiedenen Produkte angeboten werden, darunter Obst, Gemüse, Marmeladen, Säfte, Bier, Spirituosen, Kosmetik und natürlich auch Trockenprodukte wie Bohnen, Reis und Gewürze. Käse wird über einen Kooperationspartner verkauft.

Unverpackt Mainz
Vor drei Jahren hat Abdelmajid Hamdaoui den Brotposten am Frauenlobplatz in Mainz eröffnet, eine Bäckerei, in der zu günstigen Preisen Brote vom Vortag verkauft werden. Am 8. Juni 2015 hat er nun das erste Unverpackt-Geschäft in Mainz eröffnet. Zu Beginn bietet er ein Sortiment von ca. 200 Produkten an. Die Produkte sollen nicht nur unverpackt verkauft werden, sondern aus der Region kommen, Bioprodukte und saisonal sein. Wichtig ist dem Gründer, dass die Produkte gute Qualität haben und trotzdem „bezahlbar“ sind.

Annas Unverpacktes Heidelberg
Am 18. Juni 2015 eröffnete die 31jährige Anna Wahala in Heidelberg „Annas Unverpacktes“. Das Sortiment umfasst zum Start nur Getränke und Trockenware sowie nachhaltiges Kuchenzubehör. Essig und Öl wird wegen den strengen Vorschriften noch nicht verkauft. Beim Angebot orientiert sich die Gründerin daran, was es in der direkten Umgebung von anderen Geschäften noch nicht angeboten wird. Mit selbst zusammengestellten Backmischungen will die Gründerin bald punkten und sich von der Konkurrenz abgrenzen.

Regional und Unverpackt Schwäbisch Gmünd
Auf der Startseite wird das Konzept wie folgt beschrieben: „Wir sind ein kleiner Supermarkt mit regional und unverpackten Lebens- und Haushaltsmitteln. So charmant und persönlich wie ein Tante-Emma-Laden und doch so vielseitig sortiert wie ein kleiner Discounter. Die Idee zu unserem kleinen Laden entstand in Anlehnung an das Konzept der Berliner Vorbilder „Original Unverpackt“- entwickelt und realisiert von Milena Glimbovski und Sara Wolf.“ Gründerin und Geschäftsführerin ist die Fitnessfachwirtin und Ernährungsberaterin Stephanie Kerschbau. Am 1. Juli 2015 wurde das Geschäft eröffnet.

In Planung

OHNE – Erster verpackungsfreier Supermarkt für München
Die Schneidergesellin Hannah Sartin und der Ingenieur Carlo Krauß wollen den ersten verpackungsfreien Supermarkt in München eröffnen. Die Gründerstory ist wie folgt: „Die Idee mit dem eigenen Laden entstand, als wir unseren Alltag nach und nach auf Zero Waste umstellten. Dazu inspiriert hat uns das fantastische Buch von Bea Johnson. Im Zuge dieser Umstellung stellten wir fest, dass es mitunter sehr beschwerlich sein kann, in München eine ganze Familie mit diesem Lebenskonzept zu ernähren. Immerhin gibt es hier noch keinen verpackungsfreien Supermarkt. Diese Lücke wollen wir schließen.“ Im Juni 2015 endete erfolgreich eine Crowdfundingaktion auf startnext mit einer Fundingsumme von 48.000 EUR.

Louise genießt – unverpackte Lebensart Erfurt
Der Koch Björn Urbach, die Diätassistentin Claudia Schmeisser und die Ernährungstherapeutin Martina Böttger wollen in Erfurt das Ladengeschäft „Louise genießt“ eröffnen. Deshalb haben sie auf startnext (wo sonst?) einen Crowdfundingaktion gestartet. Sie wollen auf diesen Weg 35.000 EUR einsammeln. Noch sind die Informationen über das Projekt sehr rudimentär. Mal schau´n, ob und wie es weitergeht.

Tuetenlos – Verpackungsfreies Einkaufen in Köln
Mit „Tuetenlos“ wollen Tatiani Katrantzi und Philip Birkenstock sowie Andrea & Samuel Erdmann das Konzept des verpackungsfreien Einkaufens endlich auch nach Köln holen und etablieren. Sie finden es mehr als wichtig hierbei den ökologischen und den regionalen Ansatz zu pflegen und weiter auszubauen. Das Konzept lautet: „Wir wollen ein möglichst großes Sortiment „von nebenan“ anbieten. Das bedeutet, dass wir unsere Ware direkt von den Landwirten beziehen und somit euer regionaler Hofladen mitten von Köln werden wollen.“ Mitte Juni 2015 wurde eine Crowdfundingaktion auf Startnext gestartet. Die Fundingschwelle liegt bei 35.000 EUR.

Im Web kann man auch von weiteren Plänen z.B. in Innsbruck, Freiburg und Co. lesen. Allerdings wurden noch keine aktuellen Pläne veröffentlicht. Zudem gibt es sicherlich auch Projekte, von denen ich noch nichts gelesen habe, die vielleicht noch unter Radar laufen. Gerne ergänze ich obige Liste um weitere Projekte, wenn ich entsprechende Infos erhalte, gerne an unsere Mail (siehe Impressum) oder im Kommentarfeld.

Update 18.1.2016: In unserem Ideenmagazin habe wir u.g. Übersicht aktualisiert und erweitert und stellen alle Anbieter aus dem deutschsprachigen Raum chronologisch vor (sowie einige wichtige Player in Europa und USA).

7 Responses to Im Trend: Unverpackt(e) Lebensmittel / verpackungsfreie Supermärkte

  1. […] Lebensmittel, die unverpackt sind […]

  2. Auch Leipzig soll von übermäßigem Müll befreit werden! Helft uns den nächsten verpackungsfreien Supermarkt ins Leben zu rufen. -> https://www.startnext.com/unverpackt-leipzig

  3. Lena Prestel sagt:

    Hallo Herr Schneider,

    super Artikel zumt Thema verpackungsfreie Supermärkte! Ich wollte sie nur darüber informieren das im Oktober der verpackungsfreie Supermarkt „Liebe&Lose“ in Innsbruck eröffnet hat.

    http://www.liebeundlose.at/

  4. Danke an alle,

    es wird zeitnah ein Update im Magazin geben.

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