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eatsa will das Automatenrestaurant des digitalen Zeitalters werden

Die Schokoladenfabrik Stollwerck stellte im Jahr 1887 die ersten Verkaufsautomaten an öffentlichen Plätzen wie Bahnhöfen auf. Damit konnten sie einen unvergleichlichen Siegeszug feiern. Schon sechs Jahre später, 1893, waren es 15.000 Automaten, in denen Stollwerck-Schokolade verkauft wurde. Verantwortlich für diesen Erfolg war Ludwig Stollwerck, der zweitjüngste Sohn des Firmengründers Franz Stollwerck. Von diesem Erfolg inspiriert gründete Ludwig Sollwerk zusammen mit Max Sielaff und Theodor Bergmann 1896 die „Deutsche Automaten Gesellschaft“. Ziel war es, Automatenrestaurants zu etablieren, in den Kunden gegen Münzeinwurf aus Fächern ihr Essen rausnehmen konnten. Was in Deutschland begann, fand in den USA seinen Höhepunkt mit den Horn & Hardart „Automat“ Restaurants. Sie wurde zur größten Restaurantkette der Welt der damaligen Zeit.

Eines Tages war der Boom zu Ende und Schnellraustaurants wie Mc Donalds eroberten die Welt. Automatenrestaurants fristen heute ein Schattendasein. Nur die Febo-Restaurantkette betreibt vorwiegend via Franchise mehr als 50 Automatenrestaurants vorrangig in den Niederlanden. Bekannt geworden sind sie für ihre leckeren Kroketten. Doch jetzt soll in den USA eine neue Ära begründet werden. Vor kurzem eröffnete in San Francisco das erste eatsa Autmatenrestaurant. Die Gründer haben die Vision, mit ihrem Konzept McDonalds, Chipotle und Co. anzugreifen. Nach dem erfolgreichen Start in San Francisco soll als nächstes Los Angeles folgen und dann die ganze USA.

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Das Restaurant besteht aus drei Zonen. In der Bestellzone kann man an Terminals sein Essen bestellen und bezahlen. Man kann natürlich auch schon von unterwegs via Smartphone oder Tablet eine Bestellung abgeben. In der Abholzone stehen Automatenfächer, in den das Essen zur Verfügung gestellt wird. Auf einem Display steht, welcher Gast welches Automatenfach zugewiesen bekommt. An der Fenstertür des Ausgabefaches steht nochmals der Name des Restaurantgastes. Mit einem zweifachen Fingertippen kann das Essen aus dem Ausgabefach entnommen werden. Im besten Fall soll das zwei Minuten nach der Bestellung möglich sein. In den ersten Tagen konnte es aber aufgrund des hohen Andrangs auch schon einmal knapp 20 Minuten dauern. In der Regel sollen aber fünf Minuten Wartezeit nicht überschritten werden. Das Essen kann der Gast in der Essenszone (3. Zone) essen oder mitnehmen .

eatsa will aber nicht nur mit Schnelligkeit und einfachen Bestell- und Bezahlfunktionen punkten. Auch das Essen soll überzeugen. Es handelt sich derzeit um acht Grundgerichte, die alle aus gesunden, leckeren Zutaten bestehen. Hier sollen vor allem die gesundheitsbewussten Amerikaner aber auch die Veganer und Vegetarierer glücklich gemacht werden. Eine wichtige Zutat fast aller Gerichte ist Quinoa, das nährstoffreiche „Scheingetreide“ aus den Anden. Die Grundgerichte kosten ca. 7 USD. Damit will eatsa schnell, gesundes Essen zum kleinen Preis anbieten.

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Ganz kann das Restaurant noch nicht auf Menschen vor und hinter dem Tresen verzichten. Es gibt einen Concierge im Restaurant, der bei Fragen und Problemen hilft und auch die Tische sauber macht. Das Essen wird auch noch von Menschen zubereitet, die das fertige Gericht in die Automatenfächer stellen. Wenn es nach den Gründer geht, soll diese Arbeit in naher Zukunft von Kochrobotern übernommen werden. Und obwohl das alles sehr steril klingt, ist das Feeback auf Yelp überschwenglich gut. Nicht nur die Konkurrenz, sondern auch potentielle Restaurantgründer sollten das hier beschriebene Konzept näher im Auge behalten.

Die Zeit wird zeigen, ob sich dieses Automatisierungskonzept in der Restaurantszene immer mehr durchsetzen wird oder nicht. Letztlich zählt aus meiner Sicht die Schnelligkeit. Wenn der Kunde bei eatsa schneller sein Essen erhält als bei der Konkurrenz, kann das ein Wettbewerbskiller werden. Natürlich müssen Qualität des Essen und der Preis stimmen. Nicht zu unterschätzen aus meiner Sicht ist die Funktion des Concergies. Ich habe das hier in einem Blogpost näher erläutert. Und vielleicht beleben die eatsa-Gründer auch wieder die Idee von Mini-Bars, wie das vor einigen Jahren in Amsterdam begonnen hat (wenn auch nur mit begrenztem Erfolg).

Mehr Zukunftskonzepte für die deutsche Gastroszene haben wir hier aufgelistet.

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