deepfield robotics

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Zukunftstrend Smart Farm hat viele Facetten

1950 konnte ein Bauer rund 2.500 Kilogramm Weizen von einem Hektar Anbaufläche erwirtschaften. Heute ist es mehr als das Dreifache. Dafür sind nicht nur Fortschritte bei der Pflanzenzucht verantwortlich, sondern auch viele technische Innovationen. Der Zukunftstrend in der Landwirtschaft lautet folgerichtig: „Smart Farm“. Das ist auch dringend erforderlich, um die wachsende Weltbevölkerung mit Lebensmitteln zu versorgen. Dabei gibt es viele Herangehensweisen, um dieser Herausforderung gerecht zu werden.

Der Agrarroboter „Bonirob“ von Bosch leistet dazu einen Beitrag. Der Roboter ist so groß wie ein Kleinwagen, manövriert Dank videobasierter Positionsbestimmung sowie Satellitennavigation auf den Zentimeter genau über das Feld. Bei neuen Pflanzensorten wertet er Blattgröße und -farbe, Fruchtgröße und -form, Wuchsform, Insektenbefall oder den Gehalt des grünen Blattfarbstoffes Chlorophyll aus. Nicht nur die Pflanzenzucht kann der Bonirob wesentlich beschleunigen. Auch die alltägliche Arbeit auf dem Feld erleichtert der Agrarroboter. Anhand der Blattformen unterscheidet er Nutzpflanzen von Unkraut. Mit Hilfe eines Rammstabs beseitigt er Unkraut mechanisch statt mit Gift. Unerwünschte Pflanzen werden einfach und mit hoher Geschwindigkeit in den Boden gerammt.

Der BoniRob ist ein Produkt der Deepfield Robotics, ein Start-up der Robert Bosch Start-up GmbH, das seine Anfänge in 2008 in der Bosch Konzernforschung und im Rahmen des öffentlich geförderten Projekts „BoniRob“ fand. Gegründet wurde das Start-up Mitte 2014. Beim „2015 euRobotics Technology Transfer Award“ auf dem Europäischen Robotik-Forum in Wien wurde der Bonirob im Frühjahr ausgezeichnet. Im September 2015 hat der Agrarroboter von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt den Deutschen Innovationspreis Gartenbau in der Kategorie Technik erhalten. Das ist nur ein Erfolgsbeispiel aus der StartUp-Schmiede „Bosch Start-up“, die es Mitarbeitern ermöglichen will, neue Ideen im Startup-Umfeld zum Erfolg zu führen.

Auch bei vielen anderen Smart Farm-Innovationen spielen Satelliten eine wichtige Rolle. Via Satellitenbilder können die Landwirte erkennen, ob ihre Pflanzen gesund sind und gedeien. Auch bzw. gerade in der Landwirtschaft werden autonom gesteuerte Fahrzeuge (ohne Fahrer) eingesetzt und via Satelliten gesteuert. Die schottische Lachsindustrie verwendet Satelliten, um z.B. bei schädlicher Algenverbreitung frühzeitig zu waren. Und für die englischen Muschelzüchter wird ebenfalls die Wasserqualität auch via Satelliten ständig kontrolliert.

Mit Hilfe von Satellitendaten können aber nicht nur Monitoringarbeiten übernommen und Fahrzeuge gesteuert werden. Schottlands Rural College (SRUC) hat sog. „virtuelle Zäune“ entwickelt. Dafür erhalten die Kühe eine Manschette, die z.B. via Tonsignal die Kühe davon abhalten können, ein bestimmtes Gebiet zu betreten (sog. Sperrzonen). Damit können die Kühe immer zu den Wiesen mit dem frischesten Gras geführt werden und zum Beispiel auch vor giftigen Pflanzen bewahrt werden. Bauernhöfe könnten damit Zehntausende EUR pro Jahr sparen, indem nicht mehr Zäune Installatiert, reparariert und ersetzt werden müssen.

Der Pferdefuß bei vielen Anwendungen liegt allerdings noch darin, dass Satellitendaten häufig noch sehr teuer zu erwerben sind und es sich deshalb noch nicht alle Landwirte derzeit leisten können. Die Firma Planet Labs mit Sitz in San Francisco hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit Hilfe von sog. Mini-Multi-Satelliten-Systemen die Satellitendaten zu „demokratisieren“. Das soll nicht nur, aber auch den Kleinbauern in Zukunft zu Gute kommen. Und auch die EU will mit ihrem Galileo-System solche Daten für Landwirte zu fairen Preisen zur Verfügung stellen.

Viele europäische Staaten legen auch spezielle Förderprogramme auf, damit die Smart Farm bald Realität wird. In Großbritannien gibt es z.B. das Förderprogramm „Satellites to improve agri-food systems“, das mit 3,75 Mio GBP ausgestattet wurde, damit die Landwirtschaft dank innovativer satellitenbasierter System effektiver arbeitet. Anhand obiger Beispiele kann man erkennen, dass viele Player dabei sind, um die Smart Farm zu realisieren. Und das ist auch gut so!

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