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Locomore will der Deutschen Bahn Konkurrenz machen

Die Deutsche Bahn hat in den letzten Jahren mit den Fernbussen (die nach der Liberalisierung auch nur innerhalb Deutschlands fahren dürfen) eine ernstzunehmende Konkurrenz bekommen. Einige Startups haben die Chance genutzt, in diesen neuen Markt einzusteigen, wie wir hier im Blog regelmäßig berichtet haben. Dabei konnten die Angebote der Fernbusunternehmen nicht nur durch konkurrenzlos günstige Preise Kunden gewinnen, sondern auch durch verschiedene Serviceangebote (z.B. kostenloses WLAN).

Allerdings wird es mittlerweile für die Fernbusunternehmen immer ungemütlicher. Politiker fordern eine Maut für Fernbusse. Und Städte wollen die Fernbushaltestellen aus der Innenstadt rausdrängen, um das dadurch verursachte Verkehrschaos einzudämmen. Zudem gibt es schon kurz nach der Liberalisierung einen Verdrängungswettbewerb, weshalb einige Player schon aus dem Markt ausgestiegen sind. Dadurch können die Margen nicht so schnell wachsen, wie eigentlich erhofft.

Die aktuelle Situation bedeutet aber nicht, dass sich die Deutsche Bahn zurücklehnen kann. Denn mittlerweile drängen jetzt auch private Beförderungsunternehmen auf die Schiene. Ein neuer Player, der sich noch in den Startlöchern befindet, ist Locomore. Locomore wurde bereits 2007 von Derek Ladewig gegründet und war maßgeblich an der Initiierung des Hamburg-Köln-Express (HKX) beteiligt. Derek Ladewig und weitere Kollegen verließen HKX jedoch noch vor dem Betriebsstart wegen grundlegender strategischer Differenzen mit dem amerikanischen Mehrheitsinvestor RDC.

Jetzt starten sie einen neuen Anlauf und setzen bei der Startfinanzierung auf Crowdfunding. Das liegt zum einen daran, dass Banken und Investoren sehr zurückhaltend sind, sich an solch einer Startfinanzierung zu beteiligen und zum anderen wollen die Gründer von Locomore damit auch austesten, ob die Nachfrage nach ihrem Angebot überhaupt groß genug ist. Die Gründer wollen sich aufgrund der Erfahrungen in der Vergangenheit nicht mehr verbiegen und vor allem die Wünsche der Kunden in den Vordergrund stellen. Zudem wollen sie auch aus ökologischen Gründen den Personenverkehr wieder auf die Schiene zurück lotsen.

Derzeit läuft eine Crowdfunding-Aktion auf Startnext. Zwei Monate nach Start der Aktion konnten ca. 50.000 EUR eingesammelt werden. Das ist zwar beachtlich, aber gemessen an der Fundinggrenze in Höhe von 240.000 EUR ist es unwahrscheinlich, dass die Ziele noch erreicht werden können. Aber nur dann ist ein Start im September 2016 wahrscheinlich. Allerdings verlassen sich die Gründer nicht allein auf die Kampagne bei Startnext. In Eigenregie haben sie im letzten Jahr eine Darlehenssumme in Höhe von mehr als 300.000 EUR (für ein Investorendarlehen) einsammeln können und somit schon 2/3 ihrer Gesamtfundingschwelle von 460.000 EUR erzielen können.

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Es wäre schade, wenn es zum Schluss am „nötigen Kleingeld“ scheitern würde. Denn nur alle fünf Jahr gibt es die Möglichkeit, mit der DB Netz AG Rahmenverträge abzuschliessen. Und genau solch einen Vertrag hat Locomore mit der DB Netz AG für fünf Jahre abschliessen können. Demnach kann ab dem 4. September 2016 ein Zug täglich auf der Strecke Berlin – Stuttgart hin und zurück fahren. Die einzelnen Haltestellen wären Berlin, Wolfsburg, Hannover, Göttingen, Fulda, Hanau, Frankfurt am Main, Darmstadt, Heidelberg, Vaihingen und Stuttgart. Es fällt auf, dass es sich fast ausschliesslich um Uni-Städte handelt.

Preislich will Locomore mit den Fernbussen fast mit halten können. Das StartUp will einen Tarif mit Einstiegspreisen bei früher Buchung ab 7 Euro auf kurzen, ab 13 Euro auf mittleren und ab 22 Euro auf langen Strecken anbieten. Diese günstigen Preise sollen auch möglich werden, weil gebrauchte IC-Wagen gekauft werden sollen, die dann modernisiert werden. Interessant finde ich auch das Rabattkonzept: Ab einer durchschnittlichen Sitzplatzauslastung von 75 % pro Zug und Gesamtstrecke sollen registrierte Mitreisende als Erfolgsbeteiligung einen Rabatt von 3 %, ansteigend auf bis zu 7 % bei Vollauslastung erhalten.

Aber nicht nur durch günstige Preise will man im Konkurrenzkampf mit der Bahn bestehen. Auch das Serviceangebot soll überzeugen, wie z.B. kostenloses WLAN, bedienerfreundliche Apps, freundliches Personal, das auch am Platz bedient (Essen und Getränke) und vieles mehr. Besonders spannend finde ich, dass Themenabteile geplant sind. Die Reisenden können Themen nennen und über das Reservierungssystem Reisende finden, die mit dabei sein wollen. Weitere Themenabteile: Auch über Reisen mit Kindern und Business hinaus wollen wir weitere Themenabteile anbieten.

Interessierte sollen auch das „Social Seating“ nutzen können: Auf freiwilliger Basis kann ein eigenes Profil gegenüber den anderen Reisenden zusammen mit der Sitzplatzauswahl freigeschaltet werden und im Gegenzug die freigeschalteten Profile anderer Reisender eingesehen werden. Über ähnliche Ideen von Fluggesellschaften haben wir schon hier und hier berichtet. Es könnte auch eine Partnerbörse im Zugabteil initiiert werden, wie wir hier berichtet haben. Viel mehr Ideen, wie man die Zugfahrt zum Erlebnis machen könnte, habe ich im Jahr 2006 vorgestellt. Langfristig könnten dann endlich auch die Deutsche Bahn servicefreundlicher werden, wenn ihr durch Wettbewerb entsprechend eingeheizt werden würde.

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