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StreetScooter: Wenn der Pilotkunde zum Hersteller wird

Die Deutsche Post war jahrelang auf der Suche nach einem Elektrotransporter, um die eigene Fuhrparkflotte nachhaltig umzurüsten. Allerdings fanden sie keinen Anbieter aus der Autoindustrie, der ihnen eine überzeugende, zeitnahe Lösung präsentieren konnte. Schließlich wurden Sie in Aachen fündig. Dort gründeten im Jahr 2010 Achim Kampker und Günther Schuh die Street Scooter GmbH (heute StreetScooter GmbH). Hervorgegangen war das Start-Up aus einer privatwirtschaftlich organisierte Forschungsinitiative an der RWTH Aachen, die zusammen mit 80 mittelständischen Unternehmen und zahlreichen Forschungseinrichtungen das erste Elektrofahrzeug ausdrücklich für den Kurzstreckenverkehr entwickelte.

Die Deutsche Post entschied sich, das Start-Up im Jahr 2014 zu kaufen und im ersten Schritt nur für den eigenen Bedarf zu produzieren. Mittlerweile fahren 2.500 StreetScooter-Fahrzeuge für die Deutsche Post. Im nächsten Jahr sollen es schon mehr als 5.000 E-Scooter sein. Die Erfahrungen des Pilotkunden flossen in die Entwicklung und Produktion des Fahrzeugs ein. Und das Geld des Investors hilft aktuell, die Produktionskapazitäten von 10.000 auf 20.000 Fahrzeuge pro Jahr zu verdoppeln. Das ist aus Sicht der Deutschen Post der richtige Zeitpunkt, um das Fahrzeug auch an Dritte zu verkaufen.

Mindestens die Hälfte der diesjährigen Jahresproduktion ist dabei für externe Interessenten vorgesehen. Diese sieht der Post-Konzern vor allem erst einmal bei Kommunen, strategischen Partnern und großen Flottenkunden im In- und europäischen Ausland. Ein großen Achtungserfolg konnte die StreetScooter GmbH erzielen, als sie im Frühjahr 2017 vermelden konnte, dass mit der Firma Deutsche See der erste „Großkunde“ gewonnen werden konnte. Speziell für Deutsche See wird der StreetScooter zum ersten Mal in einer Spezialanfertigung mit einem Kühlkoffer ausgestattet, der bis zu 680 Kilogramm Frischfisch durch das Stadtgebiet transportieren kann.

Die Jahresproduktion der StreetScooter-Fahrzeuge wird sich in etwa zu gleichen Teilen auf die Modelle „Work“ (mit rund 4m3 Ladevolumen) und „Work L“ (mit rund 8m3 Ladevolumen) verteilen. Die Preise für den StreetScooter Work beginnen ab 32.000 Euro (für die Basisvariante „Work Pure“). Auf Wunsch bietet die StreetScooter GmbH auch die entsprechende Lade-Infrastruktur mit an. Der nächste noch größere Transporter mit ca. 20m3 Ladevolumen („Work XL“) wird voraussichtlich Anfang 2018 auf den Markt kommen und dann ebenfalls in den externen Vertrieb gehen. Auch die E-Bikes von StreetScooter („Work S“) und E-Trikes („Work M“) können ab sofort von Dritten erworben werden.

Das ist ein typisches Beispiel dafür, dass nicht die klassische Automobilindustrie die E-Auto-Revolution anschiebt, sondern branchenfremde Player. Nicht nur die IT- und Internetunternehmen aus dem Silicon Valley brechen in diese Falance ein, sondern auch Logistikunternehmen. Die wissen aus der täglichen Praxis genau, was sie brauchen. So können sie dabei helfen, die Fahrzeuge perfekt auf die Anforderungen der Kunden auszurichten. Und sie haben auch genug Geld (und Geduld), um diese Herausforderung zu lösen, gemeinsam mit dem Start-Up Spirit von Quereinsteigern, die schnell praktikable Lösungen entwickeln. Ein Modell, dass sicherlich Schule machen wird.

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