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Gute Ideen für den Kampf gegen Coffee-To-Go-Einwegbecher

Laut Deutscher Umwelthilfe (DUH) landen jede Stunde mehr als 300.000 Einwegbecher in Deutschland im Müll. Coffee-To-Angebote sind schon seit vielen Jahren ein Ärgernis für jeden, der sich um die Umwelt sorgen macht. Auf der anderen Seite gibt es viele Lösungsansätze, um dieses Problem einzudämmen. In zahlreichen Städten wurde bereits darüber nachgedacht, eine zusätzliche Müllbeseitigungsabgabe für Anbieter von Coffee-To-Go einzuführen oder sogar Einwegbecher komplett zu verbieten. Das macht aus Sicht von Experten nur dann Sinn, wenn es auch konstruktive Lösungen gibt, um die Einwegbecher-Plage durch Alternativen zu bekämpfen. Wir wollen hier Lösungen von verschiedenen Institutionen, Organisationen und Firmen präsentieren.

Städtische Abfallentsorgungsgesellschaften
Der Abfallwirtschaftsbetriebs München (AWM) hat ein „Konzept zur Eindämmung der Coffee-to-go-Becherflut“ entwickelt, das im Mai 2017 vom Münchner Stadtrat genehmigt und beschlossen wurde. Demnach sollen im ersten Schritt Geschäfte, Kantinen und Bürger informiert werden und im zweiten Schritt bei der Einführung von Mehrwegsystemen unterstützt werden. Freiburg ist diesbezüglich schon einen Schritt weiter.
Im November 2016 hat die Abfallwirtschaft und Stadtreinigung Freiburg GmbH im Auftrag der Stadt das Mehrweg-Pfandsystem „FreiburgCup“ eingeführt. Partner sind vorwiegend die Betreiber von Cafés und Bäckereien, die Kaffee zum Mitnehmen verkaufen. Dort erhält die Kundschaft den Kaffee auch im Pfandbecher. Das Pfand beträgt 1,00 Euro und wird bei Rückgabe des gebrauchten Bechers erstattet. Die Kunden können die leeren Becher auch in vielen Geschäften in Freiburg zurückgeben, teilnehmende Betriebe sind mit einem Aktions-Aufkleber an der Ladentür erkennbar.

Regionale Initiativen
Dank des ausdauernden Engagement der Umwelt- und Abfallbeauftragten der Universität Tübingen wurde das Arbeitsbündnis „Müllarmes Tübingen“ gegründet, das schnell in „tü-go“ umbenannt wurde. Dank dieses Arbeitsbündnisses würde in Tübingen die Aktion „BESSER BECHERN“ eingeführt. Jeder, der seinen eigenen Mehrwegbecher mit in eines der teilnehmenden Geschäfte in Tübingen bringt und befüllen lässt, erhält einen Rabatt von mindestens 20 Cent auf den gekauften Kaffee. Dieser Rabatt ist unabhängig von der Art und Marke des Mehrwegbechers. Außerdem kann man in allen teilnehmenden Geschäften den Keepcup als Mehrwegbecher für 7,95€ kaufen.
In Hamburg wurde vom el rojito e.V. (Verein zur Förderung der deutsch-lateinamerikanischen Beziehungen) am 1. November 2016 das „REFILL IT“ – Pfandsystem für Kaffeebecher eingeführt.

Initiativen von Bundesländern
Im Frühjahr 2016 hat die hessische Umweltministerin Priska Hinz die Initiative „BecherBonus“ ins Leben gerufen. Die Ministerin will Cafés, Bäckereien, Tankstellen und andere Geschäfte, die Heißgetränke für unterwegs verkaufen, dafür gewinnen, den Bechermüll zu reduzieren. Ein Preisnachlass von mindestens 10 Cent soll Kundinnen und Kunden dazu motivieren, einen eigenen Mehrwegbecher mitzubringen. Das Ministerium unterstützt die Aktion mit Marketing- und Pressearbeit. Schon ein halbes Jahr nach Start konnten 17 Unternehmen mit mehr als 600 Filialen in Deutschland gewonnen werden, darunter auch Aral, McDonalds und Nordsee.

Überregionale Initiativen
Die Deutsche Umwelthilfe hat das Projekt „Becherheld – Mehrweg to go“ im September 2015 gestartet, um den Verbrauch umweltschädlicher Coffee to go-Becher zu verringern.
Aber auch Privatpersonen starten vorbildliche Initiativen. So hat die Münchner Politik-Studentin Julia im Jahr 2015 die Initiative „coffee-to-go-again“ ins Leben gerufen. Mit dem Logo der Kampagne zeigen Cafés und Bäckereien ihre Teilnahme an der Aktion und schenken Kaffee auch in selbst mitgebrachte Mehrwegbecher der Gäste aus. Sie bieten ein entsprechendes Anreinzsystem (Rabatt, Zugabe) an und etablieren evtl. sogar ein eigenes Mehrwegsystem. Schon mehr als 300 Betriebe sind mit dabei. In Regensburg, Erlangen und Castrop-Rauxel wird Coffee To Go Again als Modell von der Stadt umgesetzt. Via Crowdfundingkampagne hat Julia Post im Sommer 2016 mehr als 12.500 EUR einsammeln können, um die Initiative weiter finanzieren zu können.

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Initiativen von Cafés
Tchibo bietet in allen seinen Kaffeebars vom 12. bis zum 18. Juni 2017 neue, hochwertige Mehrwegbecher in vier Farben zum günstigen Einführungspreis von 1,50 € an, später für 2,99 €. Wer sein Heißgetränk direkt in einen Mehrwegbecher, egal welchen, in der Filiale befüllen lässt, erhält ab dem 12. Juni bei Tchibo 10 Cent Rabatt. Viele andere Kaffeehäuser bieten ebenfalls Rabatte an, wenn Mehrwegbecher verwendet werden, machen dafür aber häufig nicht explizit Werbung.
Die Frankfurter Bäckereikette Eifler will laut einem hessenschau-Artikel ab dem Sommer 2017 mit einem eigenen „Coffee to go“-Pfandsystem starten. Für die 65 Filialen in der Stadt hat die Marketingabteilung laut Artikel bereits 20.000 Becher bestellt. Das könnte zu einer erfolgreichen Kundenbindungsmaßnahme werden und gerade LOHAS-Kunden in die Geschäfte locken.

Gewerbliche Anbieter von Mehrwegsystemen
Die Cupcycle UG startete 2012 ein Mehrwegsystem-Pilotprojekt an der TU Berlin. Ab Ende 2013 wurde es ruhig um das Start-Up. Dann wurde das Start-Up vom Aachener Unternehmer Rudolf Schnettler übernommen (neuer Sitz ist Aachen). Seitdem bietet CupCycle mit weiterentwickelten Konzepten und einem neuen Becher Inhouse- und Pool-Mehrwegsysteme für den Coffee-to-Go Markt an.
Im September 2016 gründeten Fabian Eckert und Florian Pachaly die reCup GbR, um im November 2016 ein Becher-Mehrweg-Pilotprojekt in Rosenheim zu starten. Im Mittelpunkt steht der reCup-Becher, der aus 100% recyclebaren Kunststoff hergestellt wird und bis zu 500 mal gespült und wiederverwendet werden soll. Im Februar 2017 erfolgte die GmbH-Gründung und die Expansion nach München. Ein weiterer wichtiger Meilenstein war die Fusion mit JustSwapIt, dem Berliner Pfandsystem. Jetzt soll zeitnah deutschlandweit expandiert werden.
Allerdings gibt es auch zahlreiche andere Start-Ups, die einen „Stück vom Kuchen abbeißen möchten“. Dazu gehört z.B. Dan Brandes, der das Mehrwegsystem Con-Cup im ersten Schritt in Mainz und dann weiter im ganzen Rhein-Main-Gebiet einführen will. Leider wird bei dieser Lösung weiterhin ein Wegwerfdeckel verwendet.

Gewerbliche Anbieter von Mehrwegbechern
Abigal Forsythe startete mit ihrem Bruder in 1998 einen Coffee Shop in Melbourne (Australien). Nach einigen Jahren machte sie sich Gedanken darüber, wie man die Zahl an weggeworfenen Einwegbecher verringern könnte. Bestehende Mehrwegbechr (z.B. aus Alu) überzeugten sie nicht (hinsichtlich Design, Spülmaschinentauglichkeit, Anzahl der Wiederverwendungen, Umweltbilanz). So entwickelte sie den KeepCup und vertreibt ihn seit 2009. Seitdem wurden drei Millionen KeepCups in 32 Ländern verkauft. Eine enorme Erfolgsstory.
Seit 2011 produziert und verkauft Baba Norooz mit seiner Nowaste GmbH wiederverwendbare Kaffeebacher aus Baumharz (der „Baumsaft“ fällt bei der Produktion von Papier als biologischer Abfallstoff an). Das Produkt ist hitzbeständig bis 110 Grad, lebensmittelverträglich, ist biologisch abbaubar und wird vollständig aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt. Allerdings hält der Becher nur ca. 75 Spülmaschinenwaschgänge aus. Bisher werden die Becher vor allem von Firmen als Kundengeschenk mit Werbeaufdruck bestellt. Durch die Investition in einer Digitaldruckmaschine sollen bald individuell bedruckte Becher in großer Stückzahl schnell hergestellt werden können.
Seit einigen Jahren produziert und verkauft die Firma CupTrends aus Dresden Mehrwegbecher und Thermobecher vor allem für Gewerbe und Industrie. Darunter zählt auch der Becherheld der Deutschen Umwelthilfe (siehe oben). Einige ausgesuchte Thermobecher-Modelle werden auch zum Einzelkauf im Onlineshop angeboten.

Diese Übersicht zeigt, dass die Aktivitäten in diesem Segment vielfältig sind. Gerade bei den Kaffee-Mehrwegbecher-Pfandsystemen kommt dank einiger Initiativen viel in Bewegung. Es ist zu erwarten, dass nach den ersten positiven Erfahrungen von Pilotstädten wie Freiburg, Rosenheim und Pilot-Bundesländern wie Hessen viele andere Städte und vielleicht auch Bundesländer bald folgen werden. Es gibt zwar einige Pioniere im Segment „Kaffee-Mehrwegbecher“, aber der „Kuchen ist noch nicht komplett verteilt“. Dank des aktuellen Rückwinds ist vielmehr zu erwarten, dass bald weitere Start-Ups in dieses Business (auf vielfältige Art und Weise) einsteigen werden. Jetzt ist die Zeit reif (nachdem sich Pioniere, die zum Teil zu früh loslegten, teilweise schon die Finger „verbrannt“ haben).

Mehr gute Ideen von Green Start-Ups finden Sie im Best-Practice-Special „Green Start-Ups“ und in der Blogrubrik „Idee – Green“.

Fotos: (c) Recup GmbH, Aktion_Becherheld_Streetartist_F.Chalk_(c)_Bachmann / Deutsche Umwelthilfe

3 Responses to Gute Ideen für den Kampf gegen Coffee-To-Go-Einwegbecher

  1. Viola Zweschke sagt:

    Ich finde es sehr wichtig, auf die Umwelt zu achten und der Plastik- und Papiermüllflut so weit es geht Einhalt zu gebieten. Mein Mehrweg-Kaffeebecher ist aus Bambus. Es wäre nur wünschenswert, dass mehr Bäckereien und Cafés mitmachen und es bald überall möglich ist, den eigenen Becher auffüllen lassen zu können.

  2. Hallo Frau Zweschke,

    ich glaube, da kommt derzeit viel in Bewegung. Genau deshalb habe ich auch den Artikel geschrieben. Ich bin guter Hoffnung, dass es sich dieses Mal nicht um Randerscheinungen handelt, weil immer mehr Player daran arbeiten, ein ganzes Ökosystem aufzubauen.

  3. M. D. sagt:

    Ich denke, wenn viele Anbieter genügend Werbung machen, dann würde sich die Idee wenigstens zum Teil durchsetzen, was zu wünschen wäre.

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