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Viele gute Ideen für mehr E-Tankstellen in Deutschland

In Norwegen ist mittlerweile jeder dritte neu zugelassene PKW ein E-Auto oder Hybridfahrzeug. Das Geheimnis dahinter ist schnell gelüftet: Ein E-Auto in Norwegen ist günstiger in Anschaffung und Betrieb als ein vergleichbares Benzin- oder Dieselfahrzeug. Allerdings gibt es auch eine unbequeme „Nebenwirkung“. Da in Oslo die Zahl der neuen E-Autos deutlich schneller steigt als die Zahl der neue E-Ladesäulen, ruft die Autovereinigung in Norwegen dazu auf, aktuell nur ein E-Auto anzuschaffen, wenn man es zu Hause aufladen kann.

Draus sollte Deutschland lernen und frühzeitig ein flächendeckendes und für alle zugängliches Netz an E-Ladestationen aufbauen, bevor der E-Auto-Boom in Deutschland beginnt. Es gibt zwar nach einer Studie des „European Alternative Fuels Observatory“ ca. 25.000 Ladepunkte in Deutschland (im Vergleich zu 15.000 Tankstellen), allerdings sind die wenigsten Ladepunkte „smart“ und für alle leicht zugänglich. Hier muss somit noch stark nach- und gleichzeitig aufgerüstet werden. In diesem Punkt sind vor allem die Städte, Kommunen, Energieversorger und Parkhausbetreiber gefragt, die auch bisher schon aktiv waren. Allerdings wird das nicht reichen. Deshalb präsentieren wir hier weitere Lösungsideen.

Ladestationen von Privatanbietern für alle zugänglich machen
Im Jahr 2013 gründeten die Wiener Friedrich Vogel und Franz Schodl das Start-Up ENIO, um mit einer Software-as-a-Service-Lösung Ladestellen für Elektroautos europaweit zu vernetzen. Seit kurzem können auch Privatpersonen durch Installation einer ENIO-Ladestation die Hauswand zur E-Ladestation aufwerten. Die Besonderheit: Elektrofahrer, die beim youCharge-Programm von ENIO mitmachen und sich damit gegenseitig ihre Lade-Systeme zur günstigen Nutzung zur Verfügung stellen. Nichtmitglieder sollen youCharge zu Marktpreisen nutzen können. Selbstverständlich können sich am Programm nicht nur private Hausbesitzer, sondern auch Firmen und anderen Marktteilnehmer beteiligen. Eine ähnliche Lösung bietet Motionwerk mit Share&Charge an, damit auch die Ladestationen von Privatanbietern für alle zugänglich werden.

Hotel- und Gastronomie
Wann stören Wartezeiten von 30 – 60 Minuten nicht, um ein E-Auto aufzuladen? Wenn man eine Pause macht und in der Gastronomie essen geht und in einem Hotel übernachtet. Und hier ist auch der Bedarf derzeit sehr groß, weil lange Strecken im E-Auto nur zurückgelegt werden können, wenn zwischendurch neu aufgetankt wird. Deshalb baut Tank & Rast zusammen mit Innogy deutschlandweit ein Netz an E-Schnellladesäulen auf. Auch McDonalds will passende Lösungen für E-Autos anbieten, z.B. auch in Österreich. Ladeinfrastrukturanbieter wie Walbe bieten passenden Lösungen für Hotel & Gastronomie an.

Kostenlos Strom aufladen dank Werbung
Besonders attraktiv sind E-Tankstellen, wenn dort die Batterie kostenlos aufgeladen werden kann. Parkhausbetreiber haben dies genauso erkannt wie Unternehmen aus der Hotel- und Gastronomiebranche. Nicht jeder will allerdings diesen Service querfinanzieren. Deshalb bietet das Start-Up Sparkhorizon mit Sitz in Zürich die Möglichkeit an, E-Ladestationen aufzubauen, ohne dass sich der Anbieter vor Ort nennenswert finanziell beteiligen muss. Möglich wird das, weil an den Ladestationen Werbedisplays angebracht werden und Sparkhorizon die Kosten dank Werbeerlöse wieder reinholt. Wichtig ist, dass die Sparkhorizon-Ladesäulen an stark frequentierten Stellen aufgestellt werden, zB. auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums.

Renault errichtet dank ausgemusterter Batterien autonome E-Tankstellen ohne Stromanschluss
Renault verkauft seine E-Autos ohne Batterie. Die Batterie wird vermietet, damit die Anschaffungskosten für die Autokäufer nicht zu hoch sind. Derzeit fahren schon mehr als 100.000 Renault E-Autos mit vermieteter Batterie herum. Was tun, wenn die Mietverträge auslaufen? Eine Idee besteht darin, mehrere gebrauchte Batterien zu verwenden, um eine E-Tankstelle ohne Stromanschluss zu errichten. Der nötige Strom kann via Solaranlage oder Windrad erzeugt werden und der Strom via Batterie gespeichert werden. Dadurch könnten Lücken im E-Tankstellennetz schnell geschlossen werden.

Amazon will mit Drohnen Elektroautos wieder auftanken
Warum sollte man eigentlich nur stationäre Stromtankstellen anbieten? Diese Frage stellte sich Amazon und hat eine Idee entwickelt, in ferner Zukunft Drohnen dafür einzusetzen, Elektroautos wieder mit Strom aufzuladen. Die Drohnen sollen auf dem Dach des Fahrzeugs landen, andocken und dann die Fahrzeuge mit Energie versorgen. Amazon hat ein entsprechendes Patent im Jahr 2014 angemeldet und jetzt genehmigt bekommen. Bereits früher hat Amazon ein mobiles System patentieren lassen, um Drohnen mit niedrigem Akkustand unterwegs wieder aufladen zu können. Keiner weiß, ob diese Technik je zum Einsatz kommt, aber es ist gut, dass sich alle Gedanken darüber machen, wie E-Autos in Zukunft unterwegs aufgetankt werden können.

Graphik: (c) Sparkhorizon

4 Responses to Viele gute Ideen für mehr E-Tankstellen in Deutschland

  1. jwd sagt:

    Hallo Redaktionsteam, viele interessante Ansätze für uns als eTankstellen-Hersteller @ladefoxx – sofern eine Ergänzung erlaubt ist: eine Idee aus Tokio, unsere Countdown Ladestation. Während der Öffnungszeiten und über die vereinbarte Zeitdauer: Park- und Ladefrei, danach Politessen-Alarm und automatisches Abkopplen der Ladestecker. Keine Registrierung, Roaming etc notwendig und low Tech für Restaurants, Fitness-Studios, Shoppingcentern…. siehe: http://www.smowl.de/boxenstopp-in-etappen/ VG!

  2. Einkaufsnetz sagt:

    Hallo Leute, also Elektroautos sind schon eine richtig coole Sache, aber eine Frage konnte mir bisher noch niemand so richtig schlüssig beantworten. Wo kommt denn der ganze zusätzliche Strom für die Elektroautos her? Beim Wechsel zum Strom handelt es sich um einen Wechsel des Energieträgers und der benötigte Strom muss bereitgestellt werden. AKW’s und Kohlekraftwerke die eine ordentliche Power im Megawatt bereich zu jeder Tages und Nachtzeit bereitstellen könnten werden in den nächsten Jahren immer weniger, Solar-, Windkraft und Strom aus Biomasse sollen das ausgleichen. Wie soll das derzeit gehen, weder haben die genannten Energierezeugungssysteme derzeit eine ausreichende Kapazität noch gibt es hinreichende Speichersysteme die den Strom bei Überproduktion Speichern und zu Zeiten mit einer hohen Last wieder abgeben können. So sehr ich auch ein Freund von Strom und Elektroautos bin, aber den Verbrennungsmotor können wir nicht so schnell ersetzen.

  3. Hallo jwd,

    danke für die spannende Ergänzung.

  4. Hallo Einkaufsnetz,

    ich finde, der Trend in Deutschland hinsichtlich der Energiewende stimmt, wenn es auch derzeit eine „Durststrecke“ gibt. Vielleicht bringt eine evtl. Jamaika-Koalition frischen Wind in die Angelegenheit.

    Nicht vergessen: Noch rollen nicht viele E-Autos über deutsche Straßen. Auch hier hinken wir den Zielen hinterher.

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