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Geox-Gründer Mario Moretti Polegato geht auch bei der Unternehmensnachfolge ungewöhnliche Wege

Eigentlich sollte Mario Moretti Polegato als ältester Sohn das Weingut seines Vaters übernehmen. Aber es kam ganz anders. Denn der gelernte Weinbauer litt unter seinen Schweißfüßen, weil er wie die meisten Menschen Schuhe mit Gummisohlen trug. Um das Problem nachhaltig zu lösen, bohrte er Löcher in seine Schuhsohle. Im nächsten Schritt entwickelte er einen Schuh, aus dessen Sohle Dampf wie aus einem Bügeleisen ausströmt und meldete ein Patent an. Da kein etablierter Schuhhersteller Interesse an der Verwertung des Patentes hatte, gründete Mario Polegato Mitte der neunziger Jahre die Firma GEOX. Wir berichteten 2006 hier im Blog über diese außergewöhnliche Gründerstory.

Auch wenn GEOX nicht immer nur Erfolge feiern konnte, konnte die Firma für das Jahr 2016 einen Umsatz von mehr als 900 Mio EUR vermelden. Die Firma verkauft die Schuhe über mehr als 1.000 eigene Geschäfte (und Franchisefilialen) in der ganzen Welt. Die Firma hat mehr als 5.000 Mitarbeiter. Und die Firma hat Polegato zu einem der reichsten Männer Italiens gemacht. Im Jahr 2004 brachte er 29 % seiner Anteile an die Mailänder Börse. Die Erlöse aus dem Börsengang steckt er genauso wie die restlichen Anteile in die familieneigene Finanzholdig LIR. Das war eine gute Entscheidung, denn nach einem Höhenflug der Aktienkurse für wenige Jahre gibt es seit 2008 für die Aktionäre nur noch wenig Grund zur Freude.

Im Jahr 2009 ergab sich für Polegato die Chance, die italienische Sportartikelfirma Diadora zu erwerben, die damals kurz vor dem Konkurs stand. Nicht nur der Kauf war eine kluge Entscheidung, weil seitdem Diadora eine enorme Erfolgsstory hinlegt. Polegato entschied sich, seinem Sohn Enrico die Führung von Diadora zu überlassen. So kann sich der Sohn seine eigenen Sporen verdienen, ohne täglich im Schatten seines Vaters zu stehen. Noch denkt Mario Moretti Polegato mit seinen 65 Jahren noch nicht daran, aufzuhören, auch wenn das Alltagsgeschäft schon durch einen familienfremden CEO gemanagt wird.

Aber wenn sich Polegato dafür entscheiden sollte, in den Ruhestand zu gehen, hat er mit seinem Sohn auf sehr intelligente Weise einen Unternehmensnachfolger aufgebaut, der sich mit den Erfolgen bei Diadora die nötigen Sporen schon verdient hat. Und er hat ein zweites „As“ in seinem Beteiligungsportfolio. Und es entsteht bei der Unternehmensnachfolge kein Zeitdruck. Wenn die aktuellen Firmenlenker erfolgreich sein sollten, kann sich der Sohn von Polegato noch mehr Sporen bei Diadora verdienen, bevor er aktiv bei GEOX einsteigt. Oder er übernimmt nur eine Position im Aufsichtsrat, hat dann allerdings viel Know How, um auch die Funktion professionell zu begleiten. Und wie ein Unternehmensnachfolge auch in 3. oder 4. Generation erfolgreich funktioniert, erläutern wir hier näher.

Gefunden bei Handelsblatt

Was waren die Erfolgsgeheimnisse von GEOX? Neben der genialen Erfindung war es besonders das Design, das die Schuhe zu Verkaufsschlagern machte. Allerdings hatte GEOX auch mit Qualität zu kämpfen. Zu viele Kunden kehrten deshalb nicht wieder. Auch, weil bei GEOX bei der Rückgabe von Schuhen w/ Qualitätsmängeln wohl nicht sehr kulant war. Im Rückblick wuchs GEOX zu schnell und brachte zuviel Produktvarianten heraus, bevor alle Voraussetzungen erfüllt waren, um rentabel zu wachsen. Viele Filialen sind nicht rentabel. Auch hier rächte sich schnell das zu schnelle Wachstum. Zudem kämpft GEOX auch mit der Wirtschaftsflaute im eigenen Lande. Ein Drittel aller GEOX-Geschäfte befinden sich in Italien.

Mittlerweile setzt GEOX mehr auf Kostenkontrolle und schließt unrentable Filialen. Umgekehrt werden an ausgewählten Orten der Welt neue Geschäfte eröffnet. Zudem versucht GEOX, das Einkaufserlebnis vor Ort neu zu erfinden. Und es setzt mehr auf den Vertriebskanal „Onlinehandel“ und Onlinemarketing, so dass vielleicht auch die Aktionäre in wenigen Jahren wieder mehr zu lachen haben. Ob allerdings die Ausweitung des Geschäftes auf Bekleidung der richtige Weg ist, bleibt abzuwarten.

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